Allgemeine Berichte | 12.01.2017, 08:00 Uhr

69. Landessynode der evangelischen Kirche im Rheinland

Glaube lässt sich nicht verunsichern

Zahlreiche Ehrengäste versammelten sich in der Martin-Luther-Kirche.
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Bad Neuenahr. Pfarrer Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland rief im Eröffnungsgottesdienst der Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland in der Neuenahrer Martin-Luther-Kirche zu einem „trotzigen Gottvertrauen“ und einer „kühnen Zuversicht in das Leben“ auf- auch wenn die täglichen Erfahrungen von Leid, Elend und Gewalt eine andere Haltung nahelegten. „Angst, die einengt, Todesangst, die jeden Handlungsspielraum zu verschließen scheint, sind Erfahrungen, die auch uns nicht fremd sind“, sagte der rheinische Präses. Rekowski verwies dabei auf die Ereignisse in Aleppo und Berlin: „Die Welt hat zusehen müssen, wie die Bomben in Aleppo gewütet haben und tausendfachen Tod, Elend und Zerstörung gebracht haben – und es gab kein Einhalten. Der Terroranschlag neben der Gedächtniskirche in Berlin hat uns gezeigt, dass Gewalt und Hass bis in unsere Städte, bis in unsere Feste und Zusammenkünfte hineingetragen werden – und es gibt keinen vor Terror geschützten Raum mehr.“

Angst und Enge hätten viele Menschen gepackt: Angst vor Gewalt und Terror, Angst vor Fremdem und Überfremdung, Angst vor Verlust der eigenen Identität, Angst vor dem Verlust des Besitzstandes. „Und diese Angst macht es eng im Denken und im Tun auch: Da werden Sündenböcke gesucht und gefunden – einzelne und Gruppen; da fordert man hemmungslos Ausgrenzung und Abschottung: Reaktionen der Angst und der Enge“, sagte der rheinische Präses weiter.

„Eine Einladung, auf Gottes Güte zu vertrauen“

„Doch über diese Ängste hinwegzugehen hilft nicht, zumal wir ja auch selbst die Enge spüren und mit den Trauernden leiden. Wir teilen die Unsicherheit der Bedrohten. Aber wir werden diese Ängste nicht bedienen. Sie sollen uns in unserem Handeln nicht bestimmen und erst recht nicht lähmen. Sondern wir trauen dem Gott des Lebens viel zu: Ich werde nicht sterben, sondern leben“, sagte Rekowski mit Bezug auf einen Vers aus dem 118. Psalm. Dieser Psalm – „Luthers Lieblingspsalm“, so der Präses – lade ein, „auf Gottes Güte, Lebenswillen und Lebenskraft zu vertrauen, die Angst in Weite, Böses in Gutes, Tod in Leben verwandeln kann“.

Dieses Vertrauen bestimmt für Präses Rekowski auch christliches Handeln: „Gewalt nicht mit Gegengewalt beantworten, das überraschende Angebot der Gewaltlosigkeit wagen, die Grenzen nicht aus Furcht dicht machen, der Hilfsbereitschaft der Menschen etwas zutrauen, gerecht teilen, weil genug für alle da ist. ,Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen.‘

Das ist unsere Mission!“ Mit dabei waren neben dem rheinischen Präses und der (katholischen) NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft auch Pfarrerin Karen Wilson (Brüdergemeine Neuwied), Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck (römisch-katholisches Bistum Essen), Bischof Dr. Matthias Ring (alt-katholisches Bistum in Deutschland) Erzpriester Radu Constantin Miron (Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland) und Superintendent Dr. Rainer Bath (Evangelisch-methodistische Kirche, Distrikt Essen). Auch musikalisch gab es eine Besonderheit: Erstmals sang die Synodalgemeinde das Psalmgedicht „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“ von Hanns Dieter Hüsch. Kirchenmusiker Christoph Spengler vertonte den Text des niederrheinischen Kabarettisten als Gemeindelied. Die Psalmüberschrift ist das Motto der Evangelischen Kirche im Rheinland für das Reformationsjubiläumsjahr 2017. Neben Spengler am Klavier gestalteten Mirjam Geiler (Gesang), Anja Spengler (Gesang), Fabian Gsell (Gesang und Schlagzeug) sowie das Bläserensemble Buccinate Deo im Posaunenwerk der rheinischen Kirche unter der Leitung von Stephan Schmitz und Landeskirchenmusikdirektor Ulrich Cyganek (Orgel) den Gottesdienst musikalisch.

Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck und Hannelore Kraft, Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen. Foto: FIX

Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck und Hannelore Kraft, Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen. Foto: FIX

Zahlreiche Ehrengäste versammelten sich in der Martin-Luther-Kirche.

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