823. Marienwallfahrt in Buschhoven begann
Hunderte Pilger kamen zum ältesten Gnadenbild der Erzdiözese Köln
Die Tradition reicht bis ins hohe Mittelalter zurück
Buschhoven. Am Sonntag begann die alljährliche Marienwallfahrt in Buschhoven, die an diesem Wochenende endet. Wie immer wurden die zahlreich angereisten Wallfahrer in Buschhoven vom Glöckchen der Marienkapelle am Ortsrand begrüßt, von wo aus sie singend durch die mit Maien und mit rosengeschmückten Triumphbögen verschönerten Dorfstraßen zogen. Die Pilger ehren damit die „Rosa Mystica“, das älteste Gnadenbild der Erzdiözese Köln, das aus dem 12. Jahrhundert stammt.
Auf dem Vorplatz und in der Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Katharina nahmen erneut mehrere hundert Pilger an dem festlichen Hochamt teil, das von Hochschulpfarrer Dr. Martin Weitz (Wuppertal) zelebrierte wurde. Nach dessen Ende formierten sich die von nah und ern angereisten Wallfahrer zur Prozession.
Die Schützenbruderschaft geleitete dabei die Nachbildung des Gnadenbildes, die Jungschützen den Reliquienschrein durch den Ort. Musikalisch wurde die Prozession begleitet von den Musikkapellen aus Buschhoven und Bornheim. Im Anschluss an die vom feierlichen Beiergeläut der Pfarrkirche untermalte Prozession reichten fleißige Helfer allen Teilnehmern Rosen, die anschließend gesegnet wurden, um als Andenken an die Wallfahrt und als Anregung zum Gebet zur „Rosa Mystica“ in Krankheit und Sorgen mit nach Hause genommen zu werden.
Mit der 823. Wallfahrt zum „Maria-Rosenfest“ bleibt eine Tradition lebendig, die bis ins hohe Mittelalter, genauer bis ins Jahr 1190 zurückreicht.
Die Legende von Ritter Wilhelm von Schilling
Über den Anlass zur Wallfahrt gaben einst einige im Jahr 1686 angefertigte Holztafeln Auskunft. Nach der Legende ritt damals der Ritter Wilhelm von Schilling durch den Wald bei Buschhoven.
Durch das Bellen seiner Hunde aufmerksam geworden, entdeckte er eine Marienfigur. Die befand sich zwischen einer Kerze und einer Glocke in einem Rosenstrauch.
Der Ritter beschloss, die Statue mit in sein Schloss nach Bornheim zu nehmen. Als er am nächsten Morgen sein Morgengebet vor der Marienfigur verrichten wollte, war diese jedoch wieder verschwunden.
Er ritt wieder zu der Stelle, wo er sie gefunden hatte, und dort stand sie tatsächlich an der gleichen Stelle. Ritter Schilling sah dies als himmlisches Zeichen an und ließ an dieser Stelle eine Kapelle und ein Kloster zur Marienverehrung bauen. Das Kloster wurde ihm zu Ehren „Schillingskapellen“ genannt, heute ist daraus eine Wohnanlage geworden.
Werk aus dem 12. Jahrhundert
Im Jahr nach der Gründung, 1198, erfolgte eine Schenkung, laut der dazugehörenden Urkunde zugunsten „Sancte Marie super altare virginis de Capella“.
Dies wird als Hinweis auf das Vorhandensein einer Marienstatue über dem Hauptaltar der Stiftskirche verstanden. Es dürfte sich hierbei um das heute in Buschhoven verehrte Gnadenbild gehandelt haben, das sich kunsthistorisch als Werk des späten 12. Jahrhunderts bestimmen lässt, mithin eigens für die Ausstattung des neuerbauten Stiftes geschaffen worden sein dürfte.
Die Geheimnisvolle Rose
Obwohl sich an der Schillingskapeller Madonna selbst keine Anspielung hierauf findet, verlieh man ihr als besonderen Ehrentitel bald den Namen der „Rosa Mystica“, der Geheimnisvollen Rose.
