DIE VERHÄNGNISVOLLE G. SCHICHTE
Heute: Die verhängnisvolle Person im feuchten Rübenkeller
Von A.F. Haffenloher
Das Verhängnis begann, als G. morgens aufwachte, mich anschaute und sagte: Du siehst aus wie etwas, worauf man im feuchten Rübenkeller ausrutscht.
Ich war schockiert, rannte ins Bad, schaute in den Spiegel und sah aus wie etwas, worauf man im Rübenkeller ausrutscht.
Sofort raste ich in den Keller. Tatsächlich rutschte ich diesmal nicht aus. Doch zu meiner Überraschung fand ich dort nicht nur Rüben, sondern auch eine in Lumpen gekleidete Person, die sehr an den Bullen aus Tölz erinnerte.
Die Person bat mich, sie nicht zu verraten. Sie sei geflüchtet. Wovor? wollte ich wissen.
Der Mann seufzte, und ich erfuhr, dass er vor vielen Jahren aus einem unbedeutenden Roman geflohen war, den ein unbedeutender Mann über eine unbedeutende Revolution geschrieben hatte.
Es war die Russische Revolution. In diesem Roman tat sich mein Flüchtling, der in dem Buch eine eher unbedeutende Rolle spielte, plötzlich wichtig und klärte die Masse eines Tages darüber auf, dass der Zar und der Kaiser ein und dieselbe Person waren.
Und schon wurde er von den ehemals Unterdrückten verfolgt, die sich jetzt plötzlich als Unterdrücker aufspielten. Da blieb ihm keine andere Wahl, und er verließ diesen unbedeutenden Roman über die unbedeutende Revolution und ging zum Fernsehen, um in unbedeutenden Serien sein Glück zu versuchen.
Sein Kamm sei intakt, nuschelte er, und ich verstand: Der Mann ist nackt.
Ich schaute an mir herunter und war nackt. Also zog ich mir einen alten Kartoffelsack über und fragte ihn, ob er denn auch aus den Serien geflüchtet sei. Er nickte geheimnisvoll, sein Blick war irre. Warum? wollte ich wissen.
Es war auf dem Betriebsausflug eines großen Privatsenders, sagte er. Wir machten eine Butterfahrt auf dem Rhein. Doch ich war erst auf einem falschen Dampfer gelandet und habe dann eine völlig abgetakelte Fregatte kennengelernt, die Heizdecken anbot. Angewidert wand ich mich ab, als ausgerechnet auf der Höhe von Remagen beleidigte, als Artischocken verkleidete Produzenten, Schauspieler in den Fluss warfen. Daraufhin warfen beleidigte, als Produzenten verkleidete Schauspieler Kameramänner in den Fluss. Später warfen die Kameramänner, als Heizdecken verkleidet, echte Artischocken in den Fluss. Und das, obwohl in so vielen Teilen der Welt an Hunger gelitten wird. Da war ich beleidigt und warf mich selbst in den Fluss. Nachdem ich an Land gekrochen und auf der Remagener Promenade gestrandet war, kaufte ich mir Slim Fast und versteckte mich hier im Keller.
Fassungslos schaute ich den Mann an. Was für ein Schicksal! Gerade war ich im Begriff, ihn in die Arme zu schließen und ihm anzubieten, den Keller für ihn neu zu tünchen, als G. von oben rief: Der Kaffee ist fertig!
Der Mann fuhr zusammen und ergriff die Flucht. Er lief einfach über mich hinweg und rutschte dabei böse aus.
