Israelsonntag in Friedenskirche
Gemeinsame Wurzel im Blick
Trialogischer Gottesdienst in Friedrichssegen mit katholischen und jüdischen Vertretern
Friedrichssegen. Einen trialogischen Gottesdienst mit katholischen und jüdischen Vertretern feierte Pfarrerin Antje Müller von den evangelischen Kirchengemeinden Friedrichssegen und Frücht am Israelsonntag. Dieser Sonntag wird auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau jährlich am 11. Sonntag nach Trinitatis begangen. Für diesen und folgende ähnliche Anlässe hatte Nikolaus Hermann aus Miellen eine Menorah, den siebenarmigen Leuchter des Judentums, geschreinert. Für das Symbol sprach Pfarrerin Müller ihm Dank aus.
Rückbesinnung auf die gemeinsamen Wurzeln
Die lebendige Rückbesinnung auf die gemeinsamen Wurzeln der jüdischen wie der christlichen Religion war Zentrum des Gottesdienstes. Anschaulich stellte dies Pfarrer Wolfgang Steinmetz als katholischer Vertreter aus Frankfurt dar. Er stellte ein Buch vor, dass das Ergebnis eines Schulprojekts ist, das Juden, Christen und Muslime zusammenbrachte. Symbol für den Austausch zu den Religionen, die sich alle auf Abraham als Stammvater zurückführen, ist ein dreiästiger Zweig, der der Hand des von allen drei Religionen verehrten einen Gottes entwächst und am anderen Ende den Davidsstern, das Kreuz und den Halbmond trägt. Dr. Christoph Simonis von der jüdischen Gemeinde Koblenz brachte es auf den Punkt: „Wenn es nur einen Gott gibt, dann können wir auch gemeinsam zu ihm beten.“
Neben dem Glauben an den einen Gott trete eine gemeinsame Ethik, so Simonis weiter: Liebe Gott und deinen Nächsten. Um Menschenfreundlichkeit als Ausfluss der Liebe zu Gott und einer gottgefälligen Lebensführung drehte sich auch die gemeinsame Predigt von Müller und Steinmetz, die von historisch belegten religionsübergreifenden Handlungen der Nächstenliebe berichtete. Sie lasen den Brief eines Pfarrers vor, der im 19. Jahrhundert im Dienste der Nächstenliebe einen sterbenden jüdischen Händler in den letzten Lebensstunden begleitete. So hat auch das christliche Vater Unser im Judentum eine ähnliche Entsprechung, die er vortrug. Den aaronitischen Segen als groß-ökumenisch-interreligiöse Segnung erbaten Steinmetz, Müller und Simonis für die Gottesdienstgemeinschaft.
Musikalisch gestalteten Organistin Hannelore Syre mit Stücken jüdischer Komponisten und das Ensemble Septime unter Leitung von Dieter Grein (Begleitung Wassily Kotykov) den Gottesdienst. Auf Hebräisch sangen sie zum Beispiel „Shalom aleichem“, zu Deutsch: Friede für alle.
Pressemitteilung
Dekanat Nassauer Land
Im Gespräch: Pfarrerin Antje Müller, Dr. Christoph Simonis von der jüdischen Gemeinde Koblenz und Pfarrer Wolfgang Steinmetz, Schulseelsorger aus Frankfurt.
