Hospiz-Verein Rhein-Ahr weitet sein Angebot weiter aus
Kreis Ahrweiler. Den Unruhen und destruktiven Vorgängen in der Welt stellt sich der Hospiz-Verein Rhein-Ahr mit konstruktiven Dynamiken entgegen, so die Vorsitzende Ulrike Dobrowolny bei der Mitgliederversammlung. Beispiel dafür ist die Villa Höver an der Bad Neuenahrer Georg-Kreuzberg-Straße. Dort hat der von der Ahrflut um seinen Standort gebrachte Verein ein Zuhause gefunden hat, das er zunächst gemietet und seit Mitte März sein eigen nennt. Der Kauf erfolgte auch im Sinne der langfristigen Pläne zu Gunsten der Bürgerinnen und Bürger im Kreis Ahrweiler.
Sichtbar in Form eines Gebäudes, das man damit assoziiere, sei seit mehr als zehn Jahren bereits die stationäre Hospizarbeit mit dem Hospiz im Ahrtal. „Nach 34 Jahren sind wir nun mit der Villa Höver auch mit unseren ambulanten Angeboten, mit denen wir viel mehr Menschen erreichen, sichtbarer Teil des Kreises Ahrweiler geworden“, so Dobrowolny. Unter einem Dach ist der Verein dort mit der „Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung“ (SAPV), die einen Teil der Räume gemietet hat. Eine Nähe, aus der sich viele Synergien ergeben, wie die Anwesenden bei der Versammlung nicht zuletzt von Gabriele Ruggera erfuhren. Die SAPV-Geschäftsführerin und Hospizleitung verwies darauf, dass im Hospiz im vergangenen Jahr stationär 84 Gäste und von der SAPV ambulant 243 Patienten betreut wurden. An der Villa Höver will der Hospiz-Verein auch seine Ausbaupläne realisieren und ein Tageshospiz bauen. Dieses soll mit acht Plätzen auf dem zugehörigen Gelände über dem Parkplatz hinter der Villa errichtet werden. Auf den steinigen Weg bis dahin ging neben Dobrowolny Vorstandsmitglied Monika Lessenich ein.
Ausbauen wird der Verein überdies sein Begleitungsangebot – dafür bildet er gerade 20 Frauen und Männer in einem laufenden Kursus aus – und sein Angebot in der Fläche. „Die ländliche Region ist deutlich vernachlässigt. Das wollen wir verbessern.“ Dazu gehört das Angebot einer Ehrenamtsqualifizierung in Adenau. Außerdem wird Sebastian Klein als neuer Koordinator beim Hospiz-Verein aktiv werden.
Weitere Neuzugänge stehen ebenfalls für den wachsenden, nunmehr über 1400 Mitglieder zählenden und mit der Zeit gehenden Hospiz-Vereins. Im Vorstand begrüßt wurde die 30-jährige Nadine Kreuser. Nachdem die Ärztin Elisabeth Sous-Braun aus gesundheitlichen Gründen ausschied, war die 30-jährige Dokotorandin an der Universität Bonn bereits Ende 2025 in den Vorstand berufen worden und jetzt einstimmig ins Amt der stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Im Team der Koordinatoren hat Iris Flerus aus Sinzig zum 1. März ihren Dienst aufgenommen anstelle von Claudia Wengenroth, die zwölf Jahre beim Verein tätig war. Bereits im vergangenen Dezember ist Sabine Reintgen-Schäfer als Sekretärin zum Verein gestoßen.
Schatzmeisterin Gerlinde Liefke-Schmidt und Steuerberater Jörg Schiewe legten die „sehr solide Kassenlage“ des Vereins dar. Weitere Vorstandsangehörige berichteten für das vergangene Jahr aus ihren Zuständigkeitsbereichen: Berta Bauer über 14 Trauertreffs, die 54 Personen in Anspruch nahmen, um das Leben nach einem Verlust wieder neu zu lernen. Liesel Albrecht über die 16 „Letzte-Hilfe-Kurse“, die von sieben ausgebildeten Kursleitungen abgehalten wurden. Claudia Steinheuer über Veranstaltungen vom Tag der offenen Tür bis zur Weihnachtsfeier.
20 Jahre in der Hospizbegleitung
Unerlässlich für die Vereinsaktivitäten sind die aktiven Ehrenamtler. Als solche geehrt wurden bei der Versammlung Isa Sellin, Edith Schäfer, Franz Böder, Heinz Bossert und Iris Dietershagen, die seit zehn Jahren dabei sind. Käthemie Hafner stieß vor 15 Jahren aus Bayern dazu, und Anita Wiegmann, die einst in Düren ihre Hospizbegleitungsausbildung machte, vor stolzen 20 Jahren. Ihnen galt neben vielen anderen ein besonderer Dank und Applaus.
Im Jahr 2025 begleiteten 82 aktive Hospizbegleiterinnen und -begleiter insgesamt 282 Schwerstkranke und Sterbende im Kreis Ahrweiler sowie außerdem deren An- und Zugehörige, so Koordinatorin Heide Großgarten: „Bei 1506 Besuchen zu Hause, in Pflegeheimen und dem im stationären Hospiz leisteten sie wertvolle Unterstützung.“ Das sei sogar noch eine Steigerung zum Vorjahr. Der Verein bildet auch Hospizbegleiter für die neue Palliativeinheit am Bad Neuenahrer Krankenhaus aus. Koordiniert und gestützt wird der Einsatz der Ehrenamtlichen von den bisher vier hauptamtlichen Koordinatorinnen, die im Jahr 2025 eine Gesamtstrecke von mehr als 38.000 Kilometern im AW-Kreis zurücklegten: Großgarten: „Ziel ist es, dass die Menschen nach Wunsch zu Hause sterben können, Hilfen in der letzten Lebensphase zu koordinieren und die Angehörigen zu ermutigen, Sterben wieder als Teil des Lebens zuzulassen und Vertrauen zu gewinnen, selbst zu begleiten.“
Foto: privat
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