Allgemeine Berichte | 17.10.2016

Schleppjagd des Anhausener Vereins führte über 19 Kilometer lange Strecke mit 26 Hindernissen

Hobbyreiter galoppierten hinter der Rheinland-Meute her

Jagdherr Herbert Gauls feierte seinen 86. Geburtstag

Hobbyreiter galoppierten hinter der Rheinland-Meute her

Anhausen. Einer uralten Tradition folgend, trafen sich am Samstag Reiterinnen und Reiter aus der Region zur obligatorischen Herbst-Schleppjagd. Veranstalter waren die Hobbyreiter Anhausen um ihren Vorsitzenden Heinz Krämer. Das für solche Veranstaltungen erforderliche Amt des Jagdherrs hatte Vereinsmitglied Herbert Gauls übernommen. Er feierte mit dieser für ihn ausgerichteten Jagd seinen 86. Geburtstag.

Der Begriff „Jagd“ trifft in der heutigen Zeit nicht mehr genau den Charakter der Veranstaltung. Gejagt wird nämlich niemand mehr, auch nicht der Fuchs. Die Reiter folgen lediglich einer Hundemeute, die wiederum der vor ihr ausgelegten Geruchsspur, der Schleppe, folgt. Auf der zuvor ausgesuchten Strecke werden zur Erhöhung der reiterlichen Anforderungen leichte Naturhindernisse aufgebaut, über die mit den Pferden gesprungen wird.

16 Kilometer und 29 Hindernisse mussten bewältigt werden

Heinz Krämer beschreibt die Schleppjagd bei bestem Reitwetter und viel Sonne für die Zuschauer positiv: „Wir hatten ein Feld von circa 40 Reitern und Pferden. Die Strecke rund um Anhausen war 16 Kilometer lang mit 29 Hindernissen, nicht höher als 90 Zentimeter. Geritten wurde hinter der Rheinland-Meute, die bei Ralf Siegel in Thalhausen stationiert ist. Ralf ist auch Mitglied bei den Hobbyreitern Anhausen. Die Strecke führte von Meinborn bis Anhausen und wieder zurück.“

Der Ritt dauerte mit Zwischenstopps von 14.30 bis 17 Uhr. Einigen Pferden und auch Reitern war am Ende doch die Anstrengung der Galopp-Touren über Felder und Wiesen, durch Wälder mit zum Teil beachtlichen Steigungen und Gefällen anzumerken. Deshalb stärken sich Vier- und Zweibeiner regelmäßig nach der Jagd - die Pferde und Hunde in ihren Stallungen, die Reiter beim traditionellen „Schüsseltreiben“, in diesem Fall im Gemeinschaftshaus von Meinborn. Hier wurde bis tief in die Nacht gefeiert, wozu man allen Grund hatte, den weder Mensch noch Tier hatten bei der Schleppjagd Schaden gelitten. Lediglich ein Hund musste das Feld vorzeitig verlassen, weil er mit der Pfote in einen spitzen Gegenstand getreten war. Und ein Reiter verließ nach einem missglückten Sprung sein Pferd unfreiwillig, konnte es aber einfangen und den Ritt unbeschadet fortsetzen.

Einer der prominenteren Mitreiter war Friedhelm von der Marwitz aus Kaisersesch, der frühere „Master“ der Jagdreiter von Rheinland-Pfalz. Ansonsten kamen die männlichen und weiblichen Teilnehmer aus vielen nah und weiter entfernt gelegenen Ställen.

Die Hobbyreiter Anhausen

Die Hobbyreiter Anhausen gibt es seit 1982. Seitdem haben sie jedes Jahr eine Herbstjagd veranstaltet. Seit 1992 sind immer Jagdhunde dabei. Heinz Krämer sagt: „Außer den Jagden, die unser Vereinszweck sind, machen wir aber auch Fußtouren, um unseren Pferden zu zeigen, dass wir uns auch ohne sie fortbewegen können. Dabei besuchen wir umliegende Lokale in Neuwied-Gladbach, Oberraden, Dierdorf oder Großmaischeid. Außerdem machen wir einen Zweitagesritt im Mai und einen Jahresabschluss mit den Vereinsmitgliedern. Der findet statt entweder in Form eines gemeinsamen Essens oder eines Ausflugs. In diesem Jahr wollen wir zum Festhallen-Reitturnier vor Weihnachten in Frankfurt fahren. Wir waren auch schon mal mit den Pferden in der Lüneburger Heide, oder ohne Rösser zum Wildpferdefang in Dülmen oder der großen Messe Equitana in Essen. Und natürlich gehört auch der sonntägliche gemeinsame Ausritt zu unseren Angeboten.“

Der Verein hat rund 60 Mitglieder, auch viele Jugendliche befinden sich darunter. Eins der ältesten Mitglieder ist Herbert Gauls, der vor zwei Jahren das aktive Reiten eingestellt hat, mit dem Herzen dem Pferdesport aber immer noch sehr verbunden ist. Seine beiden Pferde stehen mittlerweile in Anhausen und werden dort von Jugendlichen geritten. Herbert Gauls, der Fotografenmeister von Beruf ist und in Koblenz ein großes Fotostudio betrieb, wohnt in Vallendar und besucht die Hobbyreiter und seine Pferde regelmäßig. Herbert Gauls sagt: „50 Jahre lang war ich Jagdreiter. Hier Jagdherr bei den Hobbyreitern Anhausen zu sein, bei denen ich schon seit 20 oder 30 Jahren Mitglied bin, ist für mich eine besondere Ehre. Es war ein toller Tag, ein tolles Erlebnis. Wir haben hier eine sehr schöne Jagdstrecke, ich bin begeistert. Ich war jetzt schon vier Mal Jagdherr hier. Wenn man wie ich Gauls heißt, dann will man bei den Pferden sein, das ist in mir verankert. Ich liebe die Pferde. Es ist mir sehr schwergefallen, als meine Pferde meinen Stall verlassen haben. Aber sie haben hier eine neue Heimat gefunden und werden gut versorgt. Mein Paulchen war heute nicht dabei, aber er ist auch ein reines Jagdpferd. Meine Liebe zum Pferd und zur Reiterei wird immer bleiben.“

Hobbyreiter galoppierten hinter der Rheinland-Meute her
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