VfL Rheinbach feiert 100-jähriges Jubiläum
Geburtstagsfeier stellt den gelungenen Abschluss eines turbulenten Jahres dar
Rheinbach. Ausgerechnet das Jubiläumsjahr war überaus turbulent für den VfL Rheinbach. Doch mit der gelungenen Jubiläumsfeier zum 100. Geburtstag des Traditionsvereins gelang dem neuen Vorstand um den Vorsitzenden Hermann J. Frings „ein versöhnlicher Abschluss eines sehr schweren Jahres.“ Weil alle zusammengestanden hätten, sei es am Ende doch noch gelungen, das persönliche Ziel des gesamten neu gebildeten Vorstandes zu verwirklichen: „Wir wollten unser rundes Jubiläum auch im Jubiläumsjahr feiern.“
Frings erinnerte aber auch daran, dass es in der Historie des Vereins, der die Fußballkultur nach Rheinbach gebracht hatte, immer wieder turbulente Zeiten gegeben habe mit Fusionen, Auflösungen, Zwangsvereinigung und einem Neubeginn nach dem Krieg. Dem stünden aber auch zahlreiche Erfolge gegenüber, die er gar nicht alle aufzählen könne. Beispielhaft nannte er den Aufstieg in die Bezirksliga 1978 mit der gleichzeitigen Stadioneröffnung, den Aufstieg in die Landesliga 1981 und in die Verbandsliga 1988. Nach dem neuerlichen Aufstieg 1995 spielte man sogar zwei Spielzeiten in der Oberliga Niederrhein. Seit 2010 kickt der VfL aber wieder in der Landesliga, wo man derzeit auf einem Abstiegsplatz steht, in der Rückrunde das Ruder aber noch einmal herumreißen will.
Kreispokalsieg als größter Erfolg
Der vielleicht größte Erfolg des Vereins sei der Kreispokalsieg 2012 gewesen, „doch die Dinge ändern sich schnell.“ Nach einem Jahr voller Schwierigkeiten gehe es jetzt hauptsächlich darum, das schlingernde Schiff VfL wieder auf Kurs zu bringen. Dazu trage nicht nur eine verstärkte Jugendarbeit bei, sondern auch der Wunsch, wieder an die Tradition eines Breitensportvereins anzuknüpfen. So habe man vor, in Kürze neue Abteilungen wie Schwimmen oder Boule zu gründen.
An Schirmherr Bürgermeister Stefan Raetz gewandt räumte Frings aber auch ein: „Wir waren nicht immer ein guter Bürger und danken der Stadt für ihre Geduld mit uns - und wir geloben Besserung!“ Der VfL Rheinbach habe es jedenfalls verdient, wieder in ruhigeres Fahrwasser zu kommen und mehr durch sportliche Höchstleistungen als durch negative Presseartikel im Rampenlicht zu stehen. „Dazu bedarf es einer guten und großen Mannschaft, die die Geschicke lenkt und auch dafür sorgt, dass wieder der Gemeinschaftsgedanke und das Zusammengehörigkeitsgefühl im Vordergrund stehen“, so der Vorsitzende. Kreativität und Engagement seien wichtige Eigenschaften, um die lange Tradition weiterleben zu lassen, und daran mangele es gottlob beim VfL nicht.
