Allgemeine Berichte | 05.05.2013

Realschulen und das Handwerk unterschreiben einen Vertrag für das Partnerschaftsprojekt

Gemeinsam für den Nachwuchs da: Lehrer und Meister

Direktoren und Obermeister bei der Leistung ihrer Unterschriften. AB

Kreis Ahrweiler. Der demografische Wandel macht auch vor dem Handwerk nicht Halt. Nachwuchssorgen stehen manchen Meistern auf der Stirn geschrieben. Bäcker und Fleischer sind davon besonders betroffen, die Berufe, bei denen mit Computern gearbeitet wird, stehen bei Jugendlichen auf der Beliebtheitsskala ganz oben. „Dabei hat das Handwerk immer noch goldenen Boden“, weiß Kreishandwerksmeister Frank Wershofen. „Wir sind viel besser als ab und zu unser Ruf“, schiebt Kreislehrlingswart Rolf Genn nach. Und der Bäckermeister aus Wehr weiß, wovon er spricht: Hunderte von jungen Menschen geleitete er in seiner „Handwerkskarriere“ bereits bis zum Gesellenbrief. „Das Handwerk ernährt seinen Mann und seine Frau“, sagen die Innungsmeister unisono, die Mindestlohndiskussion sei bei ihnen kein Thema.

Dennoch wollen die Meister des Kreises an ihrem Image der Berufe arbeiten. Möglichst frühzeitig sollen junge Menschen an einen Berufswunsch heran geführt werden. Starke Partner sitzen nun in einem Boot, um bereits Schüler auf den Weg ins Arbeitsleben zu geleiten. Einen Kooperationsvertrag unterschrieben in der kreisstädtischen Ahr-Akademie die Schulleiter der acht Realschulen plus im Kreis und Frank Wershofen als Vertreter der Innungsmeister. Da werden die Schüler demnächst Besuch in der Schule bekommen. Ein Meister seines Faches wird ihnen von seinem Beruf das Wichtigste mitteilen. Die Schüler werden eingeladen, in die Betriebe zu kommen, Praktika zu absolvieren, sozusagen Schnupperkurse zu belegen. Frühzeitig soll der Berufswunsch geweckt werden, es gilt aber auch, vielleicht falsche Vorstellungen zu korrigieren. „Handwerkliche Fähigkeiten kommen bei vielen jungen Menschen zu kurz“, stellten dann auch die Lehrer fest.

Der Wunsch möglichst lange im wohlbehüteten Schulbetrieb zu verweilen, sei mittlerweile Mode geworden, hieß es auch bei den Schulleitern. „Doch, welche Chancen im Handwerk liegen, dass vermitteln wir auch zu wenig,“ erläuterte Hauptgeschäftsführer Karlheinz Gaschler vor der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde. „Wir wollen den Jugendlichen viel mehr die Bandbreite des Handwerks im Kreis Ahrweiler vor Augen führen“, begründete Frank Wershofen die Initiative. Der Ansatz dazu müsse von Schule und Handwerk gleichermaßen ausgehen. Und dabei gelte es, nicht nur die Schüler zu erreichen, sondern auch die Eltern. „Vielleicht,“ und deshalb wollen die Meister in die Schulen gehen, „hören uns die Schüler interessierter zu als ihren Lehrern. Aber auch den Lehrern wollen die Meister die Chance eröffnen „am richtigen Arbeitsleben teilzunehmen“.

Mal so an der Werkbank stehen, zu sehen, mit welchen Schwierigkeiten im Handwerk zu kämpfen ist, aber auch wie abwechslungsreich das Arbeiten mit den Händen sein kann, das kann doch eine interessante Aufgabe sein, lädt die Handwerkerschaft die Lehrer in die Betriebe ein. Das Handwerk ist die tragende Säule in der Wirtschaft des Kreises Ahrweiler. 750 Auszubildende bereiten sich zur Zeit auf das Arbeitsleben im Handwerk vor. 100 offene Stellen warten aber noch auf Absolventen in 95 unterschiedlichen Berufssparten. „Ein guter Schüler hat bei uns alle Chancen“, sagt Frank Wershofen. „Allerdings müssen auch wir versprechen können“, dass ein guter Auszubildender in den Beruf übernommen wird“, schiebt Gaschler nach. Lediglich 30 Prozent der Abgänger von der Realschule wählen zur Zeit das Berufsziel Handwerk, der große Anteil will eben weiter lernen, Abi machen und studieren. Die Handwerksinnung hat sich im europäischen Ausland umgesehen, sieht dort eine wesentlich breitere Jugendarbeitslosigkeit als in Deutschland. Das duale System hierzulande wird von allen Meistern gelobt. Die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Betrieben ebenfalls. 15 junge Spanier sind zur Zeit auf dem Weg nach Deutschland. Sie absolvieren eine Ausbildungszeit im Kreis Ahrweiler. Ein Modell, für das es sich einzusetzen gilt, meint Frank Wershofen. Doch kein Modell, das langfristig von Nachwuchssorgen befreit, da setzt der Kreishandwerksmeister eher auf die Partnerschaft zwischen den Schulen und den Innungsbetrieben. Über die „Karriere mit Lehre“ informiert die Ahr-Akademie in der Kreisstadt am 16. Juni, wenn es heißt: Handwerk und Wein.

Direktoren und Obermeister bei der Leistung ihrer Unterschriften. Foto: AB

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