Furiose Kappensitzung in der Grau-Blau-Halle
Höhr-Grenzhäuser Narren bleiben sich treu
Höhr-Grenzhausen. Die Grau-Blau-Halle war voll, ausverkauft. Bürgermeister Thilo Becker als Schatzmeister der veranstaltenden Karnevalsgesellschaft Grau-Blau freute sich: „Fünf Sitzungen, und jedes Mal volles Haus!“ Dann ging’s auch schon los, dachte man zumindest. Aber als der Vorhang sich öffnete, war er eigentlich immer noch geschlossen. Trotzdem sah man die Bühne, ein paar Putzmänner und dann sogar den kompletten Elferrat und anschließend das komplette Programm in rasanter Blitzgeschwindigkeit, die ganze Sitzung wie im Zeitraffer als Video zu ein paar Augenblicken zusammen geschnitten. Ein furioser Start, sehr originell, ein toller Einfall und ein kleines cineastisches Meisterwerk von Mirco Moskopp und Thilo Becker.
Trotzdem freuten sich die Gäste im Saal, als dann der echte Elferrat, angeführt von Andre Geilen und begleitet vom Grau-Blau-Ballett, einmarschierte und die Sitzung eröffnete.
Das Motto des Abends hatte Andre Geilen verkündet und dem Publikum das Fröhlichsein damit erleichtert: „Ein Mensch, der über sich selbst lachen kann, hört nie auf sich zu amüsieren!“ Doch zunächst musste einmal Klarheit über die weltpolitische Lage geschaffen werden. Das ist seit vielen Jahren die Aufgabe des „Jokers“ (Michael Walder), der akribisch Protokoll führt über das Geschehen in fernen Ländern und nahen Regionen. Vieles gibt Anlass zur Beunruhigung, Diktatoren müssen irgendwie entsorgt werden, „Wir schaffen das!“ ist deplatziert, auch Julia Klöckner hat es nicht geschafft, Erdogan, Böhmermann, die Panama-Papers und am Ende Trump - ein Depp, ein Macho oder ein Held? Atemberaubend der Streifzug des Joker durch die Schlagzeilen der Medien, auch über den Sport und Olympia hatte der dichtende Protokollant viel zu sagen und landete schließlich im heimatlichen Höhr-Grenzhausen mit neuer Shopping-Mall auf zigtausend Quadratmetern, einem eigenen ICE-Halt und einem Freudenhaus in Grenzau im Tal. Nicht ohne einen klugen Rat verließ der Joker seine Bütt: „Lustig sein, Gutes vollbringen, ohne Angst vor Terror mal das Tanzbein schwingen!“
So sehen es auch Prinz Roman und Prinzessin Andi (Birnbach), die mit ihrem Freibeuter-Gefolge die Bühne eroberten. Wobei es mit der Harmonie unter den beiden noch ein wenig hapert: Von seiner besseren Hälfte musste sich Prinz Roman vorhalten lassen, dass sie ja schließlich die echte Grenzhäuserin ist und er als Höhrer hier in Grau-Blau nur „geduldet“ werde. Doch auch diese beiden gaben dem amüsierten Publikum eine Empfehlung mit auf den Weg: „Sei immer du selbst, es sei denn, du kannst Pirat sein. Dann sei Pirat!“
Bühne frei für die „Tussi vom Westerwald“
Mit einem lauten „Eyh!“ in den Saal gerufen riss die „Tussi vom Westerwald“ (Anja Hewer) das Mikrofon an sich und redete Klartext.
