Willy-Brandt-Forum
Fotovernähungen von Unkeler Realschülern werden gezeigt
Am Sonntag, dem Internationalen Museumstag wurde die „Ausstellung in der Ausstellung“ eröffnet
Unkel. Erst Anfang des Monats hatte der Vorsitzende des Willy-Brandt Forums (WBF) in Unkel, Christoph Charlier, zu der Eröffnung der von Klaus-Henning Rosen kuratierten Ausstellung „Brandt und Christo – Das Projekt Verhüllter Reichstag“ eingeladen, die noch bis Mitte August in der Gedenkstätte zu sehen ist. Am Sonntag nun, dem Internationalen Museumstag, eröffnet Geschäftsführer Rudolf Rupperath am Vormittag die Ausstellung „Fotovernähungen“ mit Werken von fünf Schülerinnen und sechs Schülern der Klasse 10.1 der Stefan-Andres-Realschule plus (SRARS), die dem WBF die Arbeiten bereits im April als Dauerleihgaben überlassen hatte. Begrüßen konnte er dazu neben Rektorin Bettina Stenz auch Gabriele Litzky, die betreuende Kunstlehrerin, Gabriele Litzky, und Florian als Vertreter der jungen Künstler.
„Wir nehmen den Tag, der unter dem Motto ‚Museen in der Kulturlandschaft‘ steht, zum Anlass, unseren Besuchern die Ausstellung ‚Fotovernähungen‘ sozusagen als ‚Ausstellung in der Ausstellung‘ zu präsentieren“, erklärte Rudolf Rupperath. Bei einer fächerübergreifenden schulischen Aktion seien hochinteressante kleine Kunstwerke in eigenwilliger, sehr persönlicher Formgebung mit hoher Aussagekraft entstanden“, beschrieb er die elf Arbeiten, die rund um den ehemaligen Bonner Bundestagssessel von Willy Brandt präsentiert werden. „Sie zeigen, wie intensiv die individuelle Annäherung an einen berühmten Politiker künstlerisch umgesetzt und wie spannend die Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte sein kann“, erklärte er, bevor er auf die enge Vernetzung des Forums mit der Realschule einging. Diese halte im Dezember am Tag der Verleihung des Friedensnobelpreises an Willy Brandt 1971 immer ihre Schüler-Lesewettbewerbe mit unbekannten Reden des großen Sozialdemokraten ab.
Den hatte der Verhüllungskünstler Christo für sein viel diskutiertes Vorhaben „Wrapped Reichstag. Project for Berlin“ gewinnen können. Schon ab der ersten Begegnung des Altkanzlers mit Christo und Jeanne Claude im Januar 1977 hatte dieser zu den entschiedenen Befürwortern des Projekts gezählt, teilte Willy Brandt doch keineswegs die Ansicht konservativer Politiker, den Menschen hinter der an den Reichstag angrenzenden Berliner Mauer sei nicht zu vermitteln, wenn das Gebäude mit 100.000 Quadratmeter Folie eingehüllt würde. Erst am 25. Februar, erteilten die Bundestagsabgeordneten dem Künstlerehepaar mit 292 zu 223 Stimmen ihre Zustimmung zur Verhüllung des Berliner Reichstags.
„Willy Brandt war es nicht vergönnt, an der Abstimmung teilzunehmen, und auch die Verhüllung selber im Juni 1995 fand ohne ihn statt. Das friedliche Fest für Millionen Besucher hat er leider nicht begleiten können“, hatte Klaus- Hennig Rosen bei der Ausstellungseröffnung erinnert. Aus seiner umfangreichen Sammlung authentischer Erinnerungsstücke, einzigartiger Dokumente und signierter Fotografien hat der ehemalige Mitarbeiter Willy Brandts eine Ausstellung zusammengestellt, die das Projekt in besonderer Weise wiederaufleben lässt. Klaus-Henning Rosen verbindet eine seit Jahrzehnten währende Freundschaft mit Christ und der bereits im November 2000 in New York verstorbenen Jeanne Claude.
Anders als bei diesem Künstlerehepaar wird bei den Vernähungen etwas freigesetzt. „Die Schüler haben sich während eines Besuchs des WBF intensiv mit der Person des Politikers Willy Brandt auseinandergesetzt und dabei hier im Forum Fotos gemacht, um die Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte dann erfreulicherweise im Kunstunterricht fortzusetzen“, berichtete die Kunsthistorikerin Dorothee Gelderblom, eine der Ehrenamtlichen des WBF. Nachdem zwei Fotografien als Grundlage für die später entstandenen Fotovernähungen ausgesucht und vervielfältigt worden waren, hatten die Schüler diese zunächst in etliche Einzelteile zertrennt, um sie dann in völlig neuer Zusammenstellung nach individueller Sicht miteinander zu vernähen und so ihre jeweils ganz eigene Beziehung zu Willy Brandt zum Ausdruck zu bringen, so die Kunsthistorikerin.
Ab 1982 hatte der berühmte Andy Warhol (1928–87) mit seiner Serie der „Stitched Photographs“, mit Unterbrechungen fotografische Mischformen geschaffen, die aber erst einige Wochen vor seinem Tod das erste Mal gezeigt wurden. Aus Tausenden von Schwarz-Weiß-Aufnahmen Warhols erstellten der Künstler und sein Studio etwa 500 „Stitched Photographs“, also vernähte Arbeiten. „Erfunden hat diese ganz spezielle Collage-Technik, das Vernähen von Fotos, die Body-Art-Künstlerin Annegret Soltau schon in den 90-er Jahren“, berichtete Dorothee Gelderblom. Bekannt geworden war die 1946 1946 in Lüneburg geborene Künstlerin schon in den 70-er Jahren mit ihren frühen Arbeiten zu Themen wie Schwangerschaft und Geburt. Für ihre „Fotovernähungen“, hatte sie dann Fotoaufnahmen von weiblichen Körpern oder Porträts zerrissen, die sie mit großen Stichen wieder verknüpfte, um quasi die Verletzungen der aufgerissenen Innenwelten mit Nadelstichen zu verschließen und zu einem neuen Ganzen zusammenzufügen.
„Eben das haben die STARS-Schüler auch mit Willy Brandt-Fotos, wie etwa seinem Arbeitszimmer, gemacht“ so Dorothee Gelderblom, bevor sie der Kunstpädagogin gerahmte Fotografien der Schüler-Arbeiten für die jeweiligen Künstler überreichte. Deren elf „Brandt-Vernähungen“ sind im WBF noch bis Mitte Juni zu sehen. DL
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