Villa Musica Konzert in Synagoge Niederzissen
Gedenkabend, der in Erinnerung bleibt
Niederzissen. Zum Gedenken an die Novemberpogrome 1938, denen auch die ehem. Synagoge Niederzissen zum Opfer fiel, fand, genau in diesem Haus, ein eindrucksvolles Konzert statt, gespielt vom Meisterviolinisten Roi Shiloah aus Israel und vier jungen Streichern der Villa Musica, Kaori López Shinohara, Violine, Ayaka Taniguchi, Viola, Vittorio Benaglia, Viola, und Seungyeon Baik, Violoncello. Zu Beginn des Konzertes wie der Vorsitzende des Kultur- und Heimatvereins auf die Bedeutung des 9. November als besonderer Tag für die Geschichte der ehem. Synagoge hin. Denn genau vor 15 Jahren und fast zur gleichen Uhrzeit hatte sich der Niederzissener Gemeinderat besonnen und den Ankauf der in den 70 Jahren zuvor als Schmiede und Werkstatt zweckentfremdet genutzten Synagoge beschlossen und, wie Richard Keuler weiterführte, um zu dem zu machen, was wir heute einmal mehr erleben dürfen.
Mit dem sodann im ersten Teil von den Musikerinnen und Musikern gespielten Werken erinnerten sie eindrucksvoll an jüdische Komponisten, wie der aus Prag stammende Gideon Klein, der sein Streichertrio 1944 im KZ Theresienstadt komponiert hat, bevor er nach Auschwitz deportiert und dort wohl kurz vor der Befreiung des KZ, am 27. Januar 1945, 25 Jahre alt, von den Nazis erschossen wurde. Die drei Musiker Shiloah, Benaglia und Baik zeigten besonders im 2. Teil des Trios, den Variationen über ein mährisches Volkslied, wie die Schlichtheit und Ergreifendes in einem Volkslied von zehn Takten in insgesamt acht Variationen von sparsamer Linienführung über „wilde“ und auch „schmerzhafte“ Allegro-Episoden sich bis zu expressiven Klagen fortsetzt.
Ein ähnliches Schicksal erlitt Hans Krása, bis 1939 einer der angesehensten Komponisten Prags, als Häftling Nr. 21855 in Theresienstadt. Sein im Konzert gespielter „Tanz für Streichertrio“ komponierte er 1943 dort im KZ und wurde vor Mithäftlingen im Rahmen der sogenannten „Freizeitgestaltung“ gespielt. Ebenfalls eindrucksvoll setzten Shiolah, Taniguchi und Baik mit Violine, Viola und Cello diesen Tanz kraftvoll beginnend, sodann ruhiger und abschließend immer schneller werdend um, sodass die Zuhörer sich in die Situation der Aufführungen im KZ Theresienstadt hineinversetzen konnten.
Das dritte Streichertrio des Konzertes stammt vom polnisch-jüdischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg, das er zwar 1950 komponiert, aber nie zu seiner Lebzeiten, er verstarb 1996 in Moskau, aufgeführt wurde. Zum zweiten Teil des besonderen Konzertes führten alle fünf Musiker das Streichquintett B-Dur von Felix Mendelssohn auf, das als eines der größten Meisterwerke seiner späten Jahre gilt.
Mit lang anhaltendem Applaus und tief beeindruckt danken die Besucher den Musikern für das hervorragende, aber auch letzte Konzert des Jahres in der ehem. Synagoge.
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