Gerti Gabelt liest am 26. Juli aus ihrem neuen Buch „Frei sollst du sein“
Geschichten von Liebe, Hoffnung und unerwarteten Geschehnissen an fernen Orten
In der Stille der Nacht folgt die Autorin ihren Eingebungen und kreiert Geschichten
Bad Breisig. Das Reisen ist ihr Lebenselixier. Aber anders als viele Menschen verlebte sie nicht nur zwei Ferienwochen jenseits der Herkunftsgefilde. Gerti Gabelt, in Bad Honnef geboren, früher in Königswinter ansässig, verwitwete Mutter dreier erwachsener Kinder, lebt seit sieben Jahren wiederverheiratet in Bad Breisig. Sie war zwölf Mal in Australien, verbrachte zwei Mal vier Monate in Südafrika und längere Zeit in Bangkok. Ihr Antrieb: „Ich wollte aus der Enge heraus und hinein in eine Vielfalt“. Seit sieben Jahren wohnt sie mit ihrem Mann in Bad Breisig. Von Oberbreisig zogen sie direkt an den Rhein. „Hier geht immer eine leichte Brise“, sagt sie. Die hilft ein wenig gegen das Fernweh. Denn am liebsten würde sie „sofort nach Südafrika übersiedeln, natürlich nur, wenn die ganze Familie mitkäme“. Kapstadt wäre da eine Option. Sie liebt diese Stadt.
Später Schreibstart
Kapstadt ist auch ein Schauplatz in ihrem dritten, gerade herausgekommenen Buch, das den Titel „Frei sollst du sein – Take Your Time“ trägt. Mit dem Schreiben hat Gabelt, früher Rossbach-Pütz, allerdings erst verhältnismäßig spät begonnen. Zunächst Verwaltungsangestellte im Gesundheitswesen in Köln, machte sie auf dem zweiten Bildungsweg eine dreijährige Psychologieausbildung. Fünf Jahre lebte sie in Australien, wo sie in der Verwaltung eines Krankenhauses tätig war. Danach arbeitete sie von 1988 bis in die 1990er Jahre in der Verwaltung des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR). Als freie Mitarbeiterin beim Katholischen Bildungswerk leitete sie von 1993 bis 2007 Seminare, Entspannungskurse und Diskussionen über aktuelle Lebensthemen, wie „gibt es das Böse?“ „wie bewältige ich Neid, ungute Gefühle, Trauer?“
Reiselust und Erzählfreude
Dass aus Gabelt, der Psychologischen Beraterin und früheren Verwaltungsangestellte eine Autorin wurde, hängt mit ihrer Reiselust und Erzählfreude zusammen. Jedoch ist dieser Umstand vor allem einem traumatischen Erlebnis geschuldet. Im Dezember 2004 gehörten sie und ihr Lebensgefährte zu jenen, die während des Weihnachtsurlaubs am Strand der Insel Phuket, Thailand, den Tsunami erlebten. Abertausende Menschen starben. Die beiden wurden im letzten Moment gerettet. Gerti Gabelt macht die Erinnerung an die Todeswelle bis heute zu schaffen. „Ich schlafe schlecht, aber dann schreibe ich“, erzählt sie. „Aufbauend auf Tagebucheinträgen und Mitteilungen an Angehörige“ begann sie nach dem Tsunami und der langen Zeit im Hospital die Erlebnisse aufzuschreiben. „Ich habe es für meine Kinder, die Familie und mich getan; es hat mir bei der Verarbeitung geholfen“.
Ana Sue entkommt
Nach dem Erstling „Tsunami erlebt – überlebt“ erschien 2016 ihr Buch „Wanda und Wendelin“ über ein junges Mädchen, das seine große Liebe und sein Kind verliert, aber ins Leben zurückfindet und „ihm“ wiederbegegnet. Auch Gabelts dritte Veröffentlichung nimmt ihren Ausgang bei einer jungen Frau. Ana Sue muss als Älteste ihre Familie unterstützen.
Sie gerät laut Klappentext „in den Sog eines Etablissements in Bangkok, aus dem es kein Entkommen gibt.“ Gerti Gabelt hat sich dieser Figur angenommen. Nicht, dass sie tiefere Einblicke in das Milieu hätte. Aber an der Sexmeile hat sie es „so schlimm gefunden, dass die ganz jungen Mädchen da an den Stangen tanzen.“ Diesen Anblick kennt sie und weiß auch um das Ausgeliefertsein der Sexarbeiterinnen. Die Geschichte hat sie freilich komplett selbst ersonnen. Als Autorin lässt sie ihre Hauptfigur Ana Sue früh entkommen. Auf deren wechselhafte Lebensspur nimmt sie den Leser mit. Zwischen Vertrauen und Enttäuschung, neuen Aufgaben, einer verebbenden und einer aufkeimenden Liebe bewährt sich die Thailänderin und reift zur selbstbewussten Frau heran. Das ist unkompliziert erzählt, tippt aber allerlei Momente an, in denen Menschen herausgefordert sind, sich zu beweisen, gerade dann, wenn sich die Dinge vollkommen anders entwickeln, als erwartet.
Immer wieder nachts, wenn andere schlafen, nimmt Gerti Gabelt ihr Notizbuch zur Hand. Draußen dunkelt es. Aber in ihrem Innern rühren sich Erinnerungen, steigen Eingebungen auf. In der Stille der Nacht lauscht sie nach innen. Gerti Gabelt genießt „die Ruhe, eine besondere Atmosphäre“. Sie ist sich sicher: „Wer einmal mit dem Schreiben angefangen hat, kommt nicht mehr davon los“. Autorin Gabelt hegt jedenfalls neue Pläne. Es gibt Überlegungen für ihren nächsten Roman, in dem eine Frau vorkommen wird, die ihren Mann fürchten muss. Doch zunächst will die aktuelle Neuerscheinung unter die Leute.
Lesung Freitag, 26.Juli,
Zur Lesung „Frei sollst du sein“ lädt Gerti Gabelt für Freitag, 26. Juli, 11 Uhr, ins Hotel Rhein-Residenz, Rheinufer 1. Ihr Buch mit 226 Seiten, ISBN 978-3-96145-466-2, ist beim Engelsdorfer Verlag Leipzig erschienen.
HG
Das Schreiben bereitet Gerti Gabelt große Freude.