Das fing an mit der Schelte auf einen Falschparker vor der Grau-Blau-Halle („Wenn alle Idioten fliegen könnten, dann wär‘ der Himmel voll davon und die armen Vögelchen müssten laufen“) und streifte auch das eine oder andere erotische Thema: Ihre Freundin hat Zwillinge bekommen und weiß nicht, von wem das zweite Kind ist. Nicht zu unrecht forderte Sitzungspräsident Andre Geilen eine Rakete für die „Tussi“, die „schrillste Erscheinung seit es Blondinen gibt!“
Was es bedeutet, ein Leben mit Migrationshintergrund zu führen, berichtete aus eigener Erfahrung „der Norddeutsche“ (Ove Jensen). Er komme ja aus Lüneburg und sei deshalb quasi in Lüneburger Heide. Als solcher habe er sich schon gewundert, dass in der Kirche alle „Vater“ zum Pastor sagten, nur dessen eigene Kinder nicht. Auf einer Autofahrt im Westerwald wurde der Norddeutsche zehnmal kurz hintereinander kontrolliert und fragte beim elften Mal, was das den solle. Die Uniformierten hätten zu ihm gesagt: „Wir konnten’s auch nicht fassen, dass Sie den Kreisel nicht verlassen!“
Einiges aus seiner alten Heimat hat der Norddeutsche sich gemerkt, zum Beispiel den Rat seines Freundes Fide: „Betrunken flirten ist wie hungrig einkaufen - man kommt mit Sachen nach Hause, die man eigentlich gar nicht wollte!“ Für seinen Vortrag belohnte ihn das Publikum mit Standing Ovations.
Ove Jensen, von Beruf Professor an der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung in Vallendar, hatte mit diesem Vortrag seine Premiere auf der Grau-Blauen Bühne.
Jetzt hoffen alle, dass es im nächsten Jahr ein Wiedersehen mit „dem Norddeutschen“ gibt.
Eine gut gelaunte Bademeisterin
Als Bademeisterin „Mechtild Bechtild“ leistete Natascha Bayer, die Mutter des diesjährigen Kinderprinzen, ihren Beitrag zur Grau-Blauen Kappensitzung, bevor wieder dem weiblichen Publikum etwas fürs Auge (und Ohr) geboten wurde: Die „Boygroup“ tänzelte über die Bühne, zu den Rhythmen der Musik aus den 90-er Jahren und im Stile der Backstreet Boys. Trainiert wurden die fitten jungen Herren von Stefanie Georg, Saskia Heuser und Michaela Becker.
Nach der Halbzeitpause brachte der Musikverein Hillscheid die Stimmung und damit die Gäste wieder in den Saal. Sollte es einem von ihnen in der Raucherpause vor der Türe zu kalt geworden sein - die Mädels des Grau-Blau-Balletts heizten dem Publikum mit ihrem Motto-Tanz „Burlesque“ wieder kräftig ein. Verführerisch und sexy präsentierten sich die jungen Damen. Ihre Wandlungsfähigkeit bewiesen sie mit dem Schlusstanz, bei dem sie in Uniform und mit Rettungsring die Reeperbahn von Hamburg nach Höhr-Grenzhausen brachten.
Als (Über-)Lebenskünstler traten Norbert Weber und Thomas Paulsen auf. Paulsen, ehemaliger Präsident der KG Grau-Blau, ist dem Verein als Redner treu geblieben und tritt in diesem Jahr zum dritten Mal an der Seite von Norbert Weber auf.
Auf einer guten Sitzung dürfen gute Sänger nicht fehlen, sagen sich die Grau-Blauen: Diesen Part übernahmen die Grau-Blauen Engel (Melanie Gisch, Sandra Gebauer und Sylvia Staudt). Mit ihrem Mix aus Schlager, Rock und Pop animierten sie die Gäste im Saal zum Tanzen und wurden dabei fachmännisch unterstützt von der Sitzungsband rund um Mario Meister (Andre Geilen hatte über die Combo auch schon mal das Wort von den „langhaarischen Bombenleschern“ fallen gelassen). Den krönenden Abschluss des Abends machte Marlene Jaschke in ihrem neuen Designer-Kleid. Anmut und Grazie in einer Person - und dazu noch zum Schreien komisch, was will Mann mehr? Nach so viel Trubel und Heiterkeit glaubte man als Besucher jede Zeile des Abschlussliedes gemäß dem Grau-Blauen Ordensmotto: „Wir wollten nie erwachsen sein…“ Die weiteren Sitzungstermine: 4., 11. und 18. Februar.
