Der Vorsitzende des Rheinbacher Gewerbevereins Oliver Wolf und seine Stellvertreterin Ruth Gelbe im Interview
Gehen in Rheinbach die Lichter aus?
Rheinbach. Es rumort schon länger im Vorstand des Gewerbevereins Rheinbach.
Anlass sind die jährlichen Kosten der Weihnachtsbeleuchtung in der Innenstadt, die der Gewerbeverein und die teilnehmenden Mitglieder alleine schultern müssen.
„BLICK aktuell“ sprach mit dem Vorsitzenden des Gewerbevereins, Oliver Wolf, und seiner Stellvertreterin Ruth Gelbe.
„BLICK aktuell“: Welche Herausforderungen bestehen für den Gewerbeverein bezüglich der Rheinbacher Weihnachtsbeleuchtung?
Oliver Wolf: Es ist jedes Jahr die gleiche Thematik, mit der sich der Vorstand auseinandersetzen muss. Es geht hier um die Unterdeckung der Kosten der Weihnachtsbeleuchtung in der aktuellen Größenordnung von ca. 6.000 Euro, die jährlich anfallen und aus der Kasse des Gewerbevereins gezahlt werden. Und das ohne Gegendeckung.
„BLICK aktuell“: Wie kommen die Kosten zustande?
Wolf: Zum einem sind es die Gewerbetreibenden und Geschäftsinhaber, die über den Fehlbetrag hinaus die Lichterketten auf eigene Kosten anschaffen und auf LED-Technik umgerüstet haben. Wobei diese Aktion mit 50% bezuschusst wurde. Hinzu kommen die Aufwendungen für den Auf- und Abbau der Lichterketten, die jedes Jahr zwischen 300 und 500 Euro je Geschäft betragen. Bei größeren Gebäuden sind das auch über 1.000 Euro jährlich.
„BLICK aktuell“: Was wird darüber hinaus vom Gewerbeverein bezahlt?
Wolf: Wir bestellen die Hubwagen, damit die Lichterketten angebracht werden können. Der Verein trägt die Stromkosten und das Schmücken der Bäume am Straßenrand mit Lichterketten, auf der Pützstrasse und auf dem Martinsplatz. Diese Kosten betragen jährlich ca. 6.000 Euro und werden ausschließlich aus der Kasse des Gewerbevereins bezahlt. Sollten hierzu die Straßen „Am Voigtstor“ und „Dreesertor“ wieder hinzukommen, steigen die Kosten weiter an. So kommen insgesamt für alle Beteiligten über 35.000 Euro an Aufwendungen zusammen.
„BLICK aktuell“: Es sind schon in den letzten Jahren „Vor dem Dreeser Tor“ und „Vor dem Voigtstor“ keine Bäume mehr geschmückt worden. Was war der Grund hierfür?
Ruth Gelbe: Es war einfach nicht mehr finanzierbar. Zuerst wurde die Einsparung an der Straße „Vor dem Voigtstor“ vorgenommen, dann folgte auch „Vor dem Dreeser Tor“. Und hier liegt die Ungerechtigkeit. Da die Kosten aus der Kasse des Vereins bezahlt werden, fühlen sich die Mitglieder an den genannten Straßen übergangen. Wir haben zurzeit 240 Mitglieder, wobei ca. 30 % der Mitgliederbeiträge für die Weihnachtsbeleuchtung genutzt werden, was entschieden zu viel ist, da die Beleuchtung ausschließlich auf der Hauptstraße zu sehen ist.
„BLICK aktuell“: Wie würde nach Ihrer Ansicht eine Lösung des Problems aussehen?
Wolf: Ohne finanzielle Unterstützung ist eine gerechte Verteilung der Kosten unmöglich. Hier fordern wir die Stadtverwaltung auf, sämtliche Möglichkeiten auszuschöpfen, um mit dem Gewerbeverein konkrete Lösungen zu finden. Und das kurzfristig. Der Einzelhandel und der Gewerbeverein können den Aufwand für die Weihnachtsbeleuchtung alleine nicht mehr stemmen. Wir haben für dieses Jahr noch keine Hubwagen bestellt, da wir nicht wissen, wie es weiter gehen soll. Wenn hier keine Reaktion erfolgt, bleibt Rheinbach schon in diesem Jahr in der Weihnachtszeit ohne festliche Beleuchtung. Das wäre die einzige Konsequenz, die zur Zeit übrig bleibt.
„BLICK aktuell“: Wie stellt sich die Stadtverwaltung diesem Problem?
Wolf: Es wurden schon mehrere Anfragen zur Kostenbeteiligung an die Stadtverwaltung gestellt. Hier wurde uns mitgeteilt, das sich, wie bekannt, die Stadt Rheinbach im Haushaltsicherungskonzept befindet und deshalb kein Geld für freiwillige Leistungen zu Verfügung steht. Viele Bürger glauben, dass die schöne und mittlerweile berühmte Weihnachtsbeleuchtung in Rheinbach, an den Giebeln der Häuser in der Innerstadt, ausschließlich im Auftrag der Stadtverwaltung angebracht wird. Aber ohne das persönliche Engagement der Geschäftsleute und des Gewerbevereins passiert gar nichts. Wegen der Beleuchtung wird nicht ein Hemd oder eine Hose mehr gekauft.
„BLICK aktuell“: Es gibt wohl auch Diskussionen wegen den Verkaufsoffenen
Sonntagen. Wie ist hier der Sachstand?
Wolf:
Einerseits werden die Auflagen der Behörden immer höher angesetzt. Hierzu zählt auch das Sicherungskonzept. Gleichzeitig steigen damit die Kosten, was dazu führt, dass auch die VOS defizitär laufen. Auch hier muss in Zukunft eine Verteilung auf mehreren Schultern stattfinden. Anderseits sind die rechtlichen Rahmenbedingungen sehr unsicher.
In der Nachbargemeinde Bornheim wurde vor wenigen Wochen ein verkaufsoffener Sonntag kurzfristig, durch eine von der Gewerkschaft Verdi betriebene, einstweilige Verfügung des Verwaltungsgerichts, abgesagt. Solange hier der Gesetzgeber keine Klarheiten zur Auslegung der Sonderöffnungszeiten schafft, ist jeder VOS ein Spiel mit dem Feuer. Auch an dem Sonntag während des Weihnachtsmarktes, der vom 14. bis 16. Dezember stattfindet, ist ein verkaufsoffener Sonntag geplant. Hierfür laufen die Vorbereitungen bis jetzt problemlos. Bis das hier Rechtssicherheit herrscht, sind für uns Abendveranstaltungen wie die „Blue Night“ am 8. November, eine Alternative. Hier brauchen wir keine Genehmigungen und der Kostenrahmen bleibt überschaubar.
„BLICK aktuell“: Ist diese Art der Veranstaltungen kostendeckend und wie wird das Konzept von den Besuchern bewertet?
Ruth Gelbe: Hier werden auch keine Überschüsse erwirtschaftet. Aber ohne die Unterstützung von Sponsoren wären solche Veranstaltungen nicht kostendeckend durchzuführen. Das Konzept „Blue Night“ wurde im letzten Jahr zum ersten Mal als Versuch gestartet. Es war ein Magnet, der viele Besucher zu späten Stunde in die Stadt gelockt hat. Auch die teilnehmenden Geschäfte und die Gastronomie waren mit dem Ergebnis zufrieden. Deshalb haben wir uns entschlossen, diese Veranstaltung auch in 2018 stattfinden zu lassen.
