Eintrag in das Goldene Buch der Gemeinde Swisttal
Friedrich Nowottny fühlte sich fünf Jahrzehnte lang in Buschhoven heimisch
Zusammen mit seiner Ehefrau Gisela und den beiden Töchtern lebte der ehemalige Fernsehjournalist und WDR-Intendant dort von 1972 bis 2018
Swisttal-Buschhoven. Wenige Tage vor seinem 90. Geburtstag am 16. Mai trug sich gestern der langjährige Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR), Friedrich Nowottny, in das Goldene Buch der Gemeinde Swisttal ein. Der bekannte Fernsehjournalist wohnte von 1972 bis 2018 in Buschhoven, zusammen mit seiner Ehefrau Gisela (90) lebt der wohl prominenteste Swisttaler derzeit aus Altersgründen in einer Bonner Seniorenresidenz. Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner (CDU) schmunzelte: „Ich werde aber auch weiterhin behaupten, dass Sie in Swisttal wohnen, denn es ist uns eine Ehre, dass Sie sich hier bei uns so viele Jahre wohlgefühlt haben.“
Dabei sei es reiner Zufall gewesen, dass er mit seiner Frau Gisela 1972 in Buschhoven gelandet sei, erinnert sich Nowottny noch einmal an eine denkwürdige Begebenheit: Der Mietvertrag für das Reihenhaus in Bonn-Endenich, das die Nowottnys zuvor bewohnten, sei ausgelaufen, und der Vermieter habe deutlich mehr Miete haben wollen. Da sei der Entschluss gereift, lieber in ein eigenes Häuschen zu investieren, und man habe sich in der Region auf die Suche gemacht. Eigentlich habe man nach einem Neubau in der Katharinenstraße in Buschhoven geschaut, der gerade im Rohbau war. Doch das Haus sei leider schon verkauft gewesen.
Nicht gewusst, dass es zu Swisttal gehört
Auf dem Rückweg sei man an einem Haus in Karl-Kaufmann-Weg 54 vorbeigekommen mit einem wunderschönen Garten, einem Jägerzaun und einem „Triumphbogen“ als Toreinfahrt. „Wir blieben fasziniert vor dem Haus stehen, und ich sagte zu meiner Frau: Wer so schön wohnt, verkauft sicher nie.“ Doch wie der Zufall es so wollte: Schon am nächsten Tag traf er sich mit einem Immobilienexperten der Sparkasse, und der verkündete triumphierend: „Ich habe ein Haus für Sie gefunden!“ Es war genau das Haus, in das sich die Nowottnys am Vortag verliebt hatten. „Wir haben uns in all den Jahren hier sehr wohl gefühlt. Buschhoven ist für uns zu einer zweiten Heimat geworden – obwohl wir anfangs gar nicht wussten, dass es zu Swisttal gehört.“ Der Vorbesitzer habe nämlich im Briefkopf „Buschhoven bei Bonn“ stehen gehabt, erinnerte sich Nowottny.
Fast fünf Jahrzehnten lang blieb Buschhoven das Zuhause der Familie Nowottny, seine beiden Töchter verbrachten hier eine sehr glückliche Kindheit und lernte dabei auch das „Zentrum der Robustpferdehaltung“ kennen, wie Nowottny verschmitzt anmerkte. Denn bei Bauer Schneppen im Dorf hätten die beiden Mädels auf sehr robusten Pferden das Reiten gelernt. Was dazu geführt habe, dass schließlich jede ein eigenes Pferd haben musste.
„Er war wieder im Wald!“
Er selbst habe vor allem die Umgebung von Buschhoven als Erholungsort genossen, der Kottenforst sei eine Art Trainingscenter für ihn gewesen, den er oft durchwandert oder mit dem Fahrrad durchquert habe.
