Allgemeine Berichte | 30.08.2013, 15:31 Uhr

Zukunft der „Neuen Pfade“ weiter gesichert

Hilfe und Jobs für Arbeitslose

Organisation feiert am 7. September in Rheinbach ihr zehnjähriges Bestehen mit Freunden und Gönnern

Die römische Wasserleitung wurde überall im linksrheinischen Kreisgebiet von den Arbeitslosen wieder aufgebaut und mit Schutzdächern versehen.WM
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Rheinbach. Überall im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis haben die „Neuen Pfade“ ihre beispielhaften Spuren hinterlassen, also in Rheinbach, Meckenheim, Swisttal, Alfter und Wachtberg. Sie springen dort ein, wo den Städten und Gemeinden das Geld fehlt, haben die Waldkapelle wieder hergerichtet so wie die Rheinbacher Stadtmauer, haben viele Friedhöfe und Bänke (in zehn Jahren über 500) erneuert, packen an bei sozialen und kirchlichen Projekten, sind in gemeinnützigen Einrichtungen aktiv, bei Altenheimen, den Tafeln, Betriebshöfen, stellen Hausmeister. „Aber wir treten nur dort an, wo wir anderen Menschen nicht die Arbeit wegnehmen. Unsere Mitarbeiter sind in der Regel junge und erwachsene Langzeit-Arbeitslose, die wir wieder an das Berufsleben heranführen und sie dort unterbringen wollen. Dabei helfen uns viele Gönner, Betriebe, Handwerker und unsere Mitglieder“, erklären Vorsitzender Werner Gerhards und Vorstandsmitglied Wilfried Sturm.

Die Gesellschaft hat großen Nutzen vom Engagement der „Neuen Pfade“. Denn: Die Kommunen haben kein Geld, können gerade noch ihre Pflichtaufgaben erfüllen. Da sind Verschönerungsmaßnahmen, selbst wenn sie dringend nötig sind und dem Erhalt dienen, nicht mehr im Etat unterzubringen. Schulen verrotten, Kinderspielplätze sind durch Zerstörungen oder den Zahn der Zeit unbenutzbar, Anlagen verkommen. Die „Neuen Pfade“ werden gerufen und können mit ihren Langzeitarbeitslosen einspringen. Zum Arbeitslosengeld bekommen die Jugendlichen und Erwachsenen zusätzlich 1,20 Euro pro Stunde. Eine – wie es neudeutsch heißt – „Win-win-Situation“. Aus dem Stadtsäckel nicht finanzierbare notwendige Maßnahmen werden durchgeführt, Menschen ohne Stellung werden beschäftigt.

Doch so einfach ist die Rechnung nicht, denn die „Neuen Pfade“ haben sich zu einem fast mittelständischen Betrieb entwickelt. Fünf Honorarkräfte und 15 Ehrenamtliche arbeiten in den Büros an der Koblenzer Straße 6. Seit Werner Gerhards, Volker Liche, Dieter Deindörfer, Klaus Hoffmann, Winfried Tesch, Stefan Raetz und Klaus Reinhardt vor einem Jahrzehnt die „Neuen Pfade“ - damals als „Jump Up“ - gründeten, wurden inzwischen mehr als 1300 Arbeitslose betreut in Maßnahmen, die jeweils sechs Monate und länger dauerten, ein Drittel war unter 25 Jahren alt. „Wir bekommen die Personen von den Arbeitsagenturen und Sozialämtern benannt. Wir versuchen dann, sie in das Arbeitsleben zu integrieren. Bei 25 bis 30 Prozent der Arbeitslosen schaffen wir es auch, sie in Festanstellungen unterzubringen. Das geht nicht ohne sozialpädagogische Betreuung. Wir müssen auch schon mal jemanden von zu Hause holen, weil er verschlafen hat.

Sehr wichtig ist es, die Talente der jungen Leute zu erkennen, sie dann entsprechend zu fördern und zu fordern. In Einzelunterricht können Schulabschlüsse nachgeholt werden. Wir haben einen Langzeitarbeitslosen gehabt, der wirklich keine Lust hatte. Dann sahen unsere Anleiter, wie sich der Jugendliche sehr geschickt beim Mauern anstellte.

