Dattenberg empfing beim 81. Erntedank- und Winzerfest des Ortes wieder zahlreiche Gäste
Höhepunkt war der Festzug am Sonntag
Weinkönigin Charlotte I. und Kinderweinkönigin Eva II. standen im Mittelpunkt
Dattenberg. Mit vollen Gläsern, Live-Musik und viel gute Laune wurde im Rööpeland von Freitag bis Sonntagabend das 81. Dattenberger Erntedank- und Winzerfest gefeiert, zu dem der Organisator, der Verkehrs- und Verschönerungsverein um Ralf Michels, vor allem am Wochenende zahlreiche Gästen willkommen heißen konnte. Das gemütliche Weindorf im Dorfzentrum lockte nicht nur Besucher aus der Region, sondern auch langjährige Stammgäste aus den Niederlanden an, die vor allem eines nicht verpassen wollten: den traditionellen Erntedank- und Winzerfestumzug am frühen Sonntagnachmittag, für den im Ort wochenlang, gehämmert und geschraubt, geklebt und gebastelt worden war.
Bereits am Freitagabend hatte die noch amtierende Weinkönigin Eva I. (Gombert) das Winzerfest, das gleichzeitig das Erntedankfest der Verbandsgemeinde ist, im Weindorf eröffnet, in dem die Band „impuls“ anschließend für Stimmung sorgte. Die herrschte dort auch am Samstagnachmittag, an dem sich das Tambourcorps Dattenberg und „Napoleon’s Hijskapel“ aufmachten, die designierte Weinkönigin Charlotte I. (Klaus) mit ihren vier Ehrendamen, Schwester Leonie, Kusine Rosalie Dietrich, Franziska Busch und Vanessa Giese, abzuholen. Mit ihrem Weinspruch: „Wasser macht weise, glücklich der Wein. Drum trinke beides, um beides zu sein!“, trat die neue Weinmajestät nun um 17.30 Uhr ihre Regentschaft an, nachdem sie von ihrer Vorgängerin das königliche Diadem empfangen hatte. Bis tief in die Nacht feierten die Dattenberger dann mit der Band „Swing Dry“, wobei sich das „dry“ nicht nur auf die meisten Weine bezog, die an den Ständen etwa bei den „Los Tippos“, den „Rööpekickern“ oder den „Traubenträgern“ ausgeschenkt wurden, sondern glücklicherweise auch auf das Wetter.
„Hoffentlich haben wir heute auch so viel Glück“, so Ralf Michels nach der in der Kirche „Heilige Schutzengel“ zelebrierten Erntedankmesse. Wie immer hätten sich Vereine und Privatleute alle nur erdenkliche Mühe gegeben, den goldenen Herbst von den Feldern auf die Straßen zu bringen mit ihren Motivwagen und als Fußgruppen.
Da waren mit Mara I. aus Leutesdorf, Christine I. aus Bad Hönningen, Laura I. aus Linz, Nina I. aus Erpel und der Burgundia Lara I. aus Unkel gekrönte Häupter vom nördlichen Mittelrhein zusammen mit Lea I. aus Remagen uns Jessica I. aus Rhöndorf eingetroffen, zu denen sich dann auch noch Verena I. aus Heimerzheim und Susanna I. aus Walporzheim von der Ahr gesellten. Dicht an dicht standen die übrigen Besucher, als Ortsbürgermeister Dieter Runkel sie, vor allem ab die Ehrengäste begrüßte. So waren nicht nur seinen Kollegen aus der Verbandsgemeinde oder deren Beigeordneten um VG-Chef Hans Günter Fischer auf die „Terrasse von Linz“ gekommen, wie dieser Dattenberg bezeichnete, willkommen heißen konnte der Orts-Chef auch den Bundestagsabgeordneten Erwin Rüddel, den 1. Kreisbeigeordneten Achim Hallerbach, den Bad Hönninger VG-Chef Michael Mahlert sowie den Unkeler Stadtbürgermeister Gerhard Hausen. Auch sie erwiesen Charlotte I. sowie der Dattenberger Kinderweinkönigin Eva II. (Schneider) und ihren Weinprinzessinnen, der neunjährigen Melina Stümper und der ein Jahr älteren Hannah Rott ihre Reverenz.
