Früh im Jahr hatte Gerhard Hausen zum närrischen Rathausempfang der Stadt Unkel geladen
Herzblättchen Monika Rolauf ist Trägerin des Stadtordens 2017
Unkel. In guter Tradition hatte Stadtbürgermeister Gerhard Hausen am Sonntagvormittag wieder die große Narren-Hautevolée der Kulturstadt am Rhein zum traditionellen Rathausempfang eingeladen. „Schön, dass Ihr alle den Weg hierher gefunden habt“, begrüßte er sie im närrisch dekorierten Schraatesaal auch im Namen seiner Beigeordneten, Wolfgang Plöger und Siegfried Brenke. Der Unkeler Karneval sei ein so wertvolles Kulturgut, dass es wichtig sei, dieses heimatliche Brauchtum zu pflegen und weiterleben zu lassen, um so Menschen Freude zu schenken, hob er hervor. „Der Unkeler Karneval verdankt Euch seine Kraft und Lebendigkeit. Indem Ihr jedes Jahr Erstaunliches auf die Beine stellt und das Leben bereichert, bringt Ihr Frohsinn und Abwechslung in unseren Alltag“, dankte er den Karnevalisten, bevor er mit dem dreimaligen Schlachtruf der Jecken den Fastelovend, das Brauchtum und die Heimatstadt hochleben ließ.
Sein erster namentlicher Willkommensgruß ging Richtung Kamen, konnte Gerhard Hausen neben dem Altbürgermeister der Westfalen, Elferratsmitglied Manfred Erdmann, auch Susanne Middendorf, die Vorsitzende des Partnerschaftsausschusses doch begrüßen, deren Unkeler Pendant, et Trömmelche“ Engelbert Wallek, mit den „Ratsherren“ gerade durch die närrischen Säle der weiteren Region tingelte, um dort rheinischen Frohsinn zu verbreiten.
„Liebe Karnevalsfreunde, draußen steht das Schönste, was der Unkeler Karneval zu bieten hat“, kündigte der Hausherr das aktuelle „Prinzenteam“ an. Dabei hatte er übersehen, dass sich die junge Narren-Regentin, Prinzessin Carolina I., aus dem Haus Corvinus, mit ihren Pagen Marie (Laschefski) und Yara (Meyerding) längst im Saal befand, den die drei, alle „Sternchen“ ihres Zeichens, zunächst unter dem Gejohle der großen Jecken schleunigst verließen, um dann mit „Ach wär ich nur ein einzig Mal“ graziös einzumarschieren. „Liebe Carolina, am liebste würde ich dir den Stadtschlüssel schon heute übergeben und dich bitten, bis Aschermittwoch mein Amt auszuüben“, versuchte der Stadtchef, sich einzuschmeicheln und vom drohenden Rathaussturm abzulenken. „ Vielleicht hast du dann ja auch so viel Spaß an dem Job, dass du einfach weiter machst“, fuhr er fort, eine glatte Lüge, weiß doch jeder in der Kulturstadt, dass Hausen an seinem Amt hängt und dieses niemals freiwillig aufgeben würde. Dazu klebt er viel zu sehr am „Chefsessel“, allerdings ganz und gar nicht aus reiner Bequemlichkeit.
Nachdem Gerhard Hausen Carolina I., die unter dem Motto „Mir all sin Unkel - Mir all sin die KG - Mir stonn all zesamme“ die Narren der Kulturstadt führen wird, begrüßt hatte, wandte er sich weiteren Ehrengästen zu, allen voran seinem Vorgänger und Ehrenbürger, Werner Zimmermann Im Schnelldurchgang folgten dann das Damenkomitee „Herzblättchen“ mit Präsidentin Karin Wolf, die Heisterer Möhnen, an der Spitze Obermöhn Gerda Buchholz, die „Unkelsteinchen“, an der Spitze Käthe-Marie Hommerich, die Hunnen und die New Diamonds, die Flying Dancers um Christoph Arens und das Tambourcorps „Rheinklänge“ mit dem Vorsitzenden Wilfried Kurtenacker, der MGV Concordia mit dem 2. Vorsitzenden Claus Conrad und schließlich die KG mit Präsident Markus Winkelbach und dem Vorsitzenden Michael Himmelbach, Kommandant Ludwig Conrad und dem Leiter des KG-Bläsercorps, Alexander Maurer, die alle in ein dreifaches „Alaaf“ auf Unkel den Fastelovend und das Brauchtum einstimmten.
