Allgemeine Berichte | 25.06.2026

„Jeder Tag, an dem die Brücke gesperrt ist, stellt die Menschen in Bonn und der Region auf eine harte Belastungsprobe“

Hier sorgt die Sperrung der Bonner Nordbrücke für besonders lange Staus

Prof. Dr. Roman Suthold, Verkehrspolitischer Sprecher des ADAC in NRW.

Bonn. Die Sperrung der Bonner Nordbrücke sorgt auf den Ausweichrouten über die A4 (Rodenkirchener Brücke), die B56 (Kennedybrücke) und A562 (Konrad-Adenauer-Brücke) für deutlich längere Staus. Auch auf der B9 stadteinwärts stockt der Verkehr gewaltig. Das bestätigt jetzt eine erste Datenanalyse des ADAC Nordrhein. Dazu hat der ADAC die Staudauer der vergangenen Woche (15. bis 21. Juni) mit den Zahlen einer Woche vor der Sperrung (4. bis 10. Mai) verglichen.

„Bonn leidet zu den Hauptverkehrszeiten extrem unter der Sperrung der Nordbrücke. Unsere Analyse zeigt, wie wichtig es ist, dass der ambitionierte Zeitplan für den Neubau der linksrheinischen Vorlandbrücke eingehalten wird. Jeder Tag, an dem die Brücke gesperrt ist, stellt die Menschen in Bonn und der Region auf eine harte Belastungsprobe“, sagt Prof. Dr. Roman Suthold, Verkehrsexperte des ADAC Nordrhein.

Vor allem auf der Route über die Kennedybrücke (B56) brauchen Autofahrer aktuell viel Geduld und gute Nerven. Zwischen Bonn-Vilich (Anschlussstelle A59) und dem Endenicher Ei steckten Pendler stadteinwärts 93 Stunden in Stau und stockendem Verkehr fest - ein Zuwachs von 66 Prozent. Stadtauswärts summierten sich die Staustunden in der vergangenen Woche auf 107 (plus 8 Prozent).

Mehr Zeit müssen Autofahrer auch bei der Rheinquerung über die Konrad-Adenauer-Brücke einplanen. Auf der A562 zwischen dem Kreuz Bonn-Ost und der Anschlussstelle Bonn - Bad Godesberg hat sich die Staudauer im Wochenvergleich mehr als verdoppelt. Sie stieg von 16 auf 36 Stunden (Summe beider Richtungen).

Wer linksrheinisch von der Anschlussstelle Bonn - Bad Godesberg über die B9 Richtung Innenstadt fährt, kommt bis zur Berliner Freiheit ebenfalls nur langsam voran. Auf diesem Abschnitt (u.a. Adenauerallee) verzeichnete der ADAC einen Anstieg der Stauzeit um 150 Prozent, von 14 auf 35 Staustunden. In der Gegenrichtung (Berliner Freiheit bis Anschlussstelle Bonn - Bad Godesberg) wuchs die Stauzeit von 2 auf 7 Stunden.

„Die Zahlen zeigen, dass man auf der Adenauerallee über eine temporäre Rücknahme der Fahrradspuren nachdenken kann. Hier gibt es für Radfahrer vernünftige Ausweichrouten über die Kaiserstraße oder entlang des Rheinufers“, erklärt ADAC Experte Suthold.

Auch auf der A555 zwischen dem Kreuz Bonn-Nord und dem Kreuz Köln-Süd gab es laut ADAC Analyse längere Staus. Die Dauer stieg um 76 Prozent von 38 auf 67 Staustunden. In Richtung Bonn bleibt die Stausituation auf diesem Abschnitt moderat, hier betrug die Staudauer vergangene Woche 3 Stunden (Vergleichswert: 2 Stunden).

Auf der A4 zwischen dem Kreuz Köln-Süd und dem Dreieck Köln-Heumar (Rodenkirchener Brücke) stieg die Stauzeit laut ADAC Verkehrsdatenbank um knapp 35 Prozent von 78 auf 105 Stunden (Summe beide Richtungen).

Rückläufig war die Staudauer im ADAC Wochenvergleich auf der A59 zwischen dem Dreieck Köln-Heumar und dem Kreuz Bonn-Ost. In Richtung Bonn sank die Stauzeit auf diesem Abschnitt um 36 Prozent, in Richtung Köln um 45 Prozent. Betrachtet man jedoch nur den A59-Abschnitt vom Dreieck Bonn-Nordost bis zum Kreuz Bonn-Ost stieg die Staudauer hier von 2 auf 5 Stunden.

Der ADAC Nordrhein empfiehlt, genau zu überlegen, welche Fahrten im Bonner Stadtgebiet unbedingt mit dem Auto zurückgelegt werden müssen. Im Nahbereich sei das Fahrrad eine gute Alternative. Einpendler sollten laut ADAC prüfen, ob sie P&R-Anlagen am Stadtrand nutzen und auf den ÖPNV umsteigen können. Pendlern, die flexible Arbeitszeitmodelle nutzen können, rät der ADAC, antizyklisch zu fahren und die Stoßzeiten zu meiden. Home-Office-Tage machten verkehrstechnisch am Mittwoch oder Donnerstag am meisten Sinn, da an diesen Wochentagen die Staugefahr am größten sei. Am Wochenende entspannt sich die Situation gerade auf den Autobahnen deutlich.

So ermittelt der ADAC die Staus:

Der ADAC nutzt zur Stauermittlung Fahrzeugflotten mit ihren Geschwindigkeitsdaten. Nutzer von Online-Navigationsgeräten, Smartphone-Apps sowie Onboard units der Fuhrparks großer Speditionen liefern ständig anonymisiert und automatisiert ihre Positions- und Geschwindigkeitsinformationen von deutschen Straßen („Floating Car Data“, im Durchschnitt ca. 2 Milliarden Positions- und Geschwindigkeitsinformationen täglich). Diese Live-Daten werden zur Berechnung von Verkehrsstörungen verwendet.

Pressemitteilung ADAC

Prof. Dr. Roman Suthold, Verkehrspolitischer Sprecher des ADAC in NRW. Foto: ADAC Nordrhein, Johannes Giewald

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