Allgemeine Berichte | 16.02.2023, 10:21 Uhr

Närrischer Nachwuchs startet durch - Neues Konzept „Senioren-Frühschoppen“ durchweg erfolgreich

Frischer Wind für Karneval in Waldbreitbach

Der „Deu op Karneval“ ist vor allem dem frischen Wind zuzuschreiben, der in der 5. Jahreszeit durch Waldbreitbach weht.  Fotos: Heike Steinebach

Waldbreitbach. So wenig wie die Senioren-Riegen der 70er Jahre mit den über 65-Jährigen des 21. Jahrhunderts zu vergleichen sind, so gefühlt greifbar ist auch der Unterschied zwischen der gediegen-gemütlichen 5. Jahreszeit früherer Tage und dem zuweilen grell-kreischenden Heidewitzka des 21. Jahrhunderts. Dass es den Waldbreitbacher Karnevalisten gelungen ist, beide Ebenen zu vereinen, zeigte sich jüngst augenfällig beim neu gestalteten „Senioren-Frühschoppen“ im vollbesetzen Kolpinghaus. Verbindend wirkte die gemeinsame Lust auf närrisches Treiben; entsprechend zeitlos ist das diesjährige Motto der KG „Mir hann widder Deu op Karneval“.

Besagter „Deu“ ist im Herzen des Wiedtals Generationen übergreifend festzustellen; ebenso entpuppte sich das unterhaltsame Programm in einer kurzweiligen Mischung aus den närrischen Traditionen der Domstädte Köln und Mainz als ein Volltreffer für alle Anwesenden von drei bis 99 Jahren.

Während der älteste Besucher bereits auf seinen 100. Geburtstag Mitte November blicken darf, tummelte sich im „Mehrgenerationenpark Kolpinghaus“ ein paar Meter entfernt der an Lebensjahren zumeist noch einstellige närrische Nachwuchs aus Mini-Funken und Kindergarde. Die Kleinst-Karnevalisten begeisterten mit herrlichen Tanzdarbietungen; gleiches galt für die Jugendgarde und die „Brave Mädche“ unter ihren Trainerinnen Alex Fischer, Juliane Rams, Hannah Hopp, Fabia Rams, Emma Schmitz, Julia Mink, Mia Schmitz, Jolanda Schmitz und Carolin Haag.

In Waldbreitbach blieb die markante weibliche Note aber nicht auf das tänzerische Element beschränkt. Maßgeblich zu verdanken ist der ganzheitliche frische Wind dem neugebildeten Vorstand, dem das junge Damen-Quartett aus Juliane Rams (1. Vorsitzende), Alice Bachem (2. Kassiererin), Fabia Rams (1. Schriftführerin) und Emma Schmitz (2. Schriftführerin) eine gehörige Portion energiegeladener Frauen-Power verleiht. Sehr zur Freude der 1. Bundeskönigin Andrea Reiprich, die die KG mit ihrem Prinzgemahl Thomas Herschbach zur humoristischen Generalprobe des Bundesköniginfestes unter der Überschrift Lachsalven und Salutschüsse als Ehrengäste eingeladen hatte.

Als „Jecke von de Baach“ warfen Michael Rams und Ben Hopp einen mitreißend witzigen Blick in die bundeskönigliche Glaskugel inklusive der Testversion des Festzuges. Während die beiden Comedy-Klassiker das Zwerchfell des Publikums schon seit Jahren an die Grenze zum Bersten bringen, zählt Max Hartmann zu den jüngeren Früchten, die der Waldbreitbacher Karneval frisch herausgebracht hat.

Als Karnevalsprofessor sezierte und filetierte er treffend die Zutaten aus dem, was das Leben der Wiedtal-Gemeinde so auftischte und bereitete daraus ein Humor-Menü zu, in dem die Spitzen saßen und trafen. Sein Publikum band er zu dessen Begeisterung ebenso in die Waldbreitbacher Anekdötchen-Historie ein, wie es „Nachtwächterin“ Biggi Hopp sowie „Prinzessin“ Monika und Überraschungsgast Maria Schmidt bei ihren „Spitzen“-Vorträgen gelang. Während den drei Damen klar war, was sie Schönes tun, schwante „Rentner Karl Heinz“ etwa beim Blick auf mangelnden Backfertigkeiten einer Zeitgenossin weise ahnend „Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht…“ Unklar bleibt zunächst ebenso, ob die, von Viktor Schicker in seinen närrischen Gesetzen festgehaltene, übertroffene Frauen-Quote mit mehr als einem Drittel KG-Vorstand weiblicher Provenienz in eine Umwidmung der „Brave Jonge“ in ein emanzipatorisch korrektes „Brave Bräpe“ münden könnte.

Fest steht allerdings, dass das Quartett der KG-Vorstands-Damen von Alters wegen in den 90er Geburtsjahrgängen zu verorten ist - da scheint es kein Wunder, dass die beiden verbliebenen Präsidenten Hermann Schlich und Michael Beyer nicht wie Dinos wirkten, sondern im „Circus Iuevanalis“ regelrecht aufblühten.

Was für die beiden Präsidenten galt, ließ sich auf den kompletten Saal übertragen: Wenn jung gebliebene Senioren von jungen Karnevalisten wie den weiblichen Top Four des KG-Vorstandes und Nachwuchskräften wie Max Hartmann und dem vielfältig engagierten Pierre Fischer sozusagen „abgeholt“ werden, bleiben Traditionen erhalten und zeitlos attraktiv. So wurde der Senioren-Frühschoppen in Waldbreitbach zu einer generationenübergreifenden Frischzellenkur für Zwerchfell, Herz und Seele.

Ein Altersbogen von 3 bis 99 Jahren sorgt dafür, dass das vollbesetzte Kolpinghaus in Waldbreitbach beim neu gestalteten Senioren-Frühschoppen der KG Brave Jonge zu einem fröhlichen Mehrgenerationenpark wurde.

Ein Altersbogen von 3 bis 99 Jahren sorgt dafür, dass das vollbesetzte Kolpinghaus in Waldbreitbach beim neu gestalteten Senioren-Frühschoppen der KG Brave Jonge zu einem fröhlichen Mehrgenerationenpark wurde.

Der „Deu op Karneval“ ist vor allem dem frischen Wind zuzuschreiben, der in der 5. Jahreszeit durch Waldbreitbach weht. Fotos: Heike Steinebach

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