Bürgerwerkstatt Rheinbach gestalten
„Haus am Römerkanal“ soll zum Quartierzentrum entwickelt werden
Katharina Wilhelm soll das Projekt kontinuierlich voranbringen - Erste Gedanken wurden gesammelt
Rheinbach. Das Evangelische Altenzentrum „Haus am Römerkanal“ in Rheinbach soll zu einem Nachbarschaftszentrum entwickelt werden und als Mittelpunkt des Quartiers eine noch größere Bedeutung für das Umfeld bekommen. Es soll ein Ort entstehen, der die Menschen in Rheinbach in ihren verschiedenen Lebenssituationen mit auf den Weg nimmt und einen Beitrag leistet gegen das Verschwinden sozialer Netze. Deshalb arbeitet seit August 2017 die Quartiersentwicklerin Katharina Wilhelm im „Haus am Römerkanal“, sie soll dieses Projekt kontinuierlich voranbringen, die „Stiftung Wohlfahrtspflege“ hat das Projekt für drei Jahre finanziert. In einer gut besuchten „Bürgerwerkstatt Rheinbach gestalten“ wurde jetzt auch die Rheinbacher Bevölkerung in das Thema mit einbezogen. Drei Stunden lang diskutierten gut 50 Rheinbacher Bürger darüber, was ein gutes und lebenswertes Quartier eigentlich ausmacht und was getan werden kann, um dies in Rheinbach zu erreichen. „Wir sind ein fester Bestandteil von Rheinbach und daran interessiert, die hohe Qualität des Lebensumfelds zu erhalten“, so Pflegedienstleiterin Anja Schmitz. Dazu gehöre es auch, die Türen des Altenzentrums noch mehr als bisher schon zu öffnen und jedem Bürger zu ermöglichen, hereinzukommen und Unterstützung bei seinen Problemen zu finden. Bürgermeister Stefan Raetz nahm ebenfalls an der Bürgerwerkstatt teil und freut sich, dass es dabei die Möglichkeit gebe, mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen und die Frage zu klären, wie mit den Herausforderungen der heutigen Zeit umgegangen werden könne. „Wo können wir besser werden, wie können wir das Vorhandene bewahren und wie die Wünsche der Bürger umsetzen? Dafür ist es wichtig, die Basis zu hören“, sagte er. Er begrüße den Wunsch des Seniorenzentrums, sich stärker in die Gemeinde hinein zu öffnen und versprach, die Ergebnisse der Bürgerwerkstatt würden Einfluss auf die Stadtpolitik erlangen. Wenn er wisse, was die Bevölkerung wolle, könne er daraufhin auch passgenau Projekte initiieren. Bemängelt wurde von den Teilnehmern unter anderem, dass die Verkehrsanbindung in den Ortschaften oftmals zu wünschen übrig lasse. Hier wurde beispielsweise ein Fahrdienst am Wochenende ins Gespräch gebracht oder eine Ausweitung des Busfahrplans. Eine weitere Möglichkeit sei, den „Stadthüpfer“ am Samstag und Sonntag jeweils eine Runde durch alle Ortschaften und in die Stadt hinein drehen zu lassen. Auch die Barrierefreiheit könnte besser sein, hieß es, beispielsweise mit abgesenkten Bürgersteigen und ebenerdigen Geschäftseingängen, was besonders in der rheinischer Innenstadt häufig nicht der Fall sei. Außerdem waren viele Anwesende ohnehin der Ansicht, dass die Hauptstraße zur Fußgängerzone gemacht werden solle, um für eine größere Verkehrssicherheit besonders für die Fußgänger zu sorgen. Das Fahrradfahren in der Kernstadt wurde als „sehr gefährlich“ angesehen, hier wünschen sich viele mehr Fahrradfreundlichkeit. Eine Verbesserung der Fuß- und Radwege stand ebenfalls auf der Wunschliste. Auch ein „Tante-Emma-Laden“ in der Innenstadt hatte seine Befürworter. Wünschenswert sei zudem eine bessere Vernetzung sowohl der Generationen untereinander als auch der rheinischer Vereine miteinander. In einer „Vereinsplattform“ könnten unter anderem auch die Angebote aufeinander abgestimmt und unnötige Doppelangebote vermieden werden. Außerdem wurde mehr bezahlbarer und barrierefreier Wohnraum gewünscht, was besonders Senioren zugutekomme. Gegen die zunehmende Vereinsamung vieler Menschen im höheren Alter wird ein „Seniorencafé“ gewünscht, das als regelmäßiger Treffpunkt dienen könnte. Auf der anderen Seite gebe es auch zu wenig Angebote für Jugendliche ab 14 Jahren, hier wurde der Ruf nach einem Bolzplatz und einer Skaterbahn laut. Auch ein Kino fehlt vielen Rheinbacher Bürgern, doch hier scheint zumindest eine kleine Besserung in Sicht zu sein, denn der Filmclub der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg überlege, ein begrenztes Film-Angebot zu machen. „Das Thema ist im Fluss“, wusste Wilhelm. „Das Thema Quartierentwicklung braucht seine Zeit“, machte Wilhelm deutlich, dass nicht mit schnellen Lösungen gerechnet werden soll. Ein erster Schritt für die Umsetzung sei die Einrichtung eines „Bürgerbüros“ im Eingangsbereich des „Hauses am Römerkanal“ voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte. Das soll als Anlaufstelle dienen für Bürger und kleinere Gruppen, die sich hier treffen können. Es werde auch ein Sprechstundenformat geben, hierfür werde derzeit das Konzept erarbeitet. Die Themen der „Bürgerwerkstatt“ sollen jedoch ohnehin in themenbezogenen Arbeitsgruppen weiter vertieft und in einer Dokumentation ausgewertet werden. JOST
