Allgemeine Berichte | 13.04.2017

Frauenhilfe Dierdorf hatte zum Frühstück ins Gemeindehaus eingeladen

„Frauen der Reformation“

Ohne Frauen wäre die Reformation wohl gescheitert

Vom Kaffeekränzchen zur lebendigen und aktuellen Organisation hat sich die Frauenhilfe Dierdorf entwickelt. Themen, die hier besprochen werden, finden als Petitionen bis in den Bundestag hinein ihren Weg.KER

Dierdorf. Über Martin Luther wird viel gesprochen - weniger über seine Frau, Katharina von Bora. Auch wenig über Elisabeth von Rochlitz und andere Frauen, die in der Zeit der Reformation Großartiges geleistet haben. Selbst ein Martin Luther wäre ohne die gewaltige Arbeit, die seine Gattin im Hintergrund leistete, nicht vorstellbar gewesen. „Frauen der Reformation“ war das Thema beim neuerlichen Frauenfrühstück der evangelischen Frauenhilfe-Gruppe in Dierdorf. Referentin war Iris Pupak aus Bonn vom Landesverband der evangelischen Frauenhilfe im Rheinland. Ihre Meinung: „Zehn Jahre war die Reformation Thema. Was deutlich war: Die Frauen kommen nicht vor! Dabei ist es höchst spannend, sich damit einmal zu beschäftigen. Es gibt unzählige Frauen, die sich für die Reformation eingesetzt haben. Eine von ihnen war zum Beispiel Luthers Frau Katharina von Bora. Ohne sie hätte Luther vieles nicht gemeistert. Sie hat ihm den Laden geschmissen. Im Hause Luther gingen Gäste ein und aus, täglich bis zu 40. Die mussten bewirtet werden und es musste Geld in die Haushaltskasse kommen. Katharina war darüber hinaus eine wichtige Diskussionspartnerin für Luther. Darum geht es zum Beispiel bei meinen Vorträgen. Reformation ist ja ein Weg der Erneuerung. Das bedeutet, dass die Reformation vor 500 Jahren nicht stattgefunden hat, sondern damals begann. Reformation ist ein Prozess, der bis heute anhält.“

Reformatorin Elisabeth von Rochlitz

Als Hinführung zu ihrem Thema zeigte Iris Pupak den 30 Frauen einen kleinen Zeichentrickfilm. Darin wurde auf sehr amüsante und anschauliche Weise die Arbeit der Reformatorin Elisabeth von Rochlitz (auch unter dem Namen Elisabeth von Hessen bekannt) dargestellt. Sie lebte von 1502 bis 1557 in Marburg, Gießen, Rochlitz und Schmalkalden, war eine hessische Prinzessin und durch Heirat auch Erbprinzessin von Sachsen. In ihrem Gebiet gestattete Elisabeth ab 1537 die lutherische Lehre, als ihr Schwiegervater im übrigen Sachsen noch streng am Katholizismus festhielt. Ihr Bruder Philipp schickte ihr noch im gleichen Jahr den evangelischen Prediger Johann Schütz. Philipp unterstützte auch die Aufnahme Elisabeths in den Schmalkaldischen Bund, das Verteidigungsbündnis protestantischer Fürsten. Als einzige Frau in diesem Bündnis wird Elisabeth von Rochlitz zu den wirkmächtigsten Frauen des Reformationszeitalters gezählt. Iris Pupak sagt: „Ich stelle diese Frau vor, weil sie im Bezug auf die Reformation sehr aktiv war und zu der damaligen Zeit sehr mutig war und in ihrem Herrschaftsgebiet schon die Religionsfreiheit zugelassen hat.“ Darüber hinaus stellte Iris Pupak ein Projekt vor, welches von der Gender-Gleichstellungsstelle der evangelischen Kirche im Rheinland entwickelt wurde. Es handelt sich um eine Ausstellung, die beim Christusfest am Pfingstmontag, 5. Juni, in Koblenz auf der Festung Ehrenbreitstein zu sehen sein wird. Da geht es um Frauen der Reformation, angefangen bei Katharina von Bora bis hin zu Dorothee Sölle (1929 - 2003). Außerdem stellte Iris Pupak eine Internetaktion vor, die man unter www.frauen-und-reformation.de findet: „Diese Seite lädt ein, auf eine Entdeckungsreise zu gehen über 500 Jahre Frauen der Reformation. Und man kann sich hier als Frau auch selbst einbringen mit seinen eigenen Gedanken zum Thema Reformation.“

