Hofnarren-Ensemble erfreut mit sozialkritischer Theateraufführung
Gestrandet am Provinzbahnhof Möntenich
Möntenich. „Es fährt kein Zug nach irgendwo“ - und erst recht nicht vom örtlichen Provinzbahnhof, den das engagierte Theaterensemble der Möntenicher Hofnarren kurzerhand am bewährten Standort von Familie Loch eingerichtet hat. Hier stranden auch bei der Premiere die erwartungsfreudigen Zuschauer zusammen mit den Bühnenaktiven, denn der von ihnen gemeinsam genutzte ICE von Trier nach Koblenz muss wegen eines Triebwerkschadens stehen bleiben. Ein Ersatzzug wird über Lautsprecheransagen vom Koblenzer Hauptbahnhof zwar versprochen, kommt aber, im Gegensatz zu weiteren peinlichen Ausfall- und Verspätungsdurchsagen, nicht an. Bei den so in Möntenich pausierenden Reisenden treffen völlig unterschiedliche Charaktere aufeinander, die im gelungenen Bühnenspiel amüsante aber auch kritische Töne zu Gehör bringen. Gerade dieser Umstand verleiht dem neuen Stück aus der Feder von Winnie Abel aber die erhoffte Würze und ein hohes Maß an Authentizität. In diesem Zusammenhang wachsen die bühnenerfahrenen Laiendarsteller um ihre Regisseurin Marita Theobald abermals über sich hinaus und können mit willkommener Spielfreude, ausdrucksstarker Mimik und herrlichem Wortwitz, durchweg überzeugen.
Ensemble begeisterte
Dabei gestaltet sich das Spiel der Protagonisten gar nicht so einfach, müssen sie doch oftmals alle gemeinsam auf der Bühne agieren, ohne tatsächlich ins Geschehen einzugreifen. Ein nicht ganz leichtes Unterfangen, was dem Ensemble allerdings mit Bravour gelingt: Die Kegelschwestern Larissa (Stephanie Brachtendorf), Thea (Nadine Labonte), Lara (Margret Gilles) und Bärbel (Johanna Gilles) haben bei ihrer Ankunft schon tief ins Glas geschaut und scheinen mit der Situation zunächst überfordert. Gleiches gilt für die erfolgsorientierte Businesstante Victoria (Tanja Knieper) den Verschwörungstheoretiker Hubert (Stefan Gilles) sowie die nervige Motivationstussi Sieglinde Sieg (Elke Klaus-Jung). Als wären diese amüsant aufeinanderprallenden Charaktere nicht genug, gesellen sich mit US-Touristin Stacey (Katja Jischkle), dem Psycho-Opfer Ilse (Leonie Jischke), dem lebenserfahrenen Bahnhofspenner Reinhold (Achim Jischke) sowie dem bürokratisch unterbelichteten Bahnpolizisten Konrad (Horst Gilles) noch weitere Hauptdarsteller hinzu. Die versuchen zunächst zum eigenen Vorteil die unliebsame Lage zu meistern. Da dies nicht gelingt, kommt es allmählich zur Annäherung für eine konzertierte Aktion, in dessen Verlauf sich dann wieder die egoistische Spreu vom hilflosen Weizen trennt.
Ein hervorragend inszeniertes Spaßtheater das nicht nur sozialkritisch zu punkten weiß, sondern auch ohne das anstehende Happyend auskommen würde. TE
In ihrer Hilflosigkeit versuchen die bereits deftig alkoholisierten Kegelschwestern auch den aktuellen Kummer als Lösung zu ertränken.
