Allgemeine Berichte | 18.04.2023

Im Arp Museum kommt es zu einer wunderbaren Begegnung der Sammlung Kremer trifft Sammlung Rau„

„Goldene Zeiten der holländischen Malerei“

Star der Ausstellung: Rembrandt-Gemälde „Büste eines alten Mannes mit Turban“,1627-28.  Foto: The Kremer Collection

Remagen. Ein alter Mann mit Turban führt in der neuen Ausstellung der Kunstkammer Rau die Auswahl der Besten an. Kein Geringerer als Rembrandt hat ihn in Öl auf Eichenholz gebannt. Das frühe Gemälde eines der berühmtesten Künstler aller Zeiten ist Teil der Präsentation „Goldene Zeiten der holländischen Malerei - Sammlung Kremer trifft Sammlung Rau“. Darin werden bedeutende Werke der niederländischen Barockmalerei ausgebreitet von Rembrandt van Rijn, Hendrik ter Brugghen, Frans Hals, Judith Leyster bis zu Gerrit Dou .

Das „Goldene Zeitalter“ erstreckt sich in etwa auf das 17. Jahrhundert, eine Epoche wirtschaftlichen und kulturellen Reichtums, da die Niederlande als Seemacht zu einer blühenden Handelsnation aufgestiegen waren. Rund 700 Maler schufen damals dort Millionen von Bildern. Diese hingen nicht nur bei den Handelsherren, sondern auch in den Häusern der Handwerker. Nicht nur das Tulpenfieber erfasste die Niederländer, auch das Bilderfieber suchte sie heim.

Ein enormes Themenspektrum setzten diese alten Meister der Feinmalerei in Szene, Landschaften und Stillleben, Menschen und Mythen sowie Religiöses und den Alltag. Die Sammler, Gustav Rau, dessen Leihgaben dem Arp Museum bis 2026 zur Verfügung stehen, ebenso wie Illone und George Kremer, die 34 ihrer 93 Werke umfassenden Sammlung flämischer und niederländischer Malerei des 17. Jahrhunderts in die neue Ausstellung einspeisen, verbindet die Leidenschaft für diese erzählenden Bilder.

Illone Kremer bekannte, „ich habe geweint, als ich die Bilder hier vereint sah“. Beim Rundgang ging ihr Dank an Dr. Susanne Blöcker, die kenntnisreich und mit Gefühl 16 Sammlungsstücke von Rau mit den 34 der Kremer Collection in Dialog setzte.

Zwei hervorragende Privatsammlungen treffen zusammen, wie bereits der Eingangsraum verdeutlicht, der Sammlern und Künstlern gewidmet ist. Michiel Sweers malte 1650 „Das Atelier“ eines Malers, im Vordergrund lauter antiken Gipsen als Motivvorlage. Den Malerberuf rückt auch ein unbekannter Rembrandtschüler in den Fokus, während Jan Siberechts „Das Kabinett eines Kunstliebhabers“ zeigt, der sich mit der Ehefrau neue Bilder vorführen lässt. Gleich daneben hängt passenderweise ein Foto, auf dem das Ehepaar Kremer unter einem Gemälde sitzt. Man kann sich zudem in das wunderbare Selbstbildnis Gerrit Dous vertiefen, auch in den frühen Rembrandt. In diesem Bereich sind zudem das sensibel porträtierte scheue Hausmädchen von Michiel Sweers zu bewundern oder als Gegenstück, Caesar Pietersz van Everdingens „Junge Bäuerin mit schwarzem Hut am Zaun“ und tiefem Dekolletee.

„Über die Schönheit der Natur“ lautet das Motto für den sich linker Hand öffnenden Raum. Diese Schönheit wird festgehalten mit Landschaften und auch durch einen durch die Lüfte fliegenden Adler mit Schwalbe, Schnepfe und Fink (Melchior d’Hondecoeter). Im Kleinen lockt die Natur im Stillleben, so das extrem seltene Exemplar Judith Leysters oder ein vortreffliches, Frische suggerierendes Früchteensemble mit halb geschälter Zitrone des Künstlers Cornelis de Heem.

Rechts öffnet sich ein Bereich über „Die Macht der Geschichte. Historien aus Alltag, Bibel und Antike“. Wenn Gerrit von Honthorst meisterlich eine alte Frau darstellt, wie sie eine Münze vor einer Laterne prüft, dann geht es um die Habsucht, eine der sieben Todsünden. Dessen ungeachtet erweist sich der Maler als fabelhafter Dompteur des Lichts. Er zählt zu den Utrechter Caravaggisten. Ein anderer Vertreter, Hendrick ter Brugghen, beleuchtet schlaglichtartig den „Tricktrackspieler“. Biblisches und Menschliches sind keine getrennten Bereiche. Der Betrachter will emotional gepackt sein. Darauf verstehen sich die Künstler. „Maria mit dem Jesuskind, Johannes der Täufer als Knaben und dem Erzengel Michael“ des Malers Ferdinand Bol vereint in vollendeter Form höchst symbolträchtige religiöse Inhalte mit zutiefst berührender Mütterlichkeit, in der sich das zum Engel hin gewendete Kind vollkommen sicher fühlt. Die Ausstellung, zu der ein Katalog erschienen ist, hat bis 20. August geöffnet: Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen 11 bis 18 Uhr.

HG

Star der Ausstellung: Rembrandt-Gemälde „Büste eines alten Mannes mit Turban“,1627-28. Foto: The Kremer Collection

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