Die Schillingskapeller Madonna wurde rasch Gegenstand der frommen Verehrung des Volkes, zum Gnadenbild, zu dem sich eine rege Wallfahrt entwickelte. Bereits für das Heilige Jahr 1300 ist die Privilegierung der Wallfahrt durch einen 40-tägigen Ablass bezeugt, den im Lateran zu Rom elf Bischöfe all denen gewährten, die als demütige Pilger das Stift besuchten oder es unterstützten.
Ein neuer Hauptaltar zu Ehren der hl. Jungfrau Maria wurde in der Stiftskirche im Jahre 1382 geweiht.
In ihn wurde selbstverständlich auch das alte Gnadenbild wieder eingefügt, das wohl zu diesem Zweck mit zwei neuen Sesselwangen im gotischen Stil versehen wurde. Alle sieben Jahre machten die Wallfahrer aus nah und fern, nicht zuletzt aus Ungarn, die zu den Aachener Heiltümern unterwegs waren, in Schillingskapellen Station.
Säkularisation unter Napoleon
All dies fand ein vorläufiges Ende durch die Säkularisation des Jahres 1802 unter Kaiser Napoleon, der die Klöster und Stifte des französisch besetzten Rheinlands und mit ihnen eben auch das Prämonstratenserinnen-Stift Schillingskapellen zum Opfer fielen. Die adligen Stiftsdamen wurden vertrieben, der Stiftsbesitz öffentlich versteigert, die Gebäude zum Gutshof umgebaut.
Um den Verbleib des Gnadenbildes, das man zunächst versteckt hatte, entbrannte damals ein Streit.
Es sollte eigentlich nach Bornheim, also zum Wohnsitz des dortigen Burgherrn als Nachfolger des Stiftsgründers, übertragen werden, doch erreichte der Buschhovener Schöffe Jakob Brünagel beim Aachener Bischof, dass es in die zuständige Pfarrkirche zu Buschhoven gelangte, mithin unweit seines ursprünglichen Aufbewahrungsortes verbleiben konnte. 1806 fand die feierliche Übertragung nach Buschhoven statt, wohin nun natürlich auch das Fest „Maria-Rosen“ wanderte.
Aufschwung durch den Rosenpastor
Dieses Fest nahm einen erneuten Aufschwung auf Initiative des Buschhovener Pfarrers Wilhelm Tent, des „Rosen-Pastors“, der zwischen 1921 bis 1959 die intensive Marienverehrung in der hiesigen Region auf frühe, vielleicht sogar vorchristliche Traditionen zurückzuführen versuchte.
Er verlieh dem bis dahin schlichten Fest die reichen Formen, die es im Wesentlichen noch heute prägen: Triumphbögen, Maien und Altärchen schmücken seither die Dorfstraßen, durch welche die Prozession mit dem Gnadenbild, von weißgekleideten „Rosenmädchen“ geleitet, zieht. Wobei seit einigen Jahren bei der Prozession das kostbare Gnadenbild durch eine Kopie ersetzt wird, das der Buschhovener Schnitzer Piechotta anfertigte.
Das Gnadenbild zog 1974 von der alten in eine neu erbaute Wallfahrtskirche um, wo es, von einem gläsernen Schrein geschützt, auch außerhalb der Wallfahrtszeit zum Zweck des Gebets, der Verehrung und des Dankes rege besucht wird. Buschhoven mit dem Gnadenbild der Rosa Mystica ist heute der bedeutendste Marien-Wallfahrtsort des Bonner Raums. Das Rosenfest am Sonntag vor dem Johannistag geht mit der Prozession und dem Rosensegen noch keineswegs zu Ende. Die ganze Oktav hindurch finden vielfältige Hl. Messen, musikalische Andachten und Prozessionen statt.
Das Gnadenbild der „Rosa Mystica“ stand im Mittelpunkt der Wallfahrt.