Das Frauenfrühstück

Das Frauenfrühstück in Dierdorf organisiert hatten die sechs Mitglieder der Frauenhilfegruppe Dierdorf der evangelischen Kirche. Das sind Marita Klose, Rita Seidler, Kerstin Burbach, Sonja Euteneuer, Sissi Hoffmann und Erika Plückhan. Bis vor ein paar Jahren organisierte die Frauenselbsthilfegruppe wöchentliche Treffen. Das war vom zeitlichen Aufwand für die Verantwortlichen nicht mehr zu leisten. Sie überlegten sich, vier Veranstaltungen im Jahr anzubieten. Das sind das Frauenfrühstück, im September der Myriamsonntag mit einem speziellen Gottesdienst, am 1. Advent ein traditioneller Frauenhilfesonntag, an dem der Gottesdienst gemeinsam mit Pfarrerin Tatjana Weber gestaltet wird. Außerdem wird der Weltgebetstag-Gottesdienst am ersten Freitag im März von der Frauenhilfegruppe gestaltet. Diese Aktion findet ökumenisch in Zusammenarbeit mit der katholischen Kirchengemeinde St. Clemens Dierdorf statt. In dieser Form gibt es die Frauenselbsthilfegruppen-Arbeit in Dierdorf seit fünf Jahren. Um auf ihre Arbeit aufmerksam zu machen und das Angebot allen Frauen in Dierdorf nutzbar zu machen, plant die Frauenhilfegruppe eine Informationsveranstaltung am Freitag, 11. August mit einer Referentin und einem Imbiss. Erika Plückhan: „Es soll auch rüberkommen, dass die Frauenhilfe sich wandelt. Viele kennen die Frauenhilfe von der Mutter oder Großmutter und denken, das ist nichts für mich, ich habe keine Zeit, mich jede Woche nachmittags zum Kaffee da hinzusetzen. Wir haben da eine Alternative entwickelt, die für viele Frauen Möglichkeiten bietet.“ Gleichzeitig betonen Erika Plückhan und Marita Klose, dass ihr Angebot allen Frauen zur Verfügung steht, egal welchen Glaubens oder welcher Konfession: „Es ist eine Frauensache. Es soll die Gemeinsamkeit stärken und christliche Impulse geben. Und natürlich sollen auch gesellschaftliche Probleme behandelt werden, die Frauen betreffen. Ein Beispiel war jüngst die Diskussion um die Versicherungsbeiträge für Hebammen, was es ihnen unmöglich gemacht hätte, noch bei Hausgeburten zu helfen. Die Frauenhilfe als große Organisation reicht zum Beispiel auch Petitionen ein im Bundestag. Wir hier vor Ort wollen im Kleinen auch Dinge wieder ins Bewusstsein rufen, die vielleicht trotz aller Gleichberechtigung in Vergessenheit geraten sind. Und wir wollen den Frauen zeigen, dass wir gemeinsam stark sind und etwas erreichen können.“

„Frauen der Reformation“

„Frauen der Reformation“

Vom Kaffeekränzchen zur lebendigen und aktuellen Organisation hat sich die Frauenhilfe Dierdorf entwickelt. Themen, die hier besprochen werden, finden als Petitionen bis in den Bundestag hinein ihren Weg. Fotos: KER

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