Naturschutzgarten Niederwerth
Gelungene Naturschutzarbeit
Niederwerth. Eine 2400 qm große, rohe Ackerfläche auf der Rheininsel Niederwerth bei Koblenz, Rheinland- Pfalz, wurde ab 2018 zu einem ganz außergewöhnlichen Naturschutzgarten entwickelt. Um unterschiedlichste Standortverhältnisse zu bieten, wurde nach dem Vorbild „Auwald“ verschiedenste ökologische Nischen kleinflächig mosaikartig nebeneinander angelegt.
Der Naturschutzgarten Niederwerth wurde mit seinen strukturreichen Lebensräumen zu einer „Insel“ der Artenvielfalt und ist heute mit seinem markantem Röhrichtsaum ein weithin sichtbarer Gegenpol inmitten der üblichen, eher monoton gestalteten Landbewirtschaftung.
Beim Anblick der zahllosen kleinen Teiche oder einer vitalen, wurzellos verpflanzten Fahlweide mit einem Umfang von 3,2 m ist es mittlerweile beinahe unglaublich, dass all diese Bereiche vor wenigen Jahren noch „unter dem Pflug“ waren.
Für den Autor ist der Naturschutzgarten Niederwerth ein fortwährendes Forschungsfeld für ambitionierte Methoden im Artenschutz. Projekte ergeben sich immer wieder aus Nachweisen und Verhaltensbeobachtungen seltener Tiere und den praktisch umsetzbaren Möglichkeiten, diese Arten gezielt im Garten zu fördern.
Erfolgreiche Beispiele: Der Segelfalter vermehrt sich im Naturschutzgarten das 5. Jahr in Folge! Regelmäßig nutzt der Kleine Schillerfalter gäriges Obst. Dem Braun- und Blaukehlchen, dem Wendehals und gelegentlich auch einer Bekassine dienen die hier geschaffenen Kleingewässer als Trittsteinhabitat während der Zugzeit.
Die Zusammensetzung dieser Top- Arten des Naturschutzes innerhalb eines bewirtschafteten Gartens ist möglicherweise ein bundesweites Alleinstellungsmerkmal!
Ganz lokal wurde hier etwas geschaffen, was Wertschätzung verdienen würde. Die Realität sieht aber anders aus. „Wir erhalten nicht einen Cent Unterstützung durch die zuständigen Naturschutzbehörden. Alles ist privat finanziert“, so Stefan Krumme, Inhaber des Naturschutzgartens Niederwerth. „Auch für immer wiederkehrende Pflegemaßnahmen erhalten wir keine Unterstützung, weil wir laut Umweltministerium Rheinland- Pfalz darauf „keinen Anspruch“ hätten.“
Letztens tagte wieder eine UNO- Naturschutzkonferenz in Kolumbien. „Alles nur großartige Worte. „Global denken – lokal handeln“ - hier im nördlichen Rheinland- Pfalz ist eine entsprechende Wertschätzung durch Naturschutzbehörden nicht mal im Ansatz erkennbar“, so Krumme.
Stefan Krumme
Umweltbildung wird im Naturschutzgarten Niederwerth ganz groß geschrieben; der Kindergarten Schatzinsel bei einer Führung im Garten.
Ein höchst ambitioniertes Projekt war die erfolgreiche Pflanzung einer – wurzellosen - Fahl- Weide, die sich zusammen mit Wildem Wein zu einem wahren Schmuckstück entwickelt hat.
Und so sah die uralte Weide noch im März dieses Jahres aus.
