Emser Karnevalsgesellschaft präsentierte Sitzung in Rekordlänge
Grandioses Programm riss das Publikum von den Stühlen
Weiterer Superlativ: Mehr als 100 Aktive zum Einmarsch des Prinzenpaares auf der Bühne
Bad Ems. Das hat der altehrwürdige Theatersaal auch noch nicht erlebt: Mehr als 100 Aktive marschierten mit dem Prinzenpaar Felix und Alexandra unter tosendem Applaus zur großen närrischen Sitzung am vergangenen Samstagabend. Eine nicht enden wollende Karawane begleitete die beiden Repräsentanten des Kurstadt-Karnevals zum Heimspiel im ausverkauften Saal. Das Motto der närrischen Sitzung könnte in diesem Jahr eigentlich, wie von mancher Metzgertheke vertraut, „Darf`s auch ein bisschen mehr sein?“ lauten.
„So viele Aktive hatten wir noch nie auf einen Schlag auf der Bühne“, freute sich EKG-Präsident Frank Ackermann, der gewohnt souverän und unterhaltsam durch den Abend führte. Und auch der war, so viel sei schon an dieser Stelle verraten rekordverdächtig lang – gute sechseinhalb Stunden dauerte das Programm mit echten „Knallern“ bis zum gefühlt fünften Finale. Doch zurück zum Beginn des Abends: Nach dem schon traditionellen Empfang des Prinzenpaares startete die eigentliche Sitzung karnevalsitisch pünktlich um 19.11 Uhr mit Pauken und Trompeten. Die Nachwuchsgarden der EKG eröffneten den Abend, bevor die Roten Husaren aus Bad Ems die Karawane zum Einzug der Majestäten anführten. Prinz Felix I. mit der flinken Schere und Prinzessin Alexandra I. mit den tanzenden Schuhen hatten diesmal aber nicht „nur“ Eigengewächse der (Bad) Emser Karnevalsgesellschaft EKG, die Elferräte und den Hofstaat mit aufgeboten, die befreundete Schlossgarde Montabaur sorgte für die endgültig überquellende Bühne. Natürlich stand der Saal spätestens beim Kampagnen-Hit „Fastnachtsdiamanten“ mit Felix und Alexandra sowie Pagin Sarah-Lisa Ziob und Hofkanzler Frank Spiegel.
Nach den ersten Programmpunkten mussten Prinzenpaar und Hofstaat ihren „Verpflichtungen“ nachkommen, Kurzbesuche der Sitzungen in Fachbach und Bendorf beim karnevalistischen Herkunftsverein der Prinzessin – sie tanzt dort seit 16 Jahren – standen an. Die Abwesenheit des Regentenpaars tat der Stimmung im Saal allerdings keinen Abbruch, ein Highlight folgte hier dem nächsten.
Gardetanzgruppen sorgten für die ersten Highlights
Tanzdarbietungen bestimmten den ersten Teil des Abends. Der Schlossgarde Mons Tabor folgten die EKG-Viktoriagarde sowie gleich fünf „Solos“ aus Show- und Gardetanz mit Joanna Richter, Annika Gotzen, Julia Schmidt, Jacqueline Schaust und Ann-Kathrin Schowtjak. Mit „Feuer und Eis“ hatten auch die Jüngsten der EKG schon ihren zweiten Auftritt im Programm und spätestens die Showtanzformation der EKG „New Generation of Dufty Movies“, riss mit einer spektakulären Nummer im altägyptischen Stil die Gäste von den Stühlen. Einige der Tänzerinnen hatten dabei in den unterschiedlichen Zusammensetzungen gleich mehrere Auftritte und damit ein echt anspruchsvolles Programm zu absolvieren. Dass zum Beispiel eine Zerrung beim Aufwärmen den Auftritt erschwerte, bekamen indes nur Eingeweihte mit – das Publikum dankte mit „Standing Ovations“.
