Allgemeine Berichte | 17.09.2025, 15:27 Uhr

Neue wissenschaftliche Einschätzung zur strafrechtlichen Aufarbeitung der Ahrtal-Flut:

Flut: Neue Strafanzeige gegen Ex-Landrat Pföhler

Landrat a. D. Dr. Jürgen Pföhler. Foto: privat

Kreis Ahrweiler/Region. Neue wissenschaftliche Einschätzung zur strafrechtlichen Aufarbeitung der Ahrtal-Flut Die strafrechtliche Aufarbeitung der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 mit 135 Toten und 766 Verletzten steht weiter in der Kritik, nachdem die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz den Abschluss der Sichtung der Akten im Beschwerdeverfahren mitgeteilt hat. Ein neuer wissenschaftlicher Beitrag von Vertretungsprofessor Dr. Thomas Grosse-Wilde kommt zu dem Ergebnis, dass zentrale Annahmen der Staatsanwaltschaft Koblenz nicht haltbar sind.

Kernpunkte der neuen strafrechtlichen Einschätzung:

• Das von der Staatsanwaltschaft herangezogene Katastrophenschutzgutachten sei strafrechtlich wertlos.

• Im Fall der 22-jährigen Johanna Orth sei eine direkte Kausalkette zwischen falschen Warnungen und ihrem Tod nachweisbar.

• Eine sorgfältige Prüfung, ob rechtzeitige Warnungen Menschenleben hätten retten können, sei von der Staatsanwaltschaft nicht durchgeführt worden.

Nach neuesten Feststellungen des Hydrologen Prof. Dr. Erwin Zehe (KIT Karlsruhe) war die Katastrophe bereits ab 15:26 Uhr absehbar – Warnungen hätten zu diesem Zeitpunkt erfolgen müssen. Vor diesem Hintergrund hat eine Hinterbliebene im August 2025 erstmalig Strafanzeige gegen Ex-Landrat Dr. Pföhler gestellt. Zwei weitere Hinterbliebene haben im August 2025 die Wiederaufnahme von Ermittlungen aufgrund neuer Tatsachen beantragt.

Ralph und Inka Orth, Eltern von Johanna, haben sich zudem in einer Rundmail mit dem Gutachten von Dr. Grosse-Wilde direkt an alle Landtagsabgeordneten in RheinlandPfalz gewandt. Sie fordern die Abgeordneten auf, Missstände klar zu benennen, parlamentarische Initiativen zu ergreifen und im anstehenden Landtagswahlkampf deutlich für Rechtsstaatlichkeit und Verantwortungsübernahme einzutreten.

Inzwischen haben fünf neutrale Gutachter gravierende Fehler in den Ermittlungen bestätigt:

• Prof. Dr. Ingeborg Puppe, Strafrechtsprofessorin, Universität Bonn

• Frank Roselieb, Katastrophenforscher, Universität Kiel

• Ltd. Ministerialrat a.D. Gerd Gräf, Katastrophenrechtsexperte, Innenministerium Rheinland-Pfalz

• Prof. Dr. Erwin Zehe, Hydrologe, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

• Dr. Thomas Grosse-Wilde, Vertretungsprofessor für Strafrecht, Universität Bonn

Auch die Politik ist inzwischen gefordert: Der Landtagsabgeordnete Michael Wäschenbach (CDU) hat am 9. September 2025 eine Kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt (Drucksache 18/12918).

Die Hinterbliebenen verlangen die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses. Ziel ist eine transparente Klärung der Verantwortung sowie eine Korrektur der bisherigen Versäumnisse und eine Korrektur nachgewiesener Irreführungen der Bevölkerung durch die Landesregierung im Hinblick auf die von ihr am 23.04.2024 geäußerte angeblich erforderliche Verurteilungswahrscheinlichkeit von 99,9 % und die von ihr am 23.04.2024 geäußerte angeblich rechtzeitige und wesentliche Akteneinsichtsgewährung an die Hinterbliebenen vor Einstellung des strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens. Die Hinterbliebenen fordern die Landesregierung zur öffentlichen Richtigstellung auf.