Ein Verein, der seine Besonderheiten hat
Raetz gratulierte allen Mitgliedern, die nach wie vor treu zu dem Verein stünden, „der es sich oft selbst nicht leicht gemacht hat“. Seine Ermutigung galt besonders dem neuen Vorstand: „Es ist nicht einfach, einen Verein, der seine Besonderheiten hat, zu führen. Wenn man ein bisschen verrückt ist im positiven Sinne, dann hilft das.“ Der VfL sei nach wie vor ein wichtiges Aushängeschild für Rheinbach, denn es werde wöchentlich über die sportlichen Leistungen berichtet. Der Pokalsieg im vergangenen Jahr habe Hoffnungen geweckt und gebe auch weiterhin Schub. Raetz wusste aber auch, dass nicht nur der Sport den VfL zusammenhält: „Es gibt auch einen großen sozialen Zusammenhalt, nicht zuletzt bei der Gymnastik-Gruppe.“ Der Bürgermeister lobte den VfL auch dafür, dass ihn immer Fairplay und die Akzeptanz über die Kulturgrenzen hinaus ausgezeichnet habe. Nicht nur deshalb komme dem Fußball- und Breitensport eine wichtige Integrationsaufgabe zu. Sport bringe der Jugend Selbstvertrauen, das gerade für die Jungen wichtig sei: „Man spürt im Verein den Aufbruch und die Leidenschaft“.
Alfred Vianden, Präsident des Fußball-Verbands Mittelrhein, machte deutlich, dass Fußball von Begeisterung lebe und vom Willen zum Sieg. „Ich muss aber fragen, ob es richtig ist, dass Spieler schon in den Kreisligen Geld dafür bekommen, dass sie ihrem Hobby nachgehen, und dass Trainer Summen fordern, für die mancher Familienvater einen Monat malochen muss.“ Seine besondere Bitte an den Vorstand: Das Fußball-Angebot des Vereins wie in den 1970/80er Jahren erneut für Mädchen zu öffnen. Das sei auch eine große Chance angesichts des demographischen Wandels und des Ganztagsschulbetriebs. Er wünschte dem Vorstand Glück auf dem Weg, den Verein wieder in ruhigeres Fahrwasser zu führen: „Ich bin überzeugt, dass die richtigen Leute am Werk sind.“
Vorstand erst seit Juli im Amt
Der neue Vorstand ist erst seit Juli dieses Jahres im Amt und setzt sich so zusammen: Vorsitzender ist Hermann Josef Frings, seine beiden Stellvertreter sind Horst Reichling und Senel Günal, um die Finanzen kümmert sich Rainer Schwäbig, und Helmut Schulten wurde als Geschäftsführer gewählt. Sie sind verantwortlich für zwei Senioren- und eine Altherren-Mannschaft sowie neun Jugendmannschaften, darüber hinaus ist auch die Gymnastikabteilung bereits seit mehr als 50 Jahren aktiv.
Alles begann im Jahre 1913, als man in Deutschland noch nicht viel für den Fußballsport übrig hatte. Aus Höhr-Grenzhausen waren Alois Keer und Leo Schwickert nach Rheinbach bekommen, sie arbeiteten in einer Terrakottafabrik und hatten in ihrer Heimat bereits in einer Fußballmannschaft gespielt. Um in Form zu bleiben, trainierten sie im Winter 1912/13 zunächst allein im Wald, was schon bald das Interesse der Rheinbacher jungen Männer auf sich zog. Nach kurzer Zeit waren die Rheinbacher von dieser damals exotischen Sportart infiziert und beschlossen, einen eigenen Verein zu gründen. Unter dem Namen „Sport Club Rheinbach“ (S.C.R.) wurde der Verein 1913 aus der Taufe gehoben, die Vorstandsämter mussten diejenigen übernehmen, die zwar immer dabei waren, selbst aber nicht mitspielten. So wurde Peter Krüger zum Vorsitzenden und Josef Barion als Schriftführer gewählt. Jeder Spieler musste sich zu seiner schwarzen Turnhose auch ein schwarzes Trikot besorgen, auf das die Vereinsinitialen aufgenäht wurden. Einen Fußballplatz gab es damals noch nicht, deshalb wurden die ersten Partien auf einem Kleefeld am Burgacker ausgetragen, als Torpfosten dienten junge Baumstämme, darauf wurden Bohnenstangen als Torlatten gelegt. Doch schon ein Jahr später kamen die Aktivitäten wegen des Ersten Weltkriegs zum Erliegen, dem leider die meisten Spieler zum Opfer fielen. Erst 1919 ging es weiter, diesmal in grünen Hosen und grünen Trikots. Nach dem Krieg gab es eine kurze englische Besatzungszeit in Rheinbach, in der es den Engländer gelang, diesen Sport in Rheinbach endgültig populär zu machen. Straßenzüge, Stadtteile und Schulen spielen gegeneinander, in einem Spiel hätten die Gymnasiasten beinah gegen die Volksschule verloren. Doch die schönsten Spiele der damaligen Zeit waren die gegen die englischen Besatzer, die in ihren Reihen einen Profispieler hatte und deshalb die Rheinbacher zu besonderen Glanzleistungen anspornten.