Redner begeisterten mit frechem Wortwitz
Im zweiten Teil des Programms sorgten Rede- und Gesangsdarbietungen für Unterhaltung, Lachsalven und zum Schluss sogar dafür, dass sich die Bühne spontan in einen Tanzboden verwandelte. Aus Koblenz sorgten Jupp und Juppchen (Harald Hünerfeld und Thomas Nobel) mit herrlich Zweideutigem für Lacher; das Mauerblümchen-Damenquintett parodierte unter anderem Helene Fischer, Bauhofmitarbeiter Jupp Schmitz bewies Zivilcourage und Anja Hewer begeisterte als „Braut aus dem Westerwald“ mit Sprachwitz. Ein echtes Pfund, nicht nur karnevalistisch gesehen, war der Lahnsteiner Karl Krämer. Seine Predigt gefolgt vom obligatorischen „Fleischworscht“-Song ist Kult auf den Veranstaltungen der Region. Krämer schaffte es, im Handumdrehen den Saal „auf links“ zu drehen.
Das hohe Level hielt Bauchredner Werner mit dem (komischen) Vogel Dodo, ganz besonders, als er Stadtbürgermeister Berny Abt ins Säuglingsalter zurückversetzte und einen beeindruckenden Dialog mit diesem als „Handpuppe“ auf der einen Seite und Ex-EKG-Präsident Uwe Schüler auf der anderen Seite zelebrierte.
Doch auch Verbandsgemeindebürgermeister Josef Oster musste noch aktiv auf der Bühne mitwirken, Ellen Obier glaubte, in ihm die ideale Besetzung für einen brasilianischen Tanzpartner gefunden zu haben. Über das Ergebnis soll es unterschiedliche Meinungen gegeben haben. Allerdings nicht über Ellen Obiers Darbietung – da hätte das Publikum gerne auch noch zehn bis 15 weitere Zugaben mitgenommen. Obier parodierte stimmgewaltig mit minimalistischer Kostümierung Showgrößen wie Lady Gaga oder „dat Schakiera“, aber auch Tina Turner und sogar Caterina Valente begeisterten auf der Kurtheater-Bühne.
Tanzendes Publikum eroberte die Bühne
Spätestens bei Schlagersänger Timo Ehmann entglitt der Zeitplan des Abends völlig – dem Publikum war das aber mehr als recht. Ehmann zündete eine Stimmungsrakete nach der anderen, spontan „schwoften“ zahlreiche Tanzpaare zunächst vor und schließlich auf der Bühne, Prinz Felix führte eine Polonaise an, und teilweise schien schon zu diesem Zeitpunkt das Publikum gleichmäßig auf Saal und Bühne aufgeteilt, die Stimmung war kaum zu toppen. „Eigengewächs“ Julia Schmidt, als Solotanzmariechen und Teil der Showtanzgruppe sowieso schon reichlich ins Programm eingespannt, griff für „ihren Verein“ nochmals zum Mikro und zeigte, dass bei „The Voice of Germany“ nicht immer richtige Entscheidungen getroffen werden, sonst hätte die Nievernerin ja bei ihrer Teilnahme mindestens im Finale landen müssen.
Nach rund sechseinhalb Stunden endete die Sitzung der Superlative. Präsident Frank Ackermann lud zum (letzten) Finale alle noch anwesenden Aktiven auf die Bühne, einige mussten aufgrund der kurzen Session noch zu weiteren Terminen, und beendete „die wohl längste Sitzung in der Geschichte der EKG“ notgedrungen – allerdings, so berichten Insider, wurde in zahlreichen Gaststätten der Kurstadt nach Schließung des Kurtheaters noch bis annähernd zum Sonnenaufgang gefeiert. Und das, obwohl um 11.11 Uhr mit der Stürmung des Rathauses der nächste Termin für die Aktiven anstand – aber das ist eine andere Geschichte.
/Willi Willig
