Kranzniederlegung am Ehrenmal auf dem Rathausplatz in Mendig
Gedenkstunde zum Volkstrauertag
Mendig. Seit 1952 ist der zweite Sonntag vor dem Advent ein Tag des Erinnerns und Gedenkens an die Menschen, die in zwei Weltkriegen ihr Leben ließen, an die Menschen, die der Nazi- Diktatur zum Opfer fielen und die Menschen, die Opfer von Gewaltherrschaft und Vertreibung wurden.
So auch in Mendig, wo sich am vergangenen Sonntag zahlreiche Menschen am Ehrenmal auf dem Marktplatz eingefunden hatten. Während die Mendiger Schützenkapelle und der MGV Mendig für einen dem Anlass angemessenen musikalischen Rahmen verantwortlich zeichneten, hieß Stadtbürgermeister Hans Peter Ammel zu Beginn seiner unter dem Motto „Wehret den Anfängen“ stehenden Begrüßungsansprache die Anwesenden, darunter einer Abordnung der Freiwilligen Feuerwehr Mendig, des Reservistenverbandes der Bundeswehr, der Schützenverein sowie eine Fahnenabordnung willkommen.
In einem ebenfalls nachdenklich stimmenden Beitrag las der 15-jährige Schüler der Realschule plus, Luca Wiesendorf eine „traurige Geschichte aus der Weihnachtszeit“ mit dem Titel „Abschied von Maria“ vor, die von einer 20-jährigen Ukrainerin handelte, die 1943 als Arbeitskraft auf einen Bauernhof in Deutschland geschickt wurde. Obwohl es ihr dort gut ging, kam sie durch ein schreckliches Unglück zu Tode.
Alexander Murrenhoff las vor
Die Erzählung stammt von Antje Huber und erschien in einem vom VDK herausgegebenen Büchlein. Gleich zweimal meldete der seit 2013 in Mendig lebende politische Dichter Alexander Murrenhoff sich zu Wort und appellierte höchst engagiert an die Anwesenden mit eigens verfassten Beiträgen zu der Thematik „Krieg und Frieden“. Nach siebenjähriger Pause startete Murrenhoff sein Comeback als politischer Dichter.
Das Ergebnis hiervon wird er am 08. und 22. März 2018 im Rahmen je einer Autorenlesungen in Mendig vorstellen.
In seiner Eigenschaft als Hauptredner sagte der evangelische Pfarrer Andre Beetschen: „Wir nennen diesen Tag heute Volkstrauertag, aber unser ganzes Volk trauert schon lange nicht mehr. Zwar begehen Kultur, Politik und Kirchen diesen Gedenktag, aber selbst hier bei uns in Mendig handelt es sich doch eher um eine Minderheit. Zum einen ist es ja gut für unser Volk: Über 70 Jahre Frieden und drei Generationen ohne direkte Erfahrung von Krieg und Leid - eigentlich ist es ja gut, dass das in Vergessenheit gerät. Zum anderen ist es aber auch eine Gefahr, wenn wir das Versagen unserer Vorfahren ebenso vergessen, wie die Schrecken von Krieg und Holocaust, denn sehr schnell ist wieder die Rede von „Deutschland den Deutschen“ und „Ausländer raus!“
Die rechtspopulistischen Parteien in Europa nehmen zu und es ist fast normal, dass es sich so entwickelt, denn diejenigen, die den Krieg mit erlebt und mit erlitten haben, werden immer weniger. Für die Enkelgeneration verliert der Erste Weltkrieg, aber auch der Zweite Weltkrieg immer mehr an Bedeutung, und für die Urenkelgeneration, die gar keine Augenzeugen mehr kennen gelernt hat, spielt selbst der Zweite Weltkrieg keine Rolle mehr.“
Übersetzen statt Erinnern
Man könne das „Erkalten von Erinnerungen“ zwar nicht aufhalten, aber man könne übersetzen, so Pfarrer Beetschen, der auch gleich einen guten Ratschlag bereit hielt: „Wenn ich mit meinen Kindern meinen Heimatort besuche, weise ich sie am Kriegerdenkmal auf die Namen der drei gefallenen Brüder meines Großvaters hin. Nachdem wir das häufig wiederholten, stellten die Kinder Fragen, wie zum Beispiel: Warum sind die Männer gestorben? Warum sind sie in den Krieg gezogen? oder warum sind sie auf Adolf Hitler und die Nationalsozialisten reingefallen?“ Zum Abschluss seiner beeindruckenden Ansprache empfahl Pfarrer Beetschen: „Geht doch mit Euren Kindern oder Enkeln auch einmal zu den Tafeln hier auf dem Rathausplatz oder über die Stolpersteine hier in Niedermendig, so lange, bis auch sie anfangen zu fragen.“ Mit der Niederlegung zweier Kränze vor dem Mendiger Mahnmal durch Stadtbürgermeister Hans Peter Ammel und Gerald Frank vom VDK sowie der von der Schützenkapelle intonierten Nationalhymne fand die Gedenkstunde einen würdigen Ausklang.
FRE
Der in Niedermendig lebende politische Dichter Alexander Murrenhoff beeindruckte mit eigenen Gedanken zum Thema „Krieg und Frieden“.
In seiner Eigenschaft als Hauptredner berührte der evangelische Pfarrer Andre Beetschen die Anwesenden mit einer beeindruckenden Ansprache.
Zahlreiche Mendiger Bürgerinnen und Bürger lauschten den Darbietungen des MGV Mendig unter der Leitung von Jürgen Rieser (l.).
Mit der Niederlegung zweier Kränze vor dem Mendiger Mahnmal durch Stadtbürgermeister Hans Peter Ammel und Gerald Frank vom VDK fand die Gedenkstunde einen würdigen Ausklang.
Der in Niedermendig lebende politische Dichter Alexander Murrenhoff beeindruckte mit eigenen Gedanken zum Thema „Krieg und Frieden“.
