Konzert des Bach-Chors Koblenz
Freude in „schwierigen Zeiten“
Chor bringt Werke von Bach und Haydn am 21. Mai in St. Kastor zu Gehör
Koblenz. „Missa“, diesen schlichten Titel gab Joseph Haydn seiner Messe in d-Moll, die er im Jahr 1798 komponierte. In einem Entwurfskatalog Haydns findet sich eine erweitere Bezeichnung: „Missa in Angustiys“, was so viel bedeutet wie „Messe in schwierigen Zeiten“. Welche Schwierigkeiten Haydn gemeint haben könnte, persönliche Schicksalsschläge oder die schwierige weltpolitische Lage, das lässt sich nicht mehr feststellen. Sicher ist jedenfalls, dass das Werk schon früh unter einem ganz anderen Titel bekannt wurde, den es bis zum heutigen Tag beibehalten hat: „Nelson Messe“. Im August 1798 hatte der englische Admiral Nelson Napoleon bei Abukir in Ägypten eine Niederlage beigebracht. Der Legende nach soll Haydn seiner Messe aus Begeisterung über Nelsons Sieg einen besonders triumphalen Charakter gegeben haben. Allerdings traf die Nachricht vom Sieg des Admirals über Napoleon in Wien erst ein, als die Messe schon vollendet war. Dennoch hat das Werk einen direkten Bezug zu seinem Namensgeber: Nelson weilte zwei Jahre später für einige Tage in Eisenstadt, wo die Messe d-Moll tatsächlich zu seinen Ehren aufgeführt wurde. Der Name „Nelson Messe“ setzte sich durch. Trotz seines triumphalen Charakters stellt das Werk weder ein Schlachtengemälde noch eine Huldigung für einen siegreichen Feldherrn dar. Man sollte sich nicht durch das Trompetengeschmetter im „Kyrie“ und „Benedictus“ täuschen lassen, diese Messe wird dem unbefangenen Hörer sehr viel mehr bieten, denn sie enthält neben den glanzvollen auch sehr viele düstere und innige Passagen.
Unter dem Titel „In Angustiis“ ließe sich auch die Motette „Jesu, meine Freude“ von Johann Sebastian Bach betrachten. Sie dürfte um 1723 entstanden sein und war für Menschen in „schwierigen Zeiten“ geschrieben, setzt sie sich doch mit Tod und Trauer auseinander. Die Grundlage für die Motette bilden die sechs Strophen des gleichnamigen Chorals (Text: Johann Franck, Melodie: Johann Krüger). Zwischen den Strophen sind Auszüge aus dem Römerbrief des Apostels Paulus eingebaut. Das Werk ist für einen drei- bis fünfstimmigen Chor geschrieben.
Zu einem geistlichen Konzert gehört die Orgel. Aus den zwölf Stücken für Orgel von Max Reger erklingen Präludium in d-Moll und Fuge in D-Dur Op. 65. Reger war, was die Orgel angeht, ein großer Bach-Verehrer. Er wandte sich in seinen Kompositionen wieder alten Formen aus der Barockzeit zu. Dazu gehören die zwölf Stücke für Orgel, entstanden 1901. Auf den alten Formen aufbauend schuf Reger neue, eigenständige Klangbilder.
Das Konzert findet statt am Sonntag, 21. Mai, um 19 Uhr in der St.-Kastor-Kirche in Koblenz. Der Chor wird wieder vom Bach-Orchester Koblenz mit seinem Konzertmeister Ernst Triner begleitet – an der Orgel spielt Hanno Scherhag. Solisten: Sopran Susanna Martin, Alt Monica Mascuc, Tenor Sebastian Haake, Bass Thilo Dahlmann. Künstlerischer Leiter des Abends ist Hermann Wagener.
Eintrittskarten: www.ticket-regional.de, Buchhandlung Reuffel, Tourist-Information Forum Confluentes. Weitere Informationen unter www.bach-chor-koblenz.de.
