Klimapaten des Jahres 2016 ausgezeichnet
Für Nachhaltigkeit und Klimaschutz eingesetzt
Dr. Reinhard und Angelika Ganten aus Todenfeld bemühen sich schon seit vielen Jahren, umweltgerecht zu leben
Todenfeld. Die Eheleute Dr. Reinhard und Angelika Ganten aus Todenfeld sind die „Klimapaten des Jahres 2016“. Das KlimaPaten-Netzwerk Voreifel zeichnete sie mit dem Titel aus, „weil sie sich einen Großteil ihres Lebens mit den Aspekten Nachhaltigkeit und Klimaschutz auseinandergesetzt haben – nicht nur hier in der Region Rhein-Voreifel, sondern auch auf internationaler Ebene“, so Professor Dr. Hermann Schlagheck, Vorsitzender der Projektgruppe „Erneuerbare Energien, Energieeffizienz“, in seiner Laudatio. An ihrem eigenen Haus in Todenfeld nahmen die Eheleute Ganten bereits in den 1980er Jahren eine energetische Sanierung der Fassade vor, „zu einem Zeitpunkt, als für die meisten Mitbürger die Themen Energieeffizienz und Klimaschutz eher von nachhaltiger Bedeutung waren“, ergänzte Klimaschutzmanager Tobias Gethke. Später führten sie ihre Energieeinspar-Bemühungen durch den Einbau von Fenstern mit moderner Einfachverglasung fort, was einen um die Hälfte reduzierten Heizwärmebedarf zur Folge hatte. Ebenfalls in den 1980er Jahren ließen sie eine Solarthermieanlage zur Unterstützung der Warmwasserbereitung und der Beheizung ihres Hauses installieren. Und seit dem vergangenen Jahr ist das Ehepaar Ganten Besitzer einer Fotovoltaikanlage, um ihren Strombedarf so weit wie möglich durch die Nutzung erneuerbarer Energien zu decken und den überschüssigen Strom ins öffentliche Netz einzuspeisen.
Stromspeicher stellt Tagesstrom auch nachts zu Verfügung
Die allerneueste Errungenschaft ist ein Stromspeicher mit einer Kapazität von 4,9 Kilowatt, den sie vor wenigen Wochen an ihre Fotovoltaikanlage angeschlossen haben, um den selbst erzeugten Strom besser im eigenen Haus zu nutzen. Der Akku, der nicht mehr Platz benötige als ein konventioneller Aktenschrank, nimmt einen Teil des überschüssigen Stroms auf, den die Fotovoltaikanlage zu Tageszeiten erzeugt. Die gespeicherte Energie steht dann in den Abend- und Nachtstunden zur Verfügung. So ist es die neuen Klimapaten gelungen, im vergangenen Jahr rund die Hälfte ihres Jahresstrombedarfs mit Energie aus ihrer eigenen Photovoltaikanlage zu decken. Zur weiteren Optimierung laden sie auch die Akkus ihrer neuen E-Bikes mit Strom aus der eigenen Herstellung auf, über die Anschaffung eines Elektroautos denken die Eheleute ebenfalls noch nach.
Dr. Reinhard Ganten, der 1987 für seine Leistungen im Bereich Schadensregulierung von Tankerunfällen mit dem Elisabeth Haub Preis für Umweltrecht ausgezeichnet wurde, engagiert sich darüber hinaus auch in klimarelevanten Projekten in der westafrikanischen Republik Togo. Gemeinsam mit dem Rheinbacher Verein Togo-Kinder Zukunftschance setzt er sich für die nachhaltige Entwicklung und Bekämpfung der Armut in der ehemals deutschen Kolonie ein. Im Rahmen seiner Landwirtschaftsinitiative hat der Verein eine Wasser-Tiefbohrung sowie die Installation einer Solarpumpe und der hierfür benötigten Solaranlagen umgesetzt.
Lebenssituation in Togo nachhaltig verbessert
Dank dieses Selbsthilfeprojektes werde seit diesem Jahr ein Hektar Ackerland für Gemüseanbau mit Wasser gespeist, und das CO2-neutral und unabhängig von fossilen Energieträgern. „Durch den Einsatz dieser Technik wurde den Menschen vor Ort wieder eine verlässliche Ernte ermöglicht und ihre Lebenssituation nachhaltig verbessert. Die Ziele Klimaschutz, Nutzung erneuerbarer Energien und nachhaltige Entwicklung sind somit in diesem Projekt beispielhaft miteinander verknüpft“, lobte Gethke. Dabei gehe es den Gantens bei ihren Aktivitäten für den Klimaschutz und die nachhaltige Entwicklung weniger um wirtschaftliche Aspekte oder Amortisationszeiträume, wiewohl damit eine erstaunliche Kapitalverzinsung von 6,5 Prozent erzielt werde und sich die Investitionen in Höhe von insgesamt 18.000 Euro innerhalb von 15 Jahren amortisierten. „Vielmehr geht es ihnen darum, ihren Mitmenschen die Aspekte Nachhaltigkeit und Klimaschutz vorzuleben und so näher zu bringen.“ Mit ihrem umfangreichen Engagement stünden sie in hervorragender Weise für das, wofür sich die Mitglieder des KlimaPaten-Netzwerks und der Projektgruppe „Erneuerbare Energien, Energieeffizienz“ einsetzten. „Damit zeigen Sie vielen anderen Menschen: das ist doch gar nicht so schwer, das könnt ihr auch!“, so Schlagheck. Mit überschaubaren Mitteln gehe das in jedem Haushalt, man müsse es nur wollen.
Näher an der Sonne geht es nicht
„Als Paten nimmt man nur Vorbilder, und die nur nach genauer und sorgfältiger Auswahl“, wusste auch Bürgermeister Stefan Raetz. Dass sich die Familie Ganten für die Sonnenenergie entschieden habe, liege nahe, den in Todenfeld wohnten sie am höchsten Punkt des linksrheinischen Rhein-Sieg Kreises. „Näher an der Sonne geht es nicht“, schmunzelte Raetz. Erstaunlicherweise sei dennoch die Energieausbeute im Höhenort niedriger als weiter unten in der Rheinbacher Kernstadt. Er freue sich aber besonders, dass die neuen Klimapaten auch von der Thermographiebefliegung der Stadt Rheinbach profitiert hätten.
„Wir bemühen uns schon seit Jahren, uns umweltgerecht zu verhalten“, erklärte Reinhard Ganten in seinen Dankesworten. Angesichts der erzielten CO2-Einsparung hätten er und seiner Frau in den vergangenen 14 Monaten bereits umgerechnet 14 Bäume symbolisch gepflanzt. „Das macht Spaß und erhöht gleichzeitig den Wert des Hauses“, machte er deutlich, dass sich Investitionen in Klimaschutz und Energieeinsparung gleich in mehrerer Hinsicht lohnten.
JOST
