Meckenheimer Stadtrat steht vor weitreichender Entscheidung
Geplanter Neubau zweier Schulen wird fast doppelt so teuer wie ursprünglich geplant
Anstatt 77 Millionen Euro stehen jetzt 141,3 Millionen Euro unterm Strich - europaweite Ausschreibung eines Teilnahmewettbewerbes für das Gesamtprojekt soll starten - Baubeginn könnte 2024 seien
Meckenheim. Vor einer weitreichenden Entscheidung steht der Meckenheimer Stadtrat in seiner nächsten Sitzung (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe, Anm. der Redaktion). Das im März gestoppte Vergabeverfahren für den Neubau der Geschwister-Scholl-Hauptschule und des Konrad-Adenauer-Gymnasiums auf dem Schulcampus soll wieder aufgenommen werden. Allerdings gibt es einen dicken Wermutstropfen bei diesen „Jahrhundertprojekt für die Stadt“, so Bürgermeister Holger Jung (CDU): Die Gesamtkosten haben sich im Vergleich zur ersten Schätzung glatt verdoppelt. Anstatt der ursprünglich kalkulierten 77 Millionen Euro stehen jetzt 141,3 Millionen Euro unterm Strich, was den städtischen Haushalt für die nächsten 30 Jahre mit knapp sechs Millionen Euro pro Jahr einschließlich Zinsen und Abschreibung belasten würde. Zum Vergleich: 2022 beläuft sich die Gesamtsumme des Ergebnishaushalts auf 85 Millionen Euro.
„Wir haben aber keine echte Alternative“, gab Jung bei einer Pressekonferenz im Meckenheimer Rathaus zu verstehen. Denn eine Sanierung der maroden, gut 50 Jahre alten Schulgebäude käme nach dem Ergebnis eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung noch weitaus teurer. Zudem sei der Neubau während des laufenden Betriebes machbar. Außerdem sei eine Sanierung im Hinblick auf den vorgegebenen energetischen Standard und die bislang ineffizient genutzten Flächen sowie unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten nicht zu empfehlen, bestätigte der Technische Beigeordnete Heinz-Peter Witt. Immerhin sei davon auszugehen, dass die Unterhaltungskosten der neuen Schulgebäude dank weitreichender Klimaschutz- und Energieeinsparungsmaßnahmen ganz erheblich günstiger seien als dies derzeit der Fall ist.
Grünfläche soll auch als grünes Klassenzimmer genutzt werden
So seien in den Gesamtkosten allein 12,2 Millionen Euro für energetische Maßnahmen enthalten. Weitere 15 Millionen Euro seien im Vergleich zur ursprünglichen Planung durch zusätzliche Dinge entstanden. Witt nannte als Beispiel die geplante Hochgarage auf dem Gelände des Schulcampus, die nicht nur die notwendigen Parkplätze für die drei weiterführenden Schulformen aufnehmen soll, sondern auch noch als Ersatz für die abgerissene Parkpalette am Neuen Markt dient. Aber auch die Kosten für die klimagerechte Gestaltung der durch den Abriss von Gymnasium, Hauptschule, Atrium und Hausmeisterwohnung entstehenden Freifläche kamen erst später hinzu. Diese Grünfläche soll nämlich nicht nur als Außengelände des Schulcampus, sondern auch als „grünes Klassenzimmer“ genutzt werden, worüber sich ein Freiraumplaner Gedanken machen soll.
Dass die Belastung für den städtischen Haushalt sehr groß sein wird, weiß auch Jung, „das macht man nicht mal einfach so.“ Deshalb sei das Projekt intern gut vorbereitet und dabei auch die Schulgemeinschaft von Anfang an mitgenommen worden. „Der Schulneubau ist kein Prestigeobjekt, sondern eine sinnvolle Investition in unsere Bildungslandschaft, die unsere Stadt insgesamt attraktiver macht“, findet er. Nicht zuletzt gehe es darum, dass die Schule für die 1300 Schüler von Hauptschule und Gymnasium sowohl im Inneren wie auch nach außen funktionieren müsse. Deshalb habe eine Projektgruppe aus Verwaltung, Schule und Eltern gemeinsam eine Vision der „Schule von morgen“ entwickelt, die beim Neubau auch weitgehend umgesetzt werden soll, ergänzte der Erste Beigeordnete Hans Dieter Wirtz.
Ausschreibungsverfahren wegen Ukrainekrieg unterbrochen
Unterbrochen hatte der Stadtrat in seiner Sitzung am 23. März das erst einen Monat zuvor eröffnete Ausschreibungsverfahren für den Teilnahmewettbewerb, weil aufgrund des Ukrainekrieges die Verfügbarkeit von Rohstoffen und Baumaterialien stark eingeschränkt war, so Jung rückblickend. Daraus seien nicht kalkulierbare Preis- und Verfügbarkeitsrisiken für Bauunternehmen entstanden, weshalb bei potenziellen Bewerbern die Bereitschaft zur Teilnahme am Ausschreibungsverfahren nicht mehr vorhanden war. „Dennoch behielten wir den Neubau am Schulcampus fest im Blick und arbeiteten weiterhin an dem ambitionierten Projekt.“
Mittlerweile habe sich die Situation im Bausektor ein wenig beruhigt, weshalb davon auszugehen sei, dass bei der erforderlichen europaweiten Ausschreibung doch eine Reihe von Angeboten abgegeben würden. Wobei zunächst einmal geprüft werden müsse, ob die Referenzen und die Bonität der Bewerber für dieses Großprojekt überhaupt ausreichend seien. Nur wer diese Kriterien erfüllt, wird für den eigentlichen Wettbewerb zugelassen, unterstreicht Witt. Derzeit geht er davon aus, dass sechs bis acht zugelassene Firmen ein Angebot abgeben dürfen. Der endgültigen Entscheidung, wer den Zuschlag bekommt, wird dann eine Bewertungsmatrix zugrunde gelegt, die der Stadtrat bereits beschlossen hat, die aber geheim ist. „Es geht darin unter anderem um Funktionalität und Nachhaltigkeit, aber auch um stadtplanerische Aspekte und natürlich um den Preis“, verrät Jung dennoch. Und ist überzeugt: „Dabei kommt etwas richtig Gutes heraus.“
Falls der Stadtrat der Wiederaufnahme des Verfahrens zustimmt, soll direkt im Anschluss die europaweite Ausschreibung des Teilnehmerwettbewerbes starten, der dann wiederum Anfang 2023 beginnen soll. 2024 rechnet Jung mit der Vergabe des Gesamtauftrages an den Wettbewerbsgewinner, wenig später soll dann der Bau beginnen, für den zweieinhalb Jahre Bauzeit angesetzt sind. Wenn alles gut läuft, könnte der Schulneubau dann im Jahr 2026 eingeweiht werden. JOST