Jeden Tag vor Dienstbeginn mit dem Fahrrad 20 Kilometer durch den Kottenforst – das habe ihn fit gehalten. In der Redaktion habe jeder gewusst, wenn er frisch und gut gelaunt hereinschneite: „Er war wieder im Wald!“
Auch um den heimischen Garten habe er sich immer gekümmert, doch alle Jahre wieder sei ein Brief von der Gemeinde Swisttal ins Haus geflattert, den er fast liebevoll „Heckenbrief“ nannte: „Da hieß es dann, es sei wieder Zeit, endlich die Hecke zurückzuschneiden“, lachte er. Alles in allem habe man aber in Buschhoven ein Leben gelebt, „das unbelästigt war – bis auf einen Einbrecher, der einmal versucht hat, unser Haus auszuräumen.“ In unschöner Erinnerung blieb auch der Feuerlöscher, der zu Zeiten der RAF in den Garten gelegt worden war und an die Sprengkörper der Terrorgruppe erinnerte – sich aber gottlob als Attrappe herausgestellt habe.
Die Veteranen saßen noch in der Ecke
Gerne erinnert sich der Fernsehjournalist, der vor allem durch mehr als 600 „Bericht aus Bonn“-Sendungen („wie viele es genau waren, weiß nur meine Sekretärin“) bekannt wurde, über seinen sonntäglichen Frühschoppen im Gasthaus „Zum Römerkanal“ bei Franz Fuß in Buschhoven. „Da saßen noch die Veteranen des Zweiten Weltkriegs vom Kriegerverein in der Ecke und erzählt mit strahlenden Augen von ihrer Zeit in Frankreich.“ Auch die Beinahe-Meisterschaft von Schalke 04, die er im als Knappen-Stammlokal berühmten „Römerkanal“ mitverfolgte, lieber in Erinnerung. Malermeister Quantius habe nämlich versprochen, die Innenwände der Kneipe in königsblau zu streichen. Kurz vor Spielende habe der glühende Schalke-Anhänger schon mit dem Farbeimer und dem Pinsel in der Hand bereitgestanden – doch dann zimmert Patrik Andersson vom FC Bayern in der 94. Minute den Freistoß zum 1:1 gegen den HSV ins Tor, und der Malermeister packte seinen Pinsel mit Tränen in den Augen wieder weg.
In seiner ganzen Zeit in Buschhoven hat Nowottny nur eine einzige Schirmherrschaft übernommen: Bei der Premiere der Buschhovener Musiktage 2003, seine Nachbarin Adelheid Willers hatte ihn dazu überredet. „Ich war zwar musikalisch interessiert, musste aber noch nie über Musik reden“, beschreibt er seine Schwierigkeiten, die richtigen Worte für die Eröffnungsfeierlichkeiten zu finden. Auch die Beihefte zu den Konzerten des WDR-Sinfonieorchesters hätten ihn nicht weitergebracht, deshalb habe er sich dazu entschlossen, über seine persönliche Beziehung zur Musik zu sprechen. Schließlich habe er in der Nachkriegszeit selbst mit der Musik seine Brötchen verdient. 1946 unterhielt er als Schlagzeuger zusammen mit einem Pianisten in der Kneipe „Zum Schipkapass“ in Bielefeld englische Soldaten. Als Gage gab es fünf englische Zigaretten pro Abend, die er am nächsten Tag für fünf Reichsmark das Stück eintauschte. Erst 1948 begann er als Lokalreporter in Bielefeld seine journalistische Karriere, die ihn bundesweit bekannt und schließlich zum Intendanten des Westdeutschen Rundfunks machte.
Sein allerletzter Weg wird Friedrich Nowottny übrigens auch wieder nach Buschhoven führen, denn zusammen mit seiner Frau hat er sich bereits „einen schönen Platz mit guter Aussicht“ im Kolumbarium auf dem Buschhovener Friedhof als letzte Ruhestätte ausgesucht. Doch bis dahin kann noch viel Zeit vergehen. JOST
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