„Nicht nur sie können Sie gleich in unserem Winzerfest- und Erntedankfestzug wiedersehen. Mit dabei sind auch unsere Jubiläums-Weinköniginnen, Anja I. (Mohr-Israel) aus dem Jahr 1991, Ulrike (Kräften) aus dem Jahr 1972, unsere die Goldkönigin Erika I. (Goering) und Renate I. aus dem Jahr 1956“, verriet Ralf Michels, bevor Charlotte I. die Gäste aufforderte, auch noch nach dem Festumzug mit ihr im Weindorf zur Musik, der „California Partyband“ zu feiern. Außerdem gab der Linzer VG-Chef Weinspruch-sicher zu bedenken: „Trink solang du trinken kannst, nutze deine Tage. Ob man auch im Jenseits trinken kann, ist eine offne Frage!“
Dagegen verkündeten die Kita-Kinder aus der Rappelkiste: „Dem Wind sei Dank; zur Herbstzeit, sind kleine Drachen zum Fliegen bereit!“ Aber nicht nur dafür mussten die Dattenberger dem Wind dankbar sein, hatte dieser doch aktuell die Regenwolken über dem Rheintal vertrieben, sodass sogar die Sonnen ab und zu einen Blick auf das bunte Treiben im Rööpeland wagte. Nur die Feuerwehr ließ es auf ihrem Wagen nach dem Motto „Regen bringt Segen“ aus einer dicken Wolke regnen und fing das kostbare Nass aus der Dachrinne auch sofort in einem Fass auf. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen, hatten sie ihre Rüben, Kartoffeln und Kürbisse, ihren Kohl, Lauch, und ihre Zucchini während der Durststrecken doch optimal wässern können.
Nicht als Winzer um Weinfässer knubbelten sich die Junggesellen. „Wing un Brot sin richtich lecker, drum sin mer hück de Meisterbäcker“, verkündeten sie und verteilten Brot, das, auf ihrem Backes-Wagen frisch gebacken, aufgeschnitten und mit Schmalz bestrichen worden war, eine Ergänzung zu den Brezeln und dem Laugengebäck anderer Zugteilnehmer, die damit für eine Grundlage bei den Besuchern sorgten, deren Weingläser immer aufs neue großzügig gefüllt wurden. Den Traum vom Schlaraffenland, in dem Wein statt Wasser fließt und in dem es, ohne arbeiten zu müssen, Delikatessen im Überfluss gibt, hatten sich die Rööpe-Kicker erfüllt. Und so flogen auf ihrem Wagen dem mit einem Weinglas am hellichten Tag im Bett liegenden Heinz Peter Schneider gebratene Tauben und Würstchen in den Mund.
Passend zum Erntedankfest erinnerte der Braumeister der „Lustigen Landsleut“ auf dem von Hopfen umgebenen Wagen mit „500 Jahre deutsches Reinheitsgebot“ daran, dass es nicht nur köstlichen Wein, sondern durchaus auch leckeren Gerstensaft gibt. Den hatten sich auch die „Kleinbauern“ verdient, die in ihren schweren Schürreskarren Kartoffeln, Kohl und Karotten, Äpfel, Birnen und Pflaumen durch Dattenberg karrten, während ihre „Bäuerinnen“ mit riesigen Blumenkugeln für noch farbenprächtigere Tupfer im Festzug sorgten.
Mit „Alles hat seine Zeit“ kündigte Winzer Martin Wagner an, dass er dieses Jahr das letzte Mal mit einem Wagen im Zug vertreten sei, nachdem er seine Weinberge verpachtet hat. Grund genug für den
„Protokollarius“ der KG, Willi Simons, vor einer riesigen Sanduhr, große Fotos von ehemaligen Motivwagen des Winzers rotieren zu lassen. Auch wenn er dies vor einer riesigen Sanduhr aus weißen und dunkelroten Dahlien tat, abgelaufen war diese noch lange nicht, was durchaus zu der Ergänzung des Mottos passte: „„Zu weiteren Taten sind wir bereit!“ Vorbei war dagegen die Maloche der „Beschwipsten“. Ihr Bauernehepaar wohl in Erinnerung an den Besuch von Jürgen Drews auf dem Winzerfest vor Jahren „Ein Bett im Kornfeld“ aufgeschlagen getreu dem Motto: „Ist die Ernte eingebracht, der Bauer sich’s gemütlich macht!“
Ans Schlafen dachten die Besucher des Festzuges aber noch lange nicht und auch für die Dattenberger Gardistinnen, die den Prunkwagen ihre Mittänzerinnen umgaben, war noch lange nicht die Zeit gekommen, sich auszuruhen, Charlotte I. mit ihren Ehrendamen doch noch einen langen Weg vor sich. Wie in ihrem Weinspruch ging ihr Wagen nicht nur auf den Dattenberger Wein ein. Vielmehr stand die Weinkönigin vor einem tiefen Brunnen, in den aus hohen Basaltsäulen das Wasser einer Quelle sprudelte. Trotzdem kann mit größter Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass sich die Festgäste auch nach dem Festzug eher an Wein als an Wasser gehalten haben, selbst wenn sie nun den Rebensaft nicht mehr kostenlos in ihr Winzerfestgläschen eingeschenkt bekamen. DL
Der große Festzug lockte wieder viele Gäste nach Dattenberg.Fotos: DL