Heute ist er nach bestandener Gesellenprüfung in Festanstellung. Oder eine Frau, die die Hauptschule nicht geschafft hatte, hat das bei uns nachgeholt und ist heute Büroleiterin in einer Marketingfirma“, berichtet Wilfried Sturm.

Es gebe in Deutschland 1300 verschiedene Berufe, da müsse es doch möglich sein, jedem, der will und es auch gesundheitlich und psychisch kann, eine Stelle zu geben.

„Bei einer Vermittlung gibt es nur Gewinner“

„Wenn wir es schaffen, die Langzeitarbeitslosen auszubilden und in einer Festanstellung unterzubringen, gibt es nur Gewinner. Erst einmal hat diese Person selbst Spaß und Erfolgserlebnisse. Da werden auch oft vorhandene persönliche Probleme überwunden, das können familiäre Belastungen, Schulden, Alkohol oder Computersucht sein. Die Kommunen haben eine Wertschöpfung, wir reparieren Bänke, sind in sozialen und Projekten der Allgemeinheit tätig. Arbeitgeber bekommen einen guten Mitarbeiter, die Jobcenter können einen „Fall“ aus der Liste streichen, sparen dadurch viel Geld und Zeit. Kosten für Arbeitslosigkeit, die der Steuerzahler aufbringen muss, fallen dann nicht mehr an“, ergänzt Werner Gerhards. Damit die Fähigkeiten der Langzeitarbeitslosen entdeckt und entsprechend die Tätigkeit darauf abgestimmt werden können, begleiten unter anderem Anleiter die Maßnahmen sehr eng. Ewald Becker, Peter Beyer, Andrea Kroymann und Vladimir Ziyzin sind Bindeglied zwischen Arbeitern und „Pfaden“. Wenn es Probleme gibt, erweisen sich diese Kollegen auch als Beichtväter oder Mutter für Alles. Sie sind außerdem in fast allen Gewerken gut ausgebildet und machen jeden Handgriff vor, der den Betreuten natürlich meist unbekannt ist. „Nach diesem ersten Anstoß kann es passieren, dass wir schnell einen Ansatzpunkt finden. Bei anderen müssen wir lange suchen, manche erweisen sich aber als nicht arbeitsbereit oder nicht arbeitsfähig. Dann müssen auch wir aufgeben und melden das an Agentur oder Sozialamt“, berichteten Gerhards und Sturm von ihren Erfahrungen. Halbjährlich haben die Mitarbeiter der „Neuen Pfade“ Stress mit dem Sozialministerium, das die Maßnahmen ausschreibt und bezahlt. Inzwischen sind die Gerhards und Sturms zwar sturmerprobt und könnten sich als Rentner auch vorstellen, aufs Altenteil zu wechseln. „Aber wir haben Verantwortung für die Arbeitslosen und natürlich für unsere Kollegen, die ihre Stelle verlieren würden, wenn uns das Ministerium das Geld streicht.“ Das ist zum Glück nicht geschehen, weitere sechs Monate werden die „Neuen Pfade“ jungen Menschen ohne Job helfen können.

So werden am Samstag, 7. September, ab 14 Uhr viele Offizielle gratulieren, es wird aber kein Redemarathon geben. „Wir wollen feiern mit unseren Mitgliedern, den vielen Vermittelten und vor allem unseren Förderern danke sagen. Etliche Rheinbacher Unternehmer und Handwerker unterstützen uns und damit die Allgemeinheit, ohne groß darüber zu reden. Ohne diese Gönner wäre unsere Arbeit nicht möglich. Alle Bürger sind herzlich eingeladen zu Getränken und Gegrilltem, außerdem zeigen wir beim Tag der Offenen Tür an der Koblenzer Straße 6 in Rheinbach unsere Holzwerkstatt, über 500 Bilder unserer Aktivitäten und viele Informationen mehr. Ein Besuch lohnt sich“, laden Gerhards und Sturm die Bevölkerung ein.

In der Holzwerkstatt fertigen die Mitarbeiter vor allem neue Bänke an, mehr als 500 wurden inzwischen von den Neuen Pfaden erneuert.

In der Holzwerkstatt fertigen die Mitarbeiter vor allem neue Bänke an, mehr als 500 wurden inzwischen von den Neuen Pfaden erneuert.

Die römische Wasserleitung wurde überall im linksrheinischen Kreisgebiet von den Arbeitslosen wieder aufgebaut und mit Schutzdächern versehen. Fotos: WM

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