Gut gebügelt, ist halb genäht
Also nicht, dass Ihr mich falsch versteht! Ich stehe weiß Gott nicht auf Schlager und auf den Christian Anders, nee, also beim besten Willen schon mal gar nicht. Den fand ich immer schon total weichgespült. Aber er hatte ja in den 70ern diesen Hit „Es fährt ein Zug nach nirgendwo“. Und Ihr ahnt? Richtig. Ich saß dieser Tage genau in diesem Zug nach nirgendwo bzw. ich wartete auf ihn und wartete und wartete. Natürlich hatte die Verspätung gute Gründe. Und die waren klein, weiß und kalt. Schnee! Fallen drei Schneeflöckchen, fällt bei der Bahn auch alles. Nämlich aus. Verstehen muss ich das nicht, zumal sich bei uns ja kein einziges Eiskristall gezeigt hat. Aber im Norden, also hinter Köln. Und weiß der Kuckuck warum, was meine Regionalbahn damit zu tun hatte!? Sei’s drum, ich richte mich halt danach und gut ist. Macht ja auch Spaß. Dann backe ich Muffins, mach mir ne große Thermoskanne Kaffee voll und packe ne Flasche Wein und Plastikbecher ein. Man weiß schließlich weder, wen man da beim Warten auf den nächsten Zug auf dem Bahnsteig so alles antrifft, noch wie lange die ganze Nummer überhaupt dauert. Von daher überlasse ich natürlich nichts dem Zufall. Schließlich will ich auch ne gute Figur machen. Entsprechend kreuze ich bei einstelligen Außentemperaturen grundsätzlich nur mit Louis-Vuitton-Täschchen, Sansibar-Jacke und Gaastra-Stiefeln auf. Soll ja was hermachen. Ich lasse mir Mister Perfect auf Gleis 2 doch nicht wegen solchen Kleinigkeiten entgehen!
Und Kinder, da stehen Sahneschnittchen, sag ich Euch! Die beste Auswahl hat man zu den Stoßzeiten, also so vor acht und nach vier, wenn Büroschluss ist. Dann stehen sie da entlang des Bahnsteigs wie die Perlen auf der Schnur. Einer neben dem anderen. Unten dunkle Anzugshose und schicke Business-Latschen, oben edler Caban. Lecker, sag ich Euch! Die Kerlchen sieht man allerdings nur bei richtig viel Schnee, sonst fahren die nämlich im eigenen Auto. Aber gut gebügelt, ist halb genäht – bzw. Vorbereitung ist alles. Natürlich bin ich auch für denn Fall vorbereitet, dass nix in mein Beuteschema passt. Da bleibt dann immerhin noch die Möglichkeit für einen netten Plausch am Bahnsteig. Insofern war das gar nicht schlimm, dass mein Zug nach nirgendwo fuhr. Geht in erster Linie ja nicht ums Ankommen. Geht ums sehen. Und gesehen werden! Und das klappt im Winter mit und ohne bei Schnee ganz wunderbar!
Hab es gut,
Eure Karla
