Frei und fließend sprechen!
Selbsthilfegruppe will aufzeigen, wie man sich effektiv helfen kann, wenn man hängen bleibt
Koblenz/Region. Seit drei Monaten existiert eine neue Gruppe für Menschen in und um Koblenz, die
sich nichts sehnlicher wünschen als eben dies: frei und fließend sprechen! Das Dutzend war voll beim ersten Gruppen-Abend, davon ein Viertel Frauen. Fast alle Altersgruppen sind vertreten, junge Menschen um die 20 Jahre, dann viele im mittleren Alter sowie ein älterer Herr von über 70.
Schnell bildete sich ein erstaunliches Zusammengehörigkeitsgefühl unter den einander so wildfremden Menschen. Immer wenn jemand sprach und von sich erzählte, hörten und fühlten die andern: genau wie bei mir! Ob es um Telefonieren ging, oder um‘s Einkaufen an der Käsetheke, wo man in der Schlange steht – die Worte wollen bei uns einfach nicht so frei heraus wie bei andern Menschen. Irgendwie sind wir Außenseiter.
Doch jedesmal im Laufe des Gruppenabends entsteht eine zunehmende Freiheit und Sprechsicherheit. Dies wird gefördert durch regelmäßiges Sprechen in Zweier-Gruppen. Der vertraute Rahmen, überhaupt kein Zeitdruck und schließlich ein Zuhörer, der nicht unterbricht oder dir die Worte aus dem Mund nimmt – das sind ideale Umstände, um fließend sprechen zu können und es zu genießen.
Wer stottert, weiß ja, dass er oder sie in vielen Situationen fließend sprechend kann.
Was Stotternde allerdings nicht wissen: Wie kann ich mir effektiv helfen, wenn ich hängenbleibe?! Um Antworten auf diese Frage geht es in weiteren Teilen des Gruppentreffens. Die Schule für Logopädie in Koblenz, in dessen Räumen sich die Gruppe trifft, beteiligt sich an allen Abenden mit hilfsbereiten Mitarbeitern und viel Fachwissen. So entsteht eine schöne Ergänzung von Selbsthilfe unter Betroffenen mit Hilfe durch Fachleute.
Ludwig Werle und Frank Grün
