Allgemeine Berichte | 23.02.2022

Feministas aus Koblenz

Feminists strike back

Queerfeministisch, kämpferisch, solidarisch

Koblenz. Seit über 100 Jahren streiken, kämpfen und protestieren am 8. März weltweit Millionen Feminist*innen. Auch in Koblenz wird am Dienstag, 8. März Feminismus und vor allem der Kampf gegen das Patriarchat unter dem Motto „feminists strike back - queerfeministisch, kämpferisch, solidarisch“ auf die Straße getragen. Ein Zusammenschluss unterschiedlicher, feministisch interessierter und engagierter FLINTA-Personen (FLINTA = Frauen, Lesben, intersexuelle, nicht-binäre, trans und A-Gender Personen) organisiert an diesem Tag verschiedene Aktionen in der Stadt. Hierbei möchten die Akteur*innen eine intersektionale Perspektive, das heißt die Diskriminierung aus mehreren Perspektiven gleichzeitig, auf das Thema Feminismus darstellen.

Auf dem Münzplatz wird es von 15 bis 20 Uhr Informationsstände, Workshops, Ausstellungen, Musik und Aktionen geben. Hierbei werden unter anderem Catcalls of Koblenz, der AStA der Uni, unterschiedliche Künstler*innen der Region, das Frauenhaus und der Frauennotruf und anders organisierte Feminist*innen vor Ort sein.

Um 16 Uhr startet am Münzplatz ein Demonstrationszug durch Koblenz. An verschiedenen Kundgebungsorten wird es Redebeiträge zu Themen wie schwarzer Feminismus (in Zusammenarbeit mit Walk for Justice), intersektionalen Feminismus oder der Perspektive von FLINTA Personen auf der Flucht geben.

Die Demonstration beschreibt sich als „queerfeministisch“, denn nicht nur Cis-Frauen leiden unter dem Patriarchat. Auch Menschen, die sich einem anderen oder keinem Geschlecht, als dem ihnen bei der Geburt anhand ihrer Genitalien zugeordnet wurde, zugehörig fühlen, leiden unter den Machtstrukturen des Patriarchats. Auch ist die Binarität der Geschlechter ein alle einschränkendes System, welches es zu überdenken und überwinden gilt.

Als „kämpferisch“ bezeichnet sich die Demo, weil jeden Tag FLINTA-Personen weltweit patriarchaler Diskriminierung, Unterdrückung, Ausbeutung, Gewalt, Geringschätzung ihrer Arbeit und Mysogonie ausgesetzt sind. Oft sind sie dabei auch von Mehrfachdiskriminierung wie Rassismus, Ableismus, Diskriminierung aufgrund von Alter, finanzieller Mittel, Religion oder sexueller Orientierung betroffen. Der 8. März ist ein kämpferischer Tag, der diese Verhältnisse sichtbar macht - den Kampf gegen das patriarchale System und für eine Welt ohne Ausbeutung, Sexismus, sexualisierte Gewalt und Rassismus.

In der kapitalistischen Gesellschaft, voller selbstgerechter Aussagen wie „Frauen haben doch schon lange das Wahlrecht“ und „seien doch laut Gesetz gleichberechtigt“ wird sich auf einer Schein-Gleichstellung der Geschlechter ausgeruht. Es braucht Feminismus, um weiterhin Missstände sichtbar zu machen. In einer Gesellschaft ist das Individuum nicht nur seiner Natur oder Gesetzen unterworfen, sondern den Tabus und Grenzen eines gesellschaftlichen Wertesystems. Feminist*innen haben in den letzten Jahrzehnten zwar Veränderungen in patriarchalen Strukturen errungen, doch herrscht noch immer keine Gleichberechtigung oder Gleichbehandlung in Bezug auf Vergütungen, Karrierechancen oder Politik und Wirtschaft.

Die Demo bezeichnet sich als „solidarisch“ mit allen FLINTA, die unter diesen Machtstrukturen leiden. Machtstrukturen die dazu führen, dass FLINTA-Personen in größerer Armut leben als Männer, weniger Anerkennung erhalten, härter arbeiten müssen oder häusliche wie auch strukturelle, öffentliche Gewalt als Konsequenz ihres Geschlechts erfahren. Zum Sturz dieser Strukturen braucht es intersektionale, queerfeministische Solidarität mit allen von patriarchaler Unterdrückung betroffenen Personen dieser Gesellschaft.

Bei den Veranstaltungen sind auch Männer und Menschen, die sich als männlich definieren, willkommen. Allerdings wird sich von ihnen ein zurückhaltendes Verhalten gewünscht - der 8. März ist ein Tag für die Sichtbarkeit von FLINTA-Personen, auch wenn der Feminismus ebenso für Männer, die auch unter dem Patriarchat leiden, kämpft.

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