Rheinbach Lesungen
Heimspielapplaus und „Makroexpressionen“ im Rheinbacher CoachHaus
aus Rheinbach
Rheinbach liest – und wie! Anne Keßels Premierenlesung ihres neuen Thrillers „Die Lüge in ihrem Gesicht“ wird ein voller Erfolg. Rund 90 Gäste im Rheinbacher CoachHaus erleben Nähkästchenplauderei mit Host Christel Engeland (Thalia), Spannung und exzellentes Vorlesen.
Glücklich, wer für diesen Abend eine Karte ergattern konnte! Das beliebte Rheinbacher CoachHaus ist bis zum letzten Platz gefüllt. Auf dem Thalia-Büchertisch zwischen den historischen Kutschen hat Rheinbachs Krimi-Expertin Ruth Bruchhausen den Thriller mit dem flammend roten Einband zu beachtlicher Höhe gestapelt. Und das Publikum läuft sich vorfreudig bei frisch gezapftem Guiness und einem Irischen Käseteller warm. Das Heimspiel der Rheinbacher Autorin Anne Keßel hätte sicher einen deutlichen größeren Raum gefüllt, aber der müsste erst einmal so gemütlich sein, wie das Kutschenmuseum der Familie Mostert.
Einige Gäste sind überrascht, dass der bei Ullstein verlegte Thriller „Die Lüge in ihrem Gesicht“ jene Geschichte ist, die sie zwei Tage zuvor zur besten Sendezeit in der ARD unter dem Titel „Frau ohne Namen“ gesehen haben – gemeinsam mit 5,6 Millionen Fernsehzuschauern. Wem das viel erscheint, liegt richtig: Das war seit Jahren die beste Einschaltquote für den ARD-Mittwochsfilm. Der Erfolg weckt vermutlich auch beim zuständigen NDR Begehrlichkeiten.
Moderatorin Christel Engeland, Leiterin der Rheinbacher Thalia-Filiale, plaudert zunächst über die berufliche Vita Keßels, den Kapriolen beim Verfassen eines Manuskripts – Zitat: „‘Rom brennt“, ist als erster Satz sehr teuer in der filmischen Umsetzung und wird gerne gestrichen.“ - und die Entstehung der Buchidee bzw. des Drehbuches, bei der u.a. auch die mit Keßel befreundete Hauptdarstellerin Marleen Lohse eine maßgebliche Rolle spielt. Man erfährt, was Mikroexpressionen sind, denn die ermittelnde Hauptfigur, Psychologin Marlene Nielsen, ist genau dafür Expertin. Sie vermag nämlich die unwillkürlichen mimischen Reaktionen, die im ersten Fünftel einer Sekunde nicht unterdrückt oder gesteuert werden können, zu deuten und eine Inkongruenz zum übrigen Verhalten als „Lüge“ wahrzunehmen.
Nicht sparsam mit Gestik und Mimik ist hingegen die temperamentvolle Anne Keßel. Das Gespräch mit Christel Engeland verläuft äußerst unterhaltsam und lebhaft – gleichsam makroexpressionistisch - und liefert dem anwesenden Fotografen tolle Bilder, für die allerdings eine kurze Belichtungszeit nötig ist. Als Keßel dann die Lesung mit dem Prolog beginnt („Es ist ja ganz praktisch vorne anzufangen.“), zeigt sie, wie auch bei zwei weiteren sorgfältig ausgewählten Lesestellen, beeindruckende Vorlesekunst. Das vom Hausherrn Hanns-Georg Mostert geäußerte Lob, er würde sich „gerne auch noch das ganz Buch“ von Keßel vorlesen lassen, wird mit stürmischem Beifall bestätigt. Die Rheinbacher jedenfalls lieben „ihre Anne“ und die Schlange am Signiertisch ist entsprechend lang. Eine zweite Auflage von „Die Lüge in ihrem Gesicht“ verrät, dass es den deutschsprachigen Fans von Spannungsbelletristik ebenso geht. Ein Trost für alle, die das Ereignis im CoachHaus verpasst haben: Am 12. November liest Anne Keßel im „Buchladen am Neuen Markt“ im Meckenheim.
Am Ende des Abends bedankt sich Christel Engeland beim Kooperationspartner Rheinbach liest e.V. und bei den Gastgebern mitsamt Gastro-Team für die Unterstützung. Und während Keßel noch emsig signiert, werden an der Bar in geselliger Runde bereits Pläne für die Zukunft geschmiedet.
Anne Keßel im Gespräch mit Buchhändlerin Christel Engeland Foto: Rheinbach liest e.V.
Hausherr Hanns-Georg Mostert ließ sich gleich einen ganzen Bücherstapel signieren. Foto: Rheinbach liest e.V.
Unterhaltsames aus dem Nähkästchen einer Erfolgsautorin. Foto: Rheinbach liest e.V.
Fotostrecke
Anne Keßel las im Rheinbacher CoachHaus aus ihrem neuen Ullstein-Thriller „Die Lüge in ihrem Gesicht“. Foto: Rheinbach liest e.V.