Fusion, Auflösung und Zwangsfusion
1928 wurde der Sportplatz am Schützenhaus an der Lurheck mit einem Spiel gegen den damaligen Westdeutschen Meister Duisburger SV eingeweiht, dadurch stieg erneut das Interesse an diesem Sport und die Jugendarbeit konnte ausgebaut werden. Einen weiteren Aufschwung brachte 1934 die Fusion des S.C.R. mit dem RTV 05 zum „Verein für Leibesübungen 05“, in dem die Sportarten Fußball, Handball, Faustball, Leichtathletik, Turnen und Schwimmen zusammengefasst waren. Man verstand sich ausgezeichnet und unterstützen sich gegenseitig, doch weil es bei den Kickern ungewöhnlich gut lief und man sogar drei Spieler in den Auswahlkader abstellen durfte, entschlossen sich die Fußballer, wieder eigene Wege zu gehen. Doch nicht lange, denn schon 1937 gab es auf staatliche Anordnung hin die „Zwangsfusion“ aller Vereine der Glasstadt, weil in Städten unter 20.000 Einwohnern jeweils nur ein Verein existieren durfte. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren es erneut englische Besatzungstruppen, die das Interesse am Fußballsport in Rheinbach aufleben ließen. Aus alten Fahnen wurden kurzerhand neue Trikots genäht, schwarze Hosen und rote Hemden. Vor dem ersten Spiel Ende 1945 musste allerdings erst der Fußballplatz planiert werden, weil amerikanische Panzerkolonnen ihn als Übungsplatz benutzt hatten. Und, oh Wunder: der VfL Rheinbach gewann gleich das erste Spiel gegen eine englische Mannschaft aus Bad Godesberg mit 7:4 Toren.
Unvergessliche Momente gegen Proficlubs
1967 wurde der Jahnstraßenplatz eingeweiht, dort holten die Fußballer des VfL viele Erfolge, seit der Eröffnung des Freizeitparks 1978/79 nutzt der VfL das dortige Stadion mit überdachter Tribüne, Umkleiden, Sportlerheim und Bistro, ebenso den benachbarten Rasenplatz und den Tennenplatz. Freundschaftsspiele gegen die „Großen“ im Fußball waren unvergessliche Momente in der Vereinsgeschichte, wenn es auch gegen die Profis des 1. FC Köln 1988 eine 3:9-Klatsche gab.
Dagegen zog man sich 1989 gegen den FC Bayern achtbar mit 0:3 aus der Affäre und unterlag 1992 gegen den FC Schalke 04. Auch die „alten und noch älteren Herren“ in der 1972 gegründeten AH-Abteilung sind ein wichtiger Teil der VfL-Familie. Zurzeit besteht sie nur noch als „Ü50“, weil keine Spieler aus den aktiven Mannschaften mehr nachrücken. Seit Ende der 1960er Jahre bot der VfL auch andere Sportarten wie Karate, Judo, Radsport und vorübergehend auch Schwimmen, Boxen und Trampolin, sodass 1982 stolze 1000 Mitglieder gezählt wurden. Seit mehr als 50 Jahren gibt es eine Gymnastikabteilung mit Aerobic, Stretching, Ski-Gymnastik, Ausdauertraining und Bewegung mit Musik. Die Radsportabteilung hat 2004 einen eigenen Verein, den RSC Rheinbach, gegründet.
VJ