„Ich bitte nun um Ruh im Saale, es geht jetzt los, nun kommt das Finale“, verschaffte sich der Stadtchef nach einer kurzen Pause Gehör. Traditionell wird beim Rathausempfang der karnevalistische Stadtorden an Persönlichkeiten verliehen, die sich besonders verdient gemacht haben um das rheinische Brauchtum. Eingeführt hatte diese Auszeichnung 1975 Stadtbürgermeister Fritz Baurmann, der das erste Exemplar dem Vorgänger des Ordenträgers 2016 Markus Winkelbach verliehen hatte, dem damaligen Sitzungspräsidenten der KG, Jupp Hermann. Nach gutem Brauch wurde aber auch diesen Mal nit derek verrode, wer den Orden krije dät. Lediglich dass die Person, die „zum Ritter“ geschlagen werde, Karneval im Herzen trage, versicherte der Stadtchef traditionell in Reimform. Außerdem stünde sie mit mächtig viel Schwung im Leben, sodass sie schon viel geschafft habe. Dafür gebe ihr die Großfamilie die nötige Kraft. „Und wenn et wirklich kütt, wie et kütt, geht sie auch mal in de Bütt“, verriet Gerhard Hausen schließlich, wodurch der „Kreis der Verdächtigen“ stark eingeschränkt wurde.
„Sie hat zwei Kinder, ist nicht allein seit 38 Jahren in ihrem Verein“, orakelte der Laudator weiter. Dass es sich bei dem neuen Ordensträger jedoch um einen Frau handeln musste, wurde erst durch eine überaus schwammige Altersangabe mit „über 50“ deutlich. So viel Rücksicht auf das Ego eines Mannes, hätte der Stadtchef nie genommen. „Die Person hat getanzt in jungen Jahren, und tanzt auch heute, nur etwas erfahren. Für jeden Blödsinn steht sie bereit, und opfert beruflich für Kinder viel Zeit“, verriet er weiter, um dann hinzuzufügen dass die gesuchte Person in ihrer Freizeit das Glück auf dem Rücken der Pferde suche und auchseit Jahren dem Vorstand des Reitvereins angehöre. „Wat soll ich he noch su lang rühre, dä Orden, dä jeiht hück noh Schüüre“, fuhr Gerhard Hausen fort, um dann zumindest für die Herzblättchen alles klar zu machen, erinnerte er doch daran, dass die Ordensträgerin fünf Jahre zuvor mit dem „Goldenen Herzen“ des Damenkomitees ausgezeichnet worden war. „Die nächste Ehrung, ohne Scherz, da könnt ihr alle schaun, der Orden geht an die Großfamilie Braun. Da sind sie allesamt wohlauf, ganz besonders unsere Monika Rolauf“, lüftete er das Geheimnis auch für die letzten Unwissenden im Saal. Zu denen hatte offensichtlich auch die Geehrte gehört, die sich unter dem Applaus der Anwesenden sichtlich gerührt die als „Neiderorden“ bezeichnete Auszeichnung von Gerhard Hausen umhängen ließ, bevor sie sich noch vor Prinzessin Carolina I. in das Goldene Buch der Stadt eintrug. Da wartete schon vor dem Saal mit „der älteste Bewohnerin des Christinenstifts“ et Oma Finchen, die Unkeler „ Ex-Glühweinkönigin“, eine „närrische Konifere“ höchster Güte, die mit ihren Verzällcher vom „Schnabels-Schnüsse-Liss“ und vom „Schüppestill-Botterams-Büb“ sowie von ihrem Jötterjatten, demm Hermännche, seit Jahren die Säle zu Kochen bringt, was ihr auch am Sonntag im Unkeler Schraatesall wieder hervorragend gelang. DL
