Allgemeine Berichte | 05.04.2022

Ausstellung: Internationale Trachtenwochen von 1959 bis 1964

Fest der Trachten und der Freundschaft

Franz Gert Hammes (re.), Organisator der Ausstellung im Gespräch mit Gast Helmut Rosenbaum. Foto: HG

Bad Breisig. An den Straßenrändern dicht geknubbelt Leute, alle Augen gerichtet auf exotische Gewänder, Trachten aus vier Erdteilen, Kapellen der Region und von fern her. Es waren Feste der Superlative, die Bad Niederbreisiger Volkstums- und Trachtenwochen 1959 bis 1964. Gemeindebürgermeister Heinrich Klein initiierte sie zur Völkerverständigung und zum besseren Verstehen „auch im eigenen Raum“. Natürlich ging es auch um ein Alleinstellungsmerkmal als Werbung für den Kurort.

Im Mittelpunkt standen bis auf eine Ausnahme die farbenprächtigen Umzüge. Eine einzige Festwoche zog 30.000 bis 50.000 Besucher an. Je nach Jahr waren 17 bis über 30 Nationen mit 50 bis 70 Trachten- und Musikgruppen aktiv beteiligt. Der Kurort und seine Vereine waren monatelang mit Organisieren befasst, Privatleute beherbergten Darsteller, eine Kraftanstrengung sondergleichen. Nun präsentiert Franz Gert Hammes Bilder, Presseberichte und einen Film im Stadtmuseum, Biergasse 3, wo auch Lieder von Lydia Ewandé gespielt werden.

Die Sängerin aus Kamerun avancierte zum Glanzpunkt der letzten Festwoche 1964, in der ein Schwerpunkt auf Afrika lag. Auf einen Umzug, sonst bejubelter Topact, hatte man in dem Jahr verzichtet. „Nicht mal für ein Programmheft war Geld da“, so Aussteller Hammes. Doch die Künstlerin trat mit ihrer sechsköpfigen Tanzgruppe „im Stil von Josefine Baker“ auf.

Hammes, alias „et Schimmelche“, berichtete über die Folklore-Ereignisse internationalen Flairs zwischen engen Stellwänden inmitten 400 Fotos. „Menschen, Menschen, Menschen“ sind darauf zu sehen, denn die Umzüge zogen die Massen an. Allein 6000 brachte die Fähre. Wenn sie gebannt die prächtig gekleideten Gruppen, Herolde zu Pferd, Musiker und zuletzt den „Wagen der Nationen“ mit Frauen aller teilnehmenden Länder verfolgten, stockte der Verkehr. Trotz Umleitung der Bundesstraße 9 innerhalb Bad Niederbreisig war zwischen Andernach und Remagen, Höhe Calmuthtal, kein Fortkommen.

Inder, Indonesier, Skandinavier, Griechen, Donaudeutsche aus Ungarn, USA-Squaredancers, Schotten mit Fellmützen, niederländische Tänzer und Hochradfahrer, alle in Landestracht – „das war beeindruckend, das ist hängen geblieben“, so Helmut Rosenbaum aus Brohl, der als Kind dabei war. Pure Begeisterung spricht aus dem Foto mit Inge Schmitz, damals Teilnehmerin der Volkstanzgruppe des TV Bad Niederbreisig und gleichfalls Gast der Vernissage. „Ich habe es geliebt“, schwärmt sie noch heute. Das Mega-Ereignis bescherte Bad Niederbreisig traumhafte Übernachtungszahlen. Aber Aufwand und Kosten überstiegen zuletzt die Möglichkeiten des Kurortes. „Es wurde mit jedem Jahr größer, es ist den Machern über den Kopf gewachsen, keinem wollte man absagen“, erinnert sich Schmitz. Die Ausstellung öffnet an allen Wochenenden im April, Mai, Juni, zusätzlich am 18. April und 6. Juni von 14 bis 17 Uhr. HG

Franz Gert Hammes (re.), Organisator der Ausstellung im Gespräch mit Gast Helmut Rosenbaum. Foto: HG

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