Allgemeine Berichte | 21.09.2020

Sonderausstellung im Keramikmuseum Westerwald

„Hollandgänger“

Westerwälder Steinzeug für den niederländischen Markt

Vom 26.09.2020 – 05.04.2021 findet die Sonderausstellung im Keramikmuseum Westerwald statt.Fotos: Keramikmuseum Westerwald

Kreis Westerwald. Das künstlerische Steinzeug vergangener Kunstrichtungen genießt zu Recht viel Aufmerksamkeit. Das Steinzeug als Verpackung von Lebensmitteln und das Gebrauchsgeschirr aus Küche und Keller fristet dagegen leider oft ein Schattendasein. Dabei ist der Alltag im Zeitalter der wachsenden Industrialisierung mit seinen rasanten technischen Veränderungen, geistig-philosophischen Auseinandersetzungen und Kriegen, ausgesprochen spannend. Erstmals werden nun Objekte aus der Sammlung von Adri van der Meulen (Rotterdam-Overschie) und Ron Tousain (Zoetermeer) in der Heimat ihres Entstehens präsentiert. Sie spiegeln in einer fesselnden Weise die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des Westerwaldes und der Niederlande aus der Zeit um 1800 bis Anfang des 20. Jh. wider. Frau van der Meulen hat, gemeinsam mit Paul Smeele († 2015), stets das Schlichte und Alltägliche im Blick gehabt. Beide bauten eine einzigartige Sammlung niederländischer Irdenware auf. Dabei kamen sie immer wieder mit Steinzeug Westerwälder Art in Berührung, deren Bedeutung beide erkannten. Zusammen mit Ron Tousain und seiner Leidenschaft für das besonders schön und individuell gestaltete Gebrauchsgeschirr, entsteht eine völlig andere Sichtweise auf die jahrhundertealten niederländisch-westerwälder Beziehungen. Die Sonderausstellung spannt den handelsgeschichtlichen Bogen jedoch noch weiter in die Vergangenheit und geht an dessen Wurzeln. Archäologische Bodenfunde aus Grenzau und Hillscheid belegen mit ihren individuellen Dekorelementen, dass mindestens seit dem 17. Jh. Auftragsware für niederländische Kunden angefertigt wurden. Die Verflechtungen des Adelsgeschlechts des Hauses Nassau spielen hier ebenfalls eine Rolle, denn Reichsgraf Wilhelm von Nassau-Dillenburg (1533-1584) erbte 1544 das Fürstentum Oranien und sein Nachfahre, Wilhelm III. von Oranien-Nassau wurde 1689 zugleich König von England. Ein Großteil des Kannenbäckerlandes lag zu dieser Zeit in der Grafschaft Nassau. Dem Themenbereich Handelspraxis und Transport wird in der Ausstellung viel Raum gegeben. Selbst über weite Distanzen – das Steinzeug aus dem Kannenbäckerland gelangte über die großen Häfen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen sowie London in die ganze Welt – waren Auftrag, Produktion, Transport und Weiterverkauf gut geregelt. Ein Großteil des Steinzeugs sowie Rohton wurden über den nahe gelegenen Rhein transportiert. Vieles gelangte aber zunächst nur bis zu den großen Messen und Märkten, wie in diesem Fall besonders nach Köln. Von dort wurde die Keramik nun als „Kölner Ware“ weitergehandelt. Landtransporte fanden meist mit Pferdegespannen, Döppe- oder Dippewogn genannt, statt. Viele Westerwälder suchten ihr Glück in den weltoffenen Niederlanden. Sie gingen nach Holland, um Geschirr mit der Kiepe auf dem Rücken oder auf kleinen Karren zu verkaufen und wurden in der Heimat „Hollandgänger“ genannt. Mancher wurde dort sesshaft, heiratete und passte seinen Namen dem Land an. Einigen gelang es über Generationen Großunternehmer zu werden. Für das Ausstellungsprojekt erhielt das Keramikmuseum dankenswerterweise Unterstützung von der Keramiekstichting Smeele Van der Meulen, dem Museumsverband Rheinland-Pfalz, der Niederländischen Diplomatischen Vertretung in Deutschland und dem Förderkreis des Keramikmuseums. Weitere Leihgaben stammen von Otmar Menne (Hillscheid), Keramikmanufaktur Schilz (Höhr-Grenzhausen), Firma Lucas Bols (Amsterdam) und Familie Spiegel (Burg Grenzau).

Im Rahmen der Sonderausstellung ist unter dem gleichen Titel ein Begleitband für 28 Euro erschienen.

Pressemitteilung

Keramikmuseum Westerwald

Das künstlerische Steinzeug vergangener Kunstrichtungen genießt zu Recht viel Aufmerksamkeit.

Das künstlerische Steinzeug vergangener Kunstrichtungen genießt zu Recht viel Aufmerksamkeit.

Vom 26.09.2020 – 05.04.2021 findet die Sonderausstellung im Keramikmuseum Westerwald statt. Fotos: Keramikmuseum Westerwald

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