„Shakespeare mittendrin“ zur Eröffnung der Festspiele am Rheinblick
Großes Sommertheater auf kleiner Bühne
Bendorf. „Shakespeare mittendrin“ heißt das neue Theaterstück, das die in England lebende Autorin Silke Dutz eigens für die „Festspiele am Rheinblick“ in Bendorf geschrieben hat. Mit diesem Stück, das neben der Premiere auch am 20., 26. und 28. August sowie am 2. September aufgeführt wird, leistet das Kulturforum der GGH Bendorf e.V. seinen Beitrag zum rheinland-pfälzischen Kultursommer, der das besondere Shakespeare Jubiläum zum Motto erklärte.
Der Platz vor der Bühne war mit rund 130 Personen restlos ausverkauft. Pascal Badziong, Pressesprecher des Kulturforums erzählte: „Wir hätten locker die dreifache Anzahl an Karten für die Premiere verkaufen können, aber der Platz in der historischen Kulisse der Eisenerzröstöfen ist leider begrenzt.“
Vor Beginn der Veranstaltung begrüßte Vorstandsmitglied Alexandra Menge die Zuschauer und freute sich besonders, viele bekannte Persönlichkeiten zu der Premiere begrüßen zu können, darunter Bürgermeister Michael Kessler und die Beigeordneten der Stadt Gabriele Zils und Bernhard Wiemer.
Nicht nur die Spielstätte, eingebettet in die Kulisse der unter Denkmalschutz stehenden Eisenerzröstöfen, entfaltet ihren eigenen Charakter und zieht damit die Besucher in ihren Bann. Vor dem Premierenpublikum zeigte das Schauspielensemble „Die Findlinge“ neun unterschiedlichste Charakterrollen, die allesamt zu überzeugen wussten und ihren Rollen mit ausdrucksstarkem Spiel zu Authentizität verhalfen.
Auf der Bühne erlebten die Zuschauer sechs junge Bewohner einer illustren Wohngemeinschaft. Die Studenten können eines Abends dem Spiel mit dem Ouija-Board, auch Hexenbrett genannt, nicht widerstehen und plötzlich taucht der Gast aus dem elisabethanischen Zeitalter auf: William Shakespeare! Er platzt in das ohnehin schon spannungsgeladene Beziehungsgeflecht.
Schauspielerin Jennifer Paulus, die als neue Bewohnerin in der Rolle der Sibylle schnell den Ruf der Romantikerin der WG eingenommen hat, trifft unter anderem auf den äußerst rational und karriereorientierten angehenden Juristen Constantin, gespielt von Benjamin Schumann. Auch die Rolle des Architekturstudenten Linus, gespielt von Dominik Hoepfner, eine Mischung aus Frohnatur und naivem Optimisten, gefällt dem Publikum und unterscheidet sich stark von den anderen Mitbewohnern Friederike und Pauline.
Daniela Goeth als Friederike ist als angehende Medien- und Filmwissenschaftlern taff und ehrgeizig, während die von Tina Esch verkörperte Latein-Studentin Pauline das Leben der illustren Wohngemeinschaft mit einem Hauch von Ordnungszwang organisiert und damit nicht nur den tageslichtscheuen Programmierer und Werbetexter Mats (Florian Deussen) zur Weißglut bringt. Als dann noch die schrill dominante Helene (Christiane Brühl) ihren Besuch ankündigt, um nach dem Wohle des Töchterleins zu schauen, treffen verschiedene Ansichten aufeinander und der aus dem Jahrhundert gefallene Shakespeare (Richard Ellis) macht das Chaos perfekt.
Der Mann mit dem Lippenbärtchen und der Halbglatze ist ein Dauerbrenner der Weltliteratur. Seine Verse lässt Schauspieler und Regisseur Stefan Bau als „Shakespeares literarischer Geist“ gekonnt einfließen und verwebt das turbulente Spielgeschehen geschickt mit historischen Versen aus der Feder des Altmeisters.
Baus Regieansatz schärft die Profile und lässt damit den Jahrhundert-Unterschied im Gegensatz zu Shakespeare urkomisch werden. Damit sorgt er für lachende Mienen und später langanhaltenden Applaus. Alice Schmitz und Christiane Brühl tragen mit der Regieassistenz zu einem Sommermärchen bei, an dem auch Shakespeare seine Freude gehabt hätte.
Die kreative Baukasten-Bühnenbildlösung von Renate Steinkamp ist so praktisch wie dezent und macht aus dem alten Gemäuer der Röstöfen einen Mitspieler.
Richard Ellis als „Shakespeare“.
Alexandra Menge und Pascal Badziong, Organisatoren der Festspiele.
Die sechs Studenten unterscheiden sich nicht nur in ihrer Studienwahl.
Shakespeare (Richard Ellis) und sein literarischer Geist (Stefan Bau).
Der Regisseur Stefan Bau mit Daniele Goeth, die die „Friederike“ spielt.
„Shakespeares literarischer Geist“ lässt Verse des Meisters einfließen.
„Mats“ spielt mit dem magischen Ouija-Board. Fotos: -GM-
Der Besucherraum war bis auf den letzten Platz gefüllt.
„Pauline“ und „Sibylle“ vor dem Bühnenbild nach Baukasten-Prinzip.
Die Studenten sind geschockt, als Shakespeare vor ihnen erscheint.
