SFG Wershofen e.V.
Fliegen bildet den Charakter
Wershofen. Die Segelfluggruppe Wershofen organisierte in der ersten Augustwoche in den Sommerferien für Vereinsmitglieder und interessierte Schnupperer das alljährliche Flieger-Sommerlager, an dem rund zwanzig begeisterte Segelflieger teilnahmen. Groß war sie also, die Runde beim morgendlichen Briefing vor dem Hangar des Wershofener Flugplatzes, die zum überwiegenden Teil aus Jugendlichen bestand. Der jüngste Flugaspirant, der ehrgeizige vierzehnjährige Florentin aus Gerolstein, bestand mit drei weiteren Flugschülern erfolgreich einen weiteren Ausbildungsabschnitt des praktischen Teils der rund anderthalbjährigen Segelflugausbildung, die sogenannte B-Prüfung. Für die Fluglizenzanwärter steht ab jetzt Streckenflug und Navigieren auf dem Lehrplan.
Erst zwei Monate zuvor hatte Florentin am Tag seines Geburtstages den ersten Alleinflug wagen dürfen. Ein großer Tag im Leben eines jeden angehenden Piloten. Bis dahin wird unter Aufsicht erfahrener Segelfluglehrer in den zweisitzigen ASK-21 Modellen des Vereins geschult. Insgesamt verfügen die Wershofener Flieger über acht Segelflugzeuge vom Übungsflugzeug bis zum Hochleistungssegler.
Bis zum Feinschliff wird das gesamte Verfahren vielfach geprobt: morgendlicher penibler Flugzeug-Check, sicherer Windenstart, gefühlvolles Kreisen in der aufsteigenden Thermik und ausgedehnte Überlandflüge in die wunderschöne Eifellandschaft in rund tausend Metern Höhe. Fernblick in die Kölner Bucht inklusive.
Bei der Landung dann aber zeigt sich letztlich, wer die Fliegerei wirklich gut beherrscht. Gilt es hier doch vieles zu berücksichtigen, damit nichts zu Bruch geht. Alle Sinne sind gefordert. Dagegen ist Einparken ein Witz.
Erst wenn sich die Fluglehrer einig sind, darf man sich frei fliegen, wie es im Fliegerjargon heißt, sprich alleine fliegen. Die Segelflugwoche, die in diesem Jahr mäßige bis sehr gute Wetterverhältnisse bot, brachte jedem der Teilnehmer etliche Starts ein. Ungefähr sechzig bis hundert mal starten, fliegen, erfolgreich sanftes Ausgleiten und Landen auf einer der beiden Landebahnen des Wershofener Flugplatzes bedarf es dazu. Vorankommen ist im Sommerlager garantiert.
Segelflug gelingt nur im Zusammenwirken vieler Beteiligter
Einen Großteil der Zeit verbringen alle Flieger jedoch am Boden mit der Verrichtung diverser Aufgaben. Segelflug gelingt nur im Zusammenwirken vieler Beteiligter.
Gelandete Flieger wollen an den Start zurückgeschoben werden, Windenseile am Fluggerät eingeklinkt sein, per Funk muss Kontakt mit Tower und Windenfahrer gehalten werden. Es gilt vieles zu beachten und Rücksicht zu nehmen, um einen sicheren Ablauf des Fluggeschehens zu gewährleisten.
Jeder muss mit allen Sinnen bei der Sache sein und Verantwortung übernehmen. Jeder muss sich auf den anderen blind verlassen können. Die Jugendlichen lernen in der Fliegerei Teamgeist, Geduld, Rücksichtnahme und Toleranz gegenüber Schwächeren in der Gruppe und nicht zuletzt Disziplin.
Jungen und Mädchen finden in Wershofen Gleichgesinnte. Freundschaften entstehen - oft fürs Leben. Fliegen verbindet. Die Wershofener Segelfluggruppe ist Charakter prägend. Die zwölf Fluglehrer des Vereins, die ihre Aufgabe ehrenamtlich verrichten, sind allen Flugschülern große Vorbilder in Sachen Menschenführung.
Die gute Gemeinschaft zeigte sich schließlich auch an den Abenden des Fliegerlagers bei Lagerfeuer und Grillen. Einige Jungen und Mädchen zelteten sogar in lauen Nächten auf der Landebahn. Der ein oder andere träumte dann des Nachts auch von der vor Landeanflügen oft ins Mikrofon gesprochenen Positionsmeldung seines Schulungsfliegers: „Wershofen Info! Delta zwo-acht! Position Süd!“
Segelflug findet auch bei Mädchen großes Interesse. Hier im Bild mit Fallschirm kurz vor dem Abflug: die sechzehnjährige Amelie aus Trier. Die Segelfliegerei ist keine reine „Männersache“. Die jungen Frauen des Vereins bringen eine gute Dynamik in die Mannschaft und haben, weil sie sehr diszipliniert sind, den Jungen oft manches voraus.