Pressemitteilung

Rechtsanwalt Christian Hecken

Landrat a. D. Dr. Jürgen Pföhler. Foto: privat

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Dauerauftrag
Dusch WC
Dauerauftrag 2026
Dauerauftrag 2026
2+1 Aktion
kostenfreie Anzeige aus 2+1
Imageanzeige - Sommeraktion 2+1 - 3. Anzeige o.B.
Gesundheitsexperten Bad Neuenahr-Ahrweiler
Empfohlene Artikel
Foto: :pixabay.com
25

Wer Andernach verstehen möchte, sollte nicht nur durch die Altstadt schlendern, sondern auch dem Stadtmuseum einen Besuch abstatten. Hinter den historischen Mauern des prachtvollen Hauses von der Leyen verbirgt sich eine Reise durch mehr als 2.000 Jahre Stadtgeschichte. Und die wird gier spannend erzählt und mit vielen Geschichten, die zeigen, wie aus einer römischen Siedlung eine der ältesten Städte Deutschlands wurde.

Weiterlesen

Andrea Georgi, Laura Koch, Steffen Breuer und Thorsten Müller bei der „Übergabe“ des neuen Fahrgastzentrums in Remagen.  Foto: AB
30

Remagen. Es erstrahlt in modernem Outfit und farbenfrohem Glanz, das renovierte Fahrgastzentrum im Bahnhof Remagen. Verbandsdirektor Thorsten Müller, vom Zweckverband Schienenpersonennahverkehr, Rheinland-Pfalz Nord , war aus Bad Breisig angereist – mit dem E-Fahrrad – um das Zentrum der Stadt Remagen zu übergeben. „Es ist für unsere Bürger, für den Tourismus und für die zahlreichen Gäste aus Nah...

Weiterlesen

Weitere Artikel
Das St. Nikolaus-Stiftshospital geht mit gestärkter Position aus der neuen Krankenhausplanung des Landes Rheinland-Pfalz hervor.Foto: St. Nikolaus-Stiftshospital/Holger Lindner
1195

Rheinland-Pfalz bestätigt breites medizinisches Leistungsspektrum und stärkt das St. Nikolaus-Stiftshospital als wichtigen Standort

Krankenhaus Andernach geht gestärkt aus neuer Leistungsgruppenzuteilung hervor

Andernach. Das St. Nikolaus-Stiftshospital geht mit gestärkter Position aus der neuen Krankenhausplanung des Landes Rheinland-Pfalz hervor. Durch die zugewiesenen Leistungsgruppen werden rund 99,5 Prozent des bisherigen Leistungsspektrums vollständig abgebildet. Das Krankenhaus sowie der Träger, die Stiftung St. Nikolaus-Stiftshospital Andernach, sehen darin die hohe medizinische Qualität und breite Expertise des Hauses bestätigt.

Weiterlesen

04.09.: Nickenich: Schwerer Verkehrsunfall: Motorradfahrer kollidiert mit Anhänger
1020

Nickenich. Ein schwerer Verkehrsunfall ereignete sich auf der L 118 zwischen Andernach und Kruft. Der Fahrer eines Wohnmobils, das mit einem Anhänger unterwegs war, befuhr die Strecke von Nickenich in Richtung Mendig. In der Nähe eines Schotterparkplatzes entschied er sich, das Gespann über die Gegenfahrbahn zu wenden. Genau in diesem Moment kam ein Motorradfahrer entgegen und kollidierte mit dem Anhänger.

Weiterlesen

Symbolbild.
787

Ulmen. Am Freitag, den 4. September 2026, ereignete sich gegen 00:10 Uhr im Einmündungsbereich der B259 und K2 in der Ortslage Ulmen ein schwerer Verkehrsunfall zwischen zwei Personenkraftwagen. Nach bisherigem Erkenntnisstand befuhr ein Autofahrer die B259 von Ulmen in Richtung Auderath. Ein anderer Fahrer befand sich auf der K2 und wollte nach links auf die B259 abbiegen. Im Einmündungsbereich kam es dann aufgrund einer Vorfahrtsmissachtung zum Zusammenstoß der beiden Fahrzeuge.

Weiterlesen