Allgemeine Berichte | 13.04.2016

Das Veterinäramt appelliert:

Hände weg von jungen Wildtieren!

Rhein-Sieg-Kreis. Mit weichem Fell und süßen Knopfaugen sitzen sie jetzt in den Wiesen: Hasenbabys oder auch junge Rehkitze, die erst vor wenigen Tagen oder Wochen das Licht der Welt erblickt haben. Nicht selten erwecken sie so den Anschein, allein und völlig verlassen auf weiter Flur zu sein. Was für viele Menschen ein eindeutiges Indiz zu sein scheint, dass der Wildtiernachwuchs dringend Hilfe benötigt, ist aber in nahezu allen Fällen eine Fehleinschätzung!

„Junge Wildtiere wie Jungvögel, Junghasen, Rehkitze, Igel oder auch Jungfüchse sind in den allermeisten Fällen keineswegs verlassen oder hilflos und benötigen auch keine menschliche Hilfe“, erläutert Dr. Klaus Mann, Leiter der Abteilung Tiergesundheit im Kreisveterinäramt. „Es ist in der Natur völlig normal, dass Elterntiere ihre Jungen kurzzeitig allein zurücklassen – zum Beispiel um Nahrung zu beschaffen.“

Jungtiere bleiben dann, nicht selten dicht an den Boden gedrückt, liegen, bis die Eltern zurückkehren. Junge, oft schon weitgehend befiederte Vögel wiederum geben ihren Eltern ihre Position natürlicherweise durch lautstarkes Rufen kund. Auch diese Jungvögel brauchen trotz vermeintlicher „Hilfeschreie“ keine Unterstützung, sondern sind durch „Mama und Papa“ bestens versorgt.

Wer sich entschließt, vermeintlich hilflose Jungtiere zu „retten“, riskiert dramatische Folgen: „Wer den Wildnachwuchs aus falsch verstandener Tierliebe mitnimmt, bringt ihn hierdurch möglicherweise in Lebensgefahr, setzt die Tiere aber auf jeden Fall erheblichen Leiden und großem Stress aus. Denn fast niemand ist in der Lage, die elterliche Fürsorge und den natürlichen Lebensraum der Tiere angemessen zu ersetzen“, warnt Dr. Klaus Mann eindringlich. Infolge der enormen Stressbelastung durch die Gefangenschaft in fremder Umgebung, durch die Trennung von Eltern und Geschwistertieren sowie durch mangelhafte oder falsche Versorgung sterben viele dieser Tiere einen qualvollen Tod.

Schon das bloße Anfassen solcher Jungtiere kann dazu führen, dass sie von ihren Eltern wegen des anhaftenden menschlichen Geruchs nicht wieder angenommen werden und dann tatsächlich auf den Menschen angewiesen sind. Und das ein Leben lang: „Vom Menschen aufgezogene Wildtiere lassen sich kaum jemals erfolgreich auswildern und sind daher zeit ihres Lebens auf Versorgung angewiesen“, betont Dr. Klaus Mann.

Hilfe durch den Menschen ist nur dann gerechtfertigt, wenn junge Wildtiere offensichtlich verletzt aufgefunden werden. „Handeln sie in solchen Fällen aber bitte keinesfalls spontan, sondern holen sie sich immer fachkundiger Rat ein. Tipps zum richtigen Verhalten erhalten sie zum Beispiel beim Veterinäramt, dem nächstgelegenen Tierarzt, dem Jagdpächter oder dem Forstamt“, empfiehlt Dr. Klaus Mann und appelliert: „Bei unverletzt aufgefundenen Jungtieren aber gilt immer: Hände weg und möglichst zügig weitergehen, damit die Eltern sich schnell wieder um die Versorgung ihrer Schützlinge kümmern können.“

Pressemitteilung des

Rhein-Sieg-Kreises

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