Allgemeine Berichte | 21.11.2024

Die Friedensaktivistin Maria Biedrawa berichtet aus Zentralafrika

Friedensarbeit in Erinnerung an Max Josef Metzger

Bewegende Veranstaltung mit Maria Biedrawa.  Foto: J. Freise

Neuwied. Wie würde der gerade selig gesprochene Priester Max-Josef Metzger heute Friedensarbeit betreiben? Diese Frage stand über dem Gesprächsabend mit der österreichischen Friedensaktivistin und Therapeutin Maria Biedrawa, die von der Offenen Gemeinde Heilig Kreuz, dem Pastoralen Raum, EIRENE und der Katholischen Erwachsenenbildung im Neuwieder Friedrich Spee-Haus organisiert worden war.

Der Abend begann mit einer kurzen Einführung durch Josef Freise zu Max-Josef Metzger, der von Papst Franziskus am 17. November selig gesprochen worden war. Max Josef Metzger war Pazifist und Abstinenzler – er sprach sich gegen die Beteiligung am Zweiten Weltkrieg aus und verzichtete auf Alkohol unter anderem, weil es unter den Kriegsheimkehrern aus dem Ersten Weltkrieg viele alkoholkranke Menschen gab. Als ein von Max Josef Metzger verfasstes Memorandum für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in die Hände der Gestapo geriet, wurde er vom berüchtigten Roland Freisler am Volksgerichtshof zum Tode durch das Fallbeil verurteilt und hingerichtet.

Die in Frankreich lebende Österreicherin Maria Biedrawa leistet jedes Jahr fünf Monate lang Friedensarbeit in der Zentralafrikanischen Republik. Sie berichtete von Friedenszeugen, die in Zentralafrika ebenso heroisch wie ehedem Max Josef Metzger ihr Leben riskieren: Einzelne Priester lassen sich in die von den Rebellen beherrschten hoch gefährlichen Landesteile versetzen und betreiben „Rebellenpastoral“. Diese Regionen, in denen es um die Ausbeutung der Goldminen geht, sind von erschütternder Armut und Arbeitslosigkeit geprägt, die Jugendliche dann in den Alkoholismus oder die Prostitution treiben. Es gibt praktisch keine Schulen. Die Seelsorger bauen mit den Kindern und Jugendlichen Felder an und organisieren parallel und anwendungsorientiert dazu Kurse zum Lesen, Schreiben und Rechnen. Wenn Rebellenfamilien ihre eigenen Kinder nicht zum Unterricht schicken, ist dies oft ein Anzeichen für drohende Anschläge und die Schulleiter schicken die jungen Leute dann nach Hause, um sie zu schützen.

Die russischen Truppen, die die Wagnertruppen nach dem Tod des Anführers Prigoschin abgelöst haben, verkaufen eine eigene Biersorte, die bei den Jugendlichen Sucht, Gewalt und psychotische Schübe auslöst. Die Priester warnen vor diesem Bier. Jugendliche ohne Bildung sind eine leichte Beute für extremistische Gruppe.

In ihrer eigenen Tätigkeit fördert Maria Biedrawa auch ein Programm der wachsamen und solidarischen Nachbarschaft über Religionsgrenzen hinweg: Sobald ein Gerücht entsteht, das Feindschaften verstärken und Gewaltaktionen provozieren könnte, treten diese Nachbarschaftsgruppen in Aktion. In regelmäßigen interreligiösen Treffen wurde nach tödlichen Auseinandersetzungen, die Djihadisten begonnen hatten, ein Nichtangriffspakt zwischen den Vierteln beschlossen. Die Trägerin des diesjährigen Bremer Friedenspreises schloss ihren Vortrag mit der Ermunterung zu eigenem Handeln: Jeder könne Menschen darin unterstützen, das eigene menschliche Potenzial für Frieden und Versöhnung und gegen die Entwicklung von Feindbildern zu entfalten – das sei das beste Mittel gegen Krieg und Gewalt.

Bewegende Veranstaltung mit Maria Biedrawa. Foto: J. Freise

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