Allgemeine Berichte | 26.11.2021

Fachtagung Runder Tisch Rhein-Westerwald

Gewalt ist nicht gleich Gewalt

Westerwladkreis. „Ich schlag dir auf die Fresse, weil… ich dein Handy will, …du mich beleidigt hast, …du schon so guckst.“ Die Gründe für Gewalt können verschieden sein, auch wenn das Ergebnis gleich ist. Die Frage wie Gewalttaten motiviert sind, war Gegenstand der Fachtagung des Runden Tisches Rhein-Westerwald im Rahmen des Rheinland-Pfälzischen Interventionsprojektes gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen.

Das Gewalt nicht gleich Gewalt ist, sprich es nicht den Gewalttäter bzw. die Gewalttäterinnen gibt, wird jedem schnell klar, der mit Menschen, ganz gleich ob an Gericht, Schule, KiTa oder Hilfeeinrichtung, arbeitet. Gewalttaten liegen unterschiedliche Motive zugrunde, die in der pädagogischen Arbeit Beachtung finden sollten. Welche Gewaltmotive sich in der Arbeit mit jungen Menschen unterscheiden lassen, erläuterte Winnie Plha, Soziologin und Projektleiterin bei der Denkzeit-Gesellschaft. Der Freie Träger der Jugendhilfe entwickelt und evaluiert unter der Leitung von Prof. Rebecca Friedmann seit über 15 Jahren psychodynamisch fundierte, pädagogische Programme gegen Gewalt und Delinquenz, wendet diese bundesweit an und bildet Fachkräfte zu unterschiedlichen Themen weiter.

Grundsätzlich unterscheidet die Wissenschaft zwischen zwei wesentlichen Gewaltmotivationen: der affektiven und der instrumentellen.

Instrumentell handelnde Gewalttäter zeichneten sich u. a. durch fehlende Empathiefähigkeit, eine hohe Risikobereitschaft, Verantwortungslosigkeit und einer starken Ich-Bezogenheit aus. Taten begehen sie vorwiegend mit dem Ziel der eigenen Bedürfnisbefriedigung. Unter Beachtung des Kosten-Nutzen-Aspektes der Taten, kann mitunter erarbeitet werden, dass sich Straftaten nicht lohnen, sozial angemessenes Verhalten jedoch schon. Komplexer seien affektive Motivlagen, die sich in einem Spektrum, zwischen von eher reaktiven bis hin zu intrinsisch motivierten, Taten bewegen. Während reaktive Taten meist eine direkte Antwort auf (vermeintliche) Provokationen oder Kränkungen sind und dazu dienen diese Angriffe abzuwehren, liegen intrinsischen Taten meist projektive Phänomene zugrunde. Das bedeutet, dass der Täter/die Täterin unbewusste, unerträgliche, innere Spannungen (z.B. durch ein sehr instabiles Selbstwertgefühl) externalisiert und einem meist zufällig gewählten Anderen zuschreibt. Mit der festen Überzeugung, dass der Andere „schon so guckt, als wäre ich nur Dreck“ begehen intrinsisch motivierte Täter/Täterinnen oft ungesteuerte, brutale Gewalttaten, unter denen es nicht selten zu dissoziativen Zuständen kommt. Diese Gewalttaten haben nicht die Bestrafung des Anderen oder die persönliche Bereicherung zum Ziel, sondern dienen der Abwehr dieser unaushaltbaren Spannungszustände, die überwiegend durch frühe traumatische Erfahrungen begründet sind.

Ausgehend von der Betrachtung der unterschiedlichen Motivlagen ergeben sich zwangsläufig unterschiedliche Strategien in der Prävention und Intervention. Während für den einen ein hoher Preis für gewalttätiges Verhalten Abschreckung bedeutet, gilt es für den anderen sein Umfeld richtig zu deuten, einen Blick nicht als Provokation zu verstehen. Der intrinsisch motivierten Täter muss Projektionen und Traumafolgen verstehen sowie Notfallstrategien erlernen, um das Abgleiten in dissoziative, nicht steuerbare Zustände zu verhindern.

„Diese unterschiedlichen Motive finden sich auch bei der Gewalt in engen sozialen Beziehungen wieder“, betont Beate Ullwer, Gleichstellungsbeauftragte des Westerwaldkreises, die gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Neuwied die Fachtagungen für den Runden Tisch Rhein-Westerwald organisiert. „Frühe Beziehungserfahrungen, die durch Gewalt, Missbrauch, körperlicher oder psychischer Vernachlässigung gekennzeichnet sind, stellen einen perfekten Nährboden für gewalttätiges Verhalten dar. Darum sind die sog. Frühen Hilfen als Präventionsmaßnahme ebenso wichtig, wie passgenaue Maßnahmen für Gewalttäter“, ergänzt Doris Eyl-Müller.

Pressemitteilung

Kreisverwaltung des

Westerwaldkreises

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Dauerauftrag
Dauerauftrag
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Innovatives rund um Andernach
Hasenhoppeln & Heimatshoppen
Koblenz blüht // Frohe Ostern 2026
Unterstützeranzeige
Stellenanzeige Personalreferent/in
Empfohlene Artikel
Schülerinnen und Schüler der Bienenklasse 3c der KGS Meckenheim sind am Standort Meckenheim der Bücherbrücke in die Bücher vertieft. Foto: Stadt Meckenheim
31

Meckenheim. Die Bücherbrücke Meckenheim/Alfter verzeichnet eine rege Nutzung durch Kindertagesstätten und Schulen im Rahmen der Leseförderung. Unter den teilnehmenden Einrichtungen befinden sich unter anderem Blütentraum, Hüppekästchen, Rasselbande und zahlreiche weitere Kindertagesstätten. An beiden Standorten der Bücherei steht der Mittwochvormittag im Zeichen der Vorschulprogramme, bei denen die Kinder bib(liotheks)fit gemacht werden.

Weiterlesen

Mit 17 Anträgen zur Neuaufnahme in diesem Jahr wurde fast der Spitzenrekord von 2020 geknackt.
51

Leutesdorf. Pascal Berger, Vereinsvorsitzender begrüßte alle Anwesenden zur Jahreshauptversammlung am 28. März und es wurde nach Feststellung einer ordnungsgemäßen Einladung und Bekanntgabe der Tagesordnungspunkte eine Gedenkminute den Verstorbenen gewidmet.

Weiterlesen

Weitere Artikel
3

Gesprächs-Café für Trauernde in Rheinbach am 13. April

Mit der Trauer nicht allein

Rheinbach. Einen geliebten Menschen zu verlieren, ist schwer zu ertragen. Viele fühlen sich in dieser Zeit hilflos und alleingelassen.

Weiterlesen

Trainingslager-Teilnehmer des TV Rheinbach, Foto: Timm Ody/TV RheinbachFoto: privat
4

Leichtathleten des TV Rheinbach in Verden

Leichtathleten des TV Rheinbach in Verden

Rheinbach. Zum bereits vierten Mal ging es für die 38 Leichtathleten aus Rheinbach, Rhein-Sieg-Kreis und Kreis Euskirchen in die Ferienfreizeit des TV Rheinbach nach Verden (Aller). Mit Schweiß, vor allem aber viel Spaß verbrachten die 10- bis 18-jährigen Kinder und Jugendlichen die 8 Tage in der niedersächsischen Reiterstadt. Begleitet von einem hervorragenden Trainer- und Betreuerteam ging es am 28. März zum Beginn der Osterferien los.

Weiterlesen

Die Verkehrssituation an der Aloisius-Grundschule stresst die Anwohnerschaft. Foto: ROB
2299

Immer wieder kommt es zu kritischen „Manövern“: Auch die Stadtverwaltung sieht zunehmende Belastung:

HeimatCheck: Ahrweiler: Eltern-Taxis stressen alle

Ahrweiler. Seit mehreren Jahren steht die Aloisius-Grundschule vor einer wachsenden Herausforderung: dem zunehmenden Verkehrsaufkommen durch sogenannte „Elterntaxis“. Leser von BLICK aktuell berichten, dass sich die Situation trotz wiederholter Hinweise und Appelle bislang nicht verbessert habe. Insbesondere zu den morgendlichen Bringzeiten sowie am Mittag beim Abholen der Kinder kommt es regelmäßig zu kritischen Verkehrssituationen rund um das Schulgelände.

Weiterlesen

Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Rund ums Haus
Dauerauftrag Imageanzeige
Holz Loth-Entsorgung
Kreishandwerkerschaft
Anzeige "Rund ums Haus"
Kleinanzeigen
Innovatives rund um Andernach
Titel
Koblenz blüht
Ostergruß
fit für`s Alter?
Container Anzeige
Rund ums Haus
Stellenanzeige mehrere Stellen
Anzeige KW 14
Feierabendmarkt Bad Neuenahr / o.B. Sponsoring
Stellenanzeige Personalsachbearbeiter/in