Herbstwanderwoche des Eifelverein Adenau
Hochgebirge, See und Sonne
Insgesamt eine Wanderwoche, die es verdient, im Gedächtnis zu bleiben.
Adenau. „Wandern heißt, das Glück zu Fuß suchen“, ein treffendes Wort. Der Tegernsee und die ihn umgebene alpine Berglandschaft bieten ein besonders reizvolles Ziel für diese Art von Glücksuche. Das erfassten die 63 Eifler aus dem Adenauer Land beim Durchwandern dieser oberbayerischen Region auf vielseitige Weise. Für die Bergwanderer unter ihnen, die sich mit den dortigen Alpengipfeln messen wollten, begann die Wanderwoche mit der Besteigung des Leonhardsteins (1.452 m), dem sogenannten „bayerischen Matterhorn“. Die Felspyramide schenkte ihnen mit ihren 700 Höhenmetern keinen mühelosen Meter, dafür die Befriedigung, etwas Besonderes geschafft zu haben. Einige von ihnen kamen an ihre Grenze.
Deutschlands schönstgelegene Berghütte
Einen Tag später setzten sie sich mit dem krassen Klettersteig zum Roßstein (1.698 m) und zur Tegernseer Hütte, Deutschlands schönstgelegener Berghütte mit einer traumhaften Aussicht, auseinander. Bei der zu bewältigenden Höhendifferenz von 800 m waren alle Kräfte einzusetzen. Dagegen wanderten andere der Wanderfreunde gemächlich einen idyllischen Wassererlebnisweg längs der friedlich vor sich hin plätschernden Weißach entlang, genossen den sonnigen Tag und besuchten eine Naturkäserei. Anderentags folgten sie auf abwechslungsreichen Wegen dem Westufer des Tegernsees. Wieder andere besuchten derweil Orte am Tegernsee, in denen sich bayerische Geschichte manifestierte und die mit bedeutenden Namen verbunden sind. Darüber hinaus unternahmen sie Schiffsausflüge auf dem See. Sie bummelten durch Bad Wiessee mit seinen Jodschwefelquellen, durchstreiften Rottach~Egern mit der erlebniswerten Seepromenade, den edlen Boutiquen und den Pensionen im Landhausstil, trafen auf den Friedhof St. Laurentius, wo die Schriftsteller Ludwig Thoma und Ludwig Ganghofer ruhen, erlebten Tegernsee, Touristenmagnet, Kulturzentrum mit Benediktinerabtei und königlicher Sommerresidenz.
Das Gipfeltrio Wallberg (l.507 m), Setzberg (1.706 m) und Risserkogel (l.826 m) forderte auf verschiedenen Routen heraus. Die einen Bergwanderer gingen auf Gratwanderungen und Aufstiege die Gipfel an. Die anderen umwanderten die ersteren zwei etliche Höhenmeter tiefer. Die Bergpfade machten den einen wie den anderen zu schaffen, Steingeröll, Fels, Wurzelgeflecht und zerstampfter Matsch hemmten und verlangten Trittsicherheit. Tags später Bergwanderung über Taubenstein und Lempersberg zum Rotwandhaus auf schwierigen Höhenstrecken, dann der Rotwandgipfel mit 1.884 m höchste Erhebung des Mangfallgebirges. Erschöpfung zum Schluss, doch Hochstimmung.
Besuch des Freilicht- museums am Schliersee
Die übrigen Wanderer umrundeten das kleine Gewässer des Spitzingsees, um danach im Freilichtmuseum des bekannten Wintersportlers Markus Wasmeier am Schliersee, dem kleinen Bruder des Tegernsees, dem vergangenen Leben oberbayerischer Gebirgsdörfer zu begegnen. Nachhaltige Eindrücke: Frühsonne auf den Felskuppen über Kreuth, Ausblicke auf den Tegernsee, gemeinsame Rundfahrt über den See, stimmungsvolles Vorbeigleiten der Uferlandschaft, Gespür für die Überwindung der Beschleunigung beim Auf- und Abwärtsschweben der Bergbahnen, Wandern durch die Waldeinsamkeit des Rottachtals mit dem über Felsstufen niederrauschendem Rottachfall, Umwanderung des romantisch gelegenen Suttensees, der Blick von erreichten Gipfelspitzen aus, mit dem Bewusstsein, etwas scheinbar Unüberwindliches geschafft zu haben. Ähnlich der Stolz der Besucher von Bad Tölz, den 700 m hochführenden Stufenweg auf den Kalvarienberg mit seiner Wallfahrtskirche zu bewältigen. Sodann ein für alle unvergesslicher Höhepunkt, die Fahrt ins österreichische Engtal im Naturpark Karwendel über Achenpass und die Brücke über den Sylvenstein-Stausee bis zum Talende, dem weithin bekannten Ahornboden. Dort auf der Talfläche verstreute oft hunderte von Jahren alte Ahornbäume, traditionell gestaltete Anwesen der Einwohner von Eng, umschlossen von wuchtig aufragenden Felsmassiven; eine in sich abgeschlossene kleine Welt, die den sonnigen Himmel einfing, jedoch auch die Ahnung menschenleerer, schneereicher und von Lawinen bedrohter Jahreszeiten vermittelt. Schließlich vermerkt: das „Hotel zur Post“ in Kreuth, Wanderquartier, barock anmutend, doch gastronomisch hervorragend geführt - nichts blieb zu wünschen übrig. Erwähnenswert auch der Buschauffeur, sicher und zuverlässig, selbst bei einem Streik des Fahrzeugs, zudem unerwartet ein musikalischer Alleinunterhalter.
