Allgemeine Berichte | 09.02.2021, 10:12 Uhr

Kultur- und Heimatverein Niederzissen

„Ich bin zuversichtlich!“

Vorsitzender Richard Keuler im Interview mit BLICK aktuell

Richard Keuler.Foto: HE
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BLICK aktuell: Herr Keuler, wie geht es Ihnen und dem Kultur- und Heimatverein Niederzissen nach diesem Jahr mit und trotz Corona?

Richard Keuler: Hoffnungsvoll und zuversichtlich sind wir wohl alle mit Plänen, großen und kleinen Wünschen in das vergangene Jahr gestartet. Vieles war vorbereitet und sollte auf dem Fundament des Bewährten, aber auch mit neuen Ideen den Jahresablauf bestimmen. Aber es kam anders! Mit den seit März andauernden Einschränkungen unseres täglichen persönlichen Lebens, aber auch dem, hoffentlich nur ruhenden Stillstand des gesellschaftlichen Lebens, der Kultur, in und mit den Vereinen lernen wir, unser Denken und Handeln zu ändern und auch in längeren Zeitabschnitten zu planen. Das scheint mir tatsächlich eine gute Möglichkeit zu sein, nicht zu verzagen und voll Freude und Zuversicht den Blick nach vorn zu richten.

BLICK aktuell: Wie haben sich die Aktivitäten des Vereins im Laufe des Jahres entwickelt?

Richard Keuler: Es war ein Jahr, das zwar im Januar mit dem Neujahrsempfang und der Präsentation des neuen Internetauftrittes durch den Förderverein der ehemaligen Synagoge sehr erfolgreich begonnen hatte, uns danach aber durch die Pandemie und die verordneten Einschränkungen jäh ausbremste. Es führte auch bei uns in weiten Teilen zum Stillstand der Aktivitäten, vor allem mit Publikums- und Begegnungsverkehr.

Die zaghaften Gehversuche mit den Museumsöffnungen und dem Reparatur-Café im Sommer versprachen eine moderate Normalisierung. Was daraus wurde, ist hinlänglich bekannt. Durch den unvorhergesehenen Verlauf der Pandemie musste gezwungenermaßen manches um- oder anders organisiert und vieles erneut abgesagt werden.

BLICK aktuell: Was wird in diesen Zeiten aus der Kultur? Was vermissen Sie?

Richard Keuler: Was vor allen Dingen seit fast einem Jahr fehlt und leider auch noch weiterhin fehlen wird, ist die Begegnung und das gemeinsame Erleben kultureller und heimatbezogener Veranstaltungen. Allmählich frage ich mich, was ist wichtig?

Worauf kommt es uns persönlich und in unserer Gesellschaft an? Wird die Kultur ausgehungert? So wie mir wird es vielen Menschen gehen, die sich in Vereinen, Gruppen und Initiativen ehrenamtlich engagieren und auch gerne mal ins Kino, Theater oder Museum gehen. Dabei geht es nicht nur um Freizeit und Erbauung, sondern auch um Sinn- und Erkenntnissuche und wir merken das Fehlen schmerzlich. Ohne Kultur wird alles still.

BLICK aktuell: Gibt es auch Erfreuliches zu berichten?

Richard Keuler: Wenn auch nicht öffentlichkeitswirksam, so hat der KuHV auch im vergangenen Jahr einiges erreichen können, was die Arbeit im und mit dem Verein erleichtern wird. So konnten zum Beispiel im Rahmen eines vom Bildungswerk der rheinland-rheinhessischen Wirtschaft gGmbH unterstützten halbjährigen Praktikums alle dem Verein gehörenden Gegenstände des Heimatmuseums in der alten Schule und in der Halle am Bahnhof, im Gemeinde- und Vereinsarchiv, in Henks Mühle und in der ehem. Synagoge, inclusive der dortigen Bibliothek, in einem Bestandsverzeichnis erfasst werden. Des Weiteren ist eine vom Förderverein der ehem. Synagoge finanzierte und beauftragte digitale Datenbank der Genisafunde erstellt worden, die jetzt beim KuHV der Wissenschaft und weiteren an der Geschichte des jüdischen Lebens interessierten Personen zur Verfügung steht.

Über die Geldspende des Reparatur-Cafés an das Jugendrotkreuz wurde bereits berichtet.

BLICK aktuell: Wie sieht es aber nun für dieses Jahr 2021 aus?

Richard Keuler: Zunächst einmal gilt das Prinzip Hoffnung. Das Jahresprogramm mit bisher 11 geplanten Veranstaltungen für die ehemalige Synagoge steht mit der Möglichkeit, mit den Konzerten in die Pfarrkirche auszuweichen. Das ist so ein Lichtblick, für den ich mich bei der Pfarrgemeinde bedanke. Das erste Konzert „Streichquartette“ ist in der Reihe „Musik in der Synagoge“ der Stiftung Villa Musica für Freitag, 12. März, 19 Uhr, mit dem Malion Quartett und Ori Kam vorgesehen. Ob und wo es stattfinden wird, wird rechtzeitig bekannt gegeben. Alle Veranstaltungen mit ausführlichen Erläuterungen können im Internet unter www.ehem-synagoge-niederzissen.de/veranstaltungen/ und im Schaukasten an der ehem. Synagoge eingesehen werden. Das 2020 ausgefallene Mühlenfest ist für Pfingstmontag, 24. Mai, im Rahmen des deutschen Mühlentages neu geplant. Ich bin zuversichtlich, dass in diesem Jahr die Erinnerung an 1700 Jahre jüdisches Leben, Kultur und Geschichte in Deutschland gebührend gefeiert werden kann.

Dabei wird für Niederzissen der Verbund mit dem Landschaftsverband Rheinland, dem MiQua - jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, sowie dem dortigen Diözesanmuseum Kolumba eine wichtige Rolle spielen.

Aufgrund dieser guten Kontakte wird der LVR darüber hinaus zum Bahnfest der Brohltalbahn am 14. August am Bahnhof in Niederzissen die mobile Ausstellung „Jüdisches Leben im Rheinland“ ergänzt um das Thema „Brohltalbahn und Juden in der NS-Zeit“ präsentieren.“ Das Land Rheinland-Pfalz bereitet zu dem Jubiläum über das Institut für Landesgeschichte der Uni Mainz eine Wanderausstellung mit Rollups vor, zu