Allgemeine Berichte | 28.04.2020, 12:38 Uhr

Neuigkeiten von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

H-BRS gewinnt „Eine Uni – ein Buch 2020“

Sankt Augustin. Die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) hat im Wettbewerb „Eine Uni – ein Buch“ des Stifterverbandes und der Klaus-Tschira-Stiftung gewonnen. Damit wird es möglich, mit allen Hochschulangehörigen „Verzeichnis einiger Verluste“ von Judith Schalansky nicht nur in verschiedenen Formaten zu lesen, sondern diesem Werk in einer Reihe von Veranstaltungskonzepten in besonderer Weise zu begegnen. Die H-BRS ist damit eine von zehn prämierten Hochschulen und erhält eine Förderung von 10.000 Euro für die Umsetzung ihres Projekts. Eine Jury mit Vertretern aus Kultur, Wissenschaft und Zivilgesellschaft hatte alle Einreichungen begutachtet.

„Eine Uni – ein Buch“ soll an der H-BRS als Werkschau in dreierlei Hinsicht realisiert werden: durch die Einrichtung einer praktisch orientierten Poetikdozentur für Judith Schalansky an der Hochschule, eine Lesetour durch alle Fachbereiche und die Verwaltung inklusive entsprechender Gespräche über das Buch sowie durch eine szenographische Ausstellung, die illustrative und collagierende Verfahren sowie filmische und virtuelle Optionen der Begegnung mit Schalanskys Werk auf medienexperimentelle Weise eröffnen wird. Diese Animationen sollen in offenen Workshops und auch in Seminaren des „videoLABs“ der Hochschule entstehen.

Diese Durchdringung der ganzen Hochschule ist die Idee hinter dem Wettbewerb „Eine Uni – ein Buch“: Alle Mitglieder der Hochschule tauschen sich in all ihrer Vielfalt über ein gemeinsames Thema oder Anliegen aus.

Judith Schalanskys Buch „Verzeichnis einiger Verluste“ dürfte in besonderer Weise geeignet sein, denn die 1980 geborene Graphikdesignerin und Autorin erzählt von etwas, das wir alle kennen: vom Suchen und Finden, vom Verlieren und Gewinnen. Sie durchstöberte dabei die Weltgeschichte nach verlorenen Dingen, von denen manchmal immerhin ein Echo oder eine verwischte Spur geblieben sind. Die Leerstellen ihrer eigenen Kindheit in der DDR thematisiert sie ebenso.

Die Idee hinter dem Vorhaben

„Hintergrund unserer Idee ist dasjenige, was die Philosophie ‚Poiesis‘ nennt, was oftmals Handeln mit einem bestimmten Zweck meint“, erklärt Professor Dr. Oliver Ruf, der das nun ausgezeichnete Projekt gemeinsam mit Susanne Kundmüller-Bianchini, stellvertretende Leiterin der Hochschul- und Kreisbibliothek, initiiert hat. Dabei stehe der Begriff der „Poiesis“ stellvertretend dafür, etwas zu produzieren – beispielsweise ein materielles Objekt, das zu etwas gebraucht werden soll, und damit bezeichne dieser auch die Ausrichtung jener Hochschulen, die sich als anwendungsorientiert verstehen und die Entstehung eines Werkes adressieren. „Diese programmatische Bestimmung einer poietisch orientierten Hochschulform soll genutzt werden, um die Ergründung, Umsetzung und Machbarkeit eines spezifischen Werkes im Spannungsfeld von Analyse, Tun und Reflexion zu diskutieren“, so Ruf.

Judith Schalanskys „Verzeichnis einiger Verluste“ bildet diese Idee einer Poiesis des Wissens ab, da damit verdeutlicht werden kann, wie durch die Beschäftigung mit einem Gegenstand eine Wirklichkeit zu erschaffen beziehungsweise zu erschließen ist. „Verstehen“ als Ziel von Wissenschaft erscheint hier einmal mehr als Bearbeitungsprozess: Das Buch ist sowohl in der erzählerischen Anlage als auch in der materiellen Erscheinung die Einlösung des Prinzips von Poiesis schlechthin. Indem hier sowohl das Verschwinden als auch das buchstäbliche Bewahren von Dingen imaginiert werden, geht es darum, wie Wissen gesucht, gefunden und weiterverwendet werden kann. „Nicht zuletzt kann so auch auf die Auflösung Bonns als Bundeshauptstadt hingewiesen werden, wodurch vor 25 Jahren die H-BRS überhaupt erst entstanden ist“, so Kundmüller-Bianchini. In der herausragenden ästhetischen Anlage sei dieses Buch schließlich prädestiniert, um den Wert des Mediums Buch als Faktor der Anwend- und Umsetzbarkeit von Wissen zu bedenken.

Dokumentation des Projekts

Nach Abschluss der Veranstaltungen soll schließlich innerhalb des „MediaAestheticsLab“ (MAEL), das Professor Ruf derzeit gründet, ein Werkkatalog erarbeitet werden, der die Formate nach außen dokumentiert. Dadurch soll zudem demonstriert werden, dass Literatur und das Medium Buch zukünftig an der H-BRS in deren Anwendungsorientierung weiter zu etablieren sind, um damit das Gemeinsame und Verbindende aller Teile der Hochschule wirkungsvoll zu unterstreichen.

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