Sehrschule der Bürgerinitiative „lebenswerte Stadt“
Häuser „gelesen“
Ahrweiler. Wenn die Bürgerinitiative „lebenswerte Stadt“ Sehschulen ansetzt, dann geht es nur am Rande um Historie und Histörchen. Jeder Blick in die Geschichte, so das Credo der BI, braucht auch eine konstruktive Auseinandersetzung und Erkenntnisse für Stadtgestaltung heute. „Denn,“ so das Leitungsteam, „wir wollen ja für die Schönheit unser Heimat sensibilisieren und dazu ermutigen, kompetent mitzugestalten!“
Das erfuhren nun auch die über 60 Interessierten der Sehschule „Walporzheimer Straße“. Der Referent des Abends, Karl Heinen, präsentierte nämlich nicht nur eine Beschreibung der Häuser und ihre Geschichte, sondern diskutierte auch eine fachgerechte Gestaltung der Anwesen heute.
Im begleitenden Skript für die TeilnehmerInnen wurden dafür sogar Varianten abgedruckt, wie die Häuser mit baukulturell korrekten Fenstern, nach Rückbau später angefügter Elemente oder mit einfachen Ergänzungen wieder ihr altes Gesicht erhalten könnten. 25 Anwesen unterschiedlicher Epochen und in unterschiedlichem Zustand wurden von der großen Truppe der Interessierten wohlwollend in Augenschein genommen und diskutiert. Auch für die, die die Straße gut kennen, war die intensive Auseinandersetzung mit den Bauten etwas Neues. Die häufig aufwendige und fantasievolle Gestaltung der Fassaden wurde bewundernd zur Kenntnis genommen, die Grundhaltung der Bauherren, ihren Ort bereichern zu wollen, gelobt: „Mir scheint“, so eine Teilnehmerin, „früher war einfach nicht die Rendite ausschlaggebend, sondern die Frage, wie ich meine Heimat verschönern und die anderen Bürger beschenken kann.“ Schlusspunkt bildete ein geselliger Umtrunk mit Blick auf die schlossartige Anlage der alten „Lehr- und Versuchsanstalt“, die zu einem späteren Zeitpunkt gesondert besichtigt werden soll.
Mit den Sehschulen, die zu den unterschiedlichsten Themen durchgeführt werden, und an der in der Regel 40 bis 100 TeilnehmerInnen zusammenkommen, möchte die BI den „Blick schulen“, die Wahrnehmung schärfen.
„Fassaden kann man lesen!“, so Karl Heinen, „In ihnen ist der Zeitgeist ihrer Entstehungszeit in Stein gegossen – und den gilt es wiederzuentdecken und in unsere Tage zu übersetzen.“ So kann etwas harmonisch wachsen und Neues stimmig entstehen. So wird etwas „rund“ und ansprechend.
Die Bürgerinitiative setzt sich für eine behutsame Stadtentwicklung ein, die das Alte wertschätzt und das Neue gut eingefügt wissen möchte. In einer Ausstellung zum Tag des Offenen Denkmals beschäftigt sie sich mit der Neugestaltung der Neuenahrer Kurparkanlagen (Konzert- und Trinkhallen, Wandelgang und Kolonnaden). Wie kann das Herz der Badestadt gut gestaltet werden?
Gezeigt werden von Samstag, 9. September, 11 Uhr bis Sonntag, 17. September 18 Uhr gelungene Beispiele aus anderen Orten, die an wichtigen Plätzen Gebäude umwidmeten, umgestalteten und neu bauten. Begleitet wird die Ausstellung durch zwei fulminante Vorträge am 9. September: um 14:30 Uhr durch Andreas Denk, Architekturhistoriker: Wie kann Neugestaltung gelingen? Grundprinzipien und Denkanstöße; um 16 Uhr Dominik Jörg, Architekt, Auseinandersetzung mit den Kurparkanlagen – was geht? Erhalt, Ergänzungen, Neugestaltungen.
