Allgemeine Berichte | 03.11.2021, 08:30 Uhr

Die Flutnacht im Juli 2021 stellte das Leben von Daniela L. und ihrer Familie auf den Kopf und änderte es grundlegend

Flutnacht: „Wir werden dieses Rauschen nicht mehr los“

Daniela L. mit Leandro.Foto: privat
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Region. Daniela L. wohnte mit ihrem Mann Sascha und ihrer Tochter in einem Fachwerkhaus in Hellenthal. Vor 18 Jahren hatten sie es zusammen gekauft und seitdem liebevoll kernsaniert und renoviert. Die Familie freute sich auf Zuwachs, denn bald sollte Enkel Leandro das Licht der Welt erblicken. Dafür haben seine Großeltern in der oberen Etage zwei zusätzliche Räume ausgebaut. Alles schien perfekt. Doch dann kam die Flutnacht und änderte alles.

Wie haben Sie die Nacht des Hochwassers erlebt?

Abends gegen 21 Uhr bemerkte meine Tochter, dass sich das Wasser in der Toilette nicht abspülen lässt. Kurze Zeit später drückte es auch schon aus der Dusche nach oben.

Eine Stunde lang haben wir einen kleinen Wall gebaut, um das Wasser zurückzuhalten, aber gegen 23 Uhr kamen nur noch braune Wassermassen. Sie waren überall. Wir standen da, nur in unserer Unterwäsche, und haben uns panisch in die oberen Etagen gerettet. Dort haben wir dann gesessen und gewartet. Mit unserer diabeteskranken, hochschwangeren Tochter. Ohne Strom, ohne Mobilfunk. Unter uns rauschte der Fluss. Dieses Geräusch verfolgt mich ständig. Ich werde es nicht mehr los. Wir wussten nicht, ob die Wände halten oder das ganze Haus unter uns einstürzt. Erst morgens gegen 5 Uhr sahen wir, dass das Wasser sich langsam zurückzieht. Das war die schlimmste Nacht unseres Lebens.

Wie ging es dann weiter?

Die ersten Tage haben wir wie in Trance erlebt. Wir haben einfach funktioniert. Mein Mann und ich schlafen auf Matratzen oben auf dem Speicher und für meine Tochter und das Enkelkind haben wir zwei Zimmer, die in Ordnung sind. Im Untergeschoss ist nichts mehr. Wände und Böden sind raus. Es ist alles kaputt. Hinzu kommt unsere große Sorge um Leandro. Er kam schwerkrank auf die Welt.

Wie verlief Leandros Geburt?

Er wurde Ende Juli mit einem geplanten Kaiserschnitt auf die Welt geholt. Zum einen, weil unsere Tochter aufgrund des Hochwassers unter enormem Stress litt, zum anderen, weil sie Diabetikerin ist. Man riet uns dazu, den Termin vorzuverlegen.

Wir fuhren also morgens in die Klinik, es wurde ganz normal ein CTG geschrieben, doch plötzlich wurde es sehr hektisch. Es waren keine Herztöne mehr zu hören und Leandro wurde per Notkaiserschnitt innerhalb von sechs Minuten auf die Welt geholt. Er hatte eine schwere Sauerstoffunterversorgung erlitten, musste 20 Minuten reanimiert werden und wurde anschließend drei Tage „heruntergekühlt“ – in eine künstliche Hypothermie. Während dieser Zeit hat er eine Hirnblutung erlitten und eine anschließende Untersuchung im MRT hat gezeigt, dass er schwerste Schäden in Großhirn hat.

Wie geht es Leandro heute?

Aktuell ist es so, dass das Hirnwasser drückt und die Ärzte überlegen, einen Shunt zu legen, um es ablassen zu können. Er wird künstlich beatmet. Wir wissen nicht, ob er überlebt und wenn, werden wir ein schwerstbehindertes Kind zu Hause haben.

Wie kam der Kontakt zum Bunten Kreis Rheinland zu Stande?

Von der Oberärztin der Kinderklinik haben wir Kontakt zu einer Psychologin bekommen. Diese hat mit uns zusammen auch alltägliche Dinge überlegt: Wie können wir unsere Spritkosten finanzieren, die sich schnell summiert haben, weil wir die Strecke aus der Eifel jeden Tag nach Sankt Augustin gefahren sind. Sie hat uns dann an den Bunten Kreis Rheinland vermittelt.

Zunächst stand im Raum, einen kostenlosen Kredit von der Krankenkasse zu bekommen, das kam für uns allerdings nicht in Frage, da wir durch das Hochwasser schon enorm verschuldet sind. Aber der Verein konnte uns auf andere Weise sofort unterstützen. Als ich davon erfuhr, bin ich weinend zusammengebrochen.

Wie leben Sie derzeit?

Wir hatten Glück, dass wir unsere Heizung unter dem Dachgeschoss haben. Wir verfügen über Heizung, warmes Wasser und Strom, das ist sehr viel mehr, als viele andere Menschen in der Region haben.

Es kommen Freunde und Bekannte zum Helfen. Wir brauchen Baumaterialien, wir brauchen Geld, der Schaden liegt bei ca. 100.000 Euro. Es fehlt eigentlich überall und während ich das erzähle, kommen mir schon wieder die Tränen. Das ist einfach unser zu Hause. Wir wollen und können nirgendwo anders hin und wir hoffen so sehr, dass Leandro dort auch eines Tages einziehen wird.

Pressemitteilung

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Daniela L. mit Leandro.Foto: privat

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