100 Jahre Freiligrath Denkmal
Ferdinand Freiligrath - ein Dichter der Freiheit
Rathausverein und Verschönerungsverein würdigen das Jubiläum mit einer Ausstellung und einer Feierstunde
Oberwinter. Vor 100 Jahren, wenige Wochen vor Beginn des Ersten Weltkrieges, am 17. Juni 1914, wurde unterhalb der Burgruine das Ferdinand Freiligrath Denkmal eingeweiht. Grund genug für den Rathausverein Oberwinter und den Verkehrs- und Verschönerungsverein Oberwinter/Rolandseck (VVOR) dazu eine Ausstellung im Rathaus auszurichten (Hauptstraße 99) und in einer Feierstunde an die Bauinitiative und ihre historische Bedeutung zu erinnern. Ein Schreck fuhr ihm in die Glieder, als er im Januar 1840 mit der Kutsche von Köln nach Unkel kam: „Ich schau empor; ich fahr entsetzt zurück, O Gott, o Gott, verschwunden ist der Bogen“, schrieb Ferdinand Freiligrath im Roland-Album. Nicht allzu viele Menschen werden heute noch seine Dichtkunst kennen. Allerdings ist unvergessen, wie engagiert und erfolgreich er sich für den Wiederaufbau des eingestürzten Rolandsbogens einsetzte.
Zu Freiligraths 200. Geburtstag hatten die Vereine 2010 das Wirken des Dichters beleuchtet und die Denkmal-Sanierung gefeiert. Diesmal geht es nun um die Entstehung des Baus zu Ehren eines Mannes, der bekannt war „für seine Wüsten- und Meerespoesie und als Revolutions- und Freiheitsdichter im Vormärz“, so der Rathausvereins-Vorsitzende Hans Metternich bei der Vernissage. Er zeigte sich bei den Mitgliedern Hans Atzler, Christian Schmiedel, Heinz Wilms und dem VVOR-Vorsitzenden Horst Eckertz für die Zusammenarbeit an der Ausstellung und dem VVOR als Denkmal-Besitzer für die intensive Pflege der Anlage erkenntlich. Der erste Kreisbeigeordnete Friedhelm Münch unterstrich, Ferdinand Freiligrath habe ein wunderbares Zeitzeugnis erhalten: „Ohne seine Initiative gäbe es dieses Symbol der Rheinromantik nicht mehr.“ Die Sanierung seines Denkmals hatte der Kreis mit 7000 Euro gefördert.
Angst vor „kleinlicher“ Wirkung
Horst Eckertz blickte auf die Bauhistorie. Anfang 1910 beschlossen Ferdinand Freiligraths Patenkind, Ferdinand Groyen und der Rolandsecker Postvorsteher Fritz Didier mit einem Komitee aus 22 Bürgern im Kölner Gürzenich das Freiligrath-Denkmal. Vom Hotelier Fritz Müller und dem Rolandsbogen-Wirt Peter Josef Lenz wurde das Gelände erworben. Bald gehörten 100 Persönlichkeiten zur Initiative. Doch dauerte es vier Jahre, bis durch Spenden und eine Freiligrath-Lotterie die Bausumme von 33.000 Mark zusammenkam. Die Büste spendete ein Freiligrath-Enkel, der Londoner Bildhauer Siegfried M. Wiens. Übrigens fürchtete die Baubehörde, „dass das Denkmal vom Rhein her zu kleinlich wirke“. Die Erbauer vermieden indes „jegliche Fernwirkung“.
Schirmherrin war die rumänische Königin Elisabeth, bekannt als Dichterin Carmen Silva, Einweihungsfestredner der Rheinbreitbacher Schriftsteller Rudolf Herzog, der die nationalen Aspekte in Ferdinand Freiligraths Leben hervorhob. „Spätere Gedenkfeiern stellen aber neben dem dichterischen Wirken und der Rolandsbogenaktion vor allem seine republikanisch-demokratische Bedeutung heraus“, sagte Horst Eckertz.
„Wir sind das Volk“
Zur Veranstaltung am 18. März 1976, der 100. Todestag von Ferdinand Freiligrath, schrieb der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Helmut Kohl prophetisch, die vom Dichter erstrebte Freiheit „ist heute in der Bundesrepublik verwirklicht“. Niemand ahnte damals, dass Ferdinand Freiligraths Satz „Wir sind das Volk“ auch zum Leitmotiv der demokratischen Wende 1989 in der DDR wurde. Bei der Feier 2010 am sanierten Denkmal „wurde diese Bedeutung für unser Gemeinwesen bis in die jüngste Gegenwart“ hervorgehoben und mit einer Gedenktafel gewürdigt.
Hans Joachim Bergmann überbrachte Grüße des Bürgermeisters Herbert Georgi und betonte als Vorsitzender des Partnerschaftsausschusses Remagen - Maisons-Laffitte: „Freiligrath war ein überzeugter Europäer. Das rechtfertigt, ihn in der heutigen Zeit zu berücksichtigen“.
Das Freiligrath-Denkmal, eine großzügige Treppenanlage, wurde am 17. Juni, nur wenige Wochen vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eingeweiht. Repro: HG
Der erste Kreisbeigeordnete Friedhelm Münch unterstrich seitens des Kreises Ahrweiler die Bedeutung des Denkmals. Foto: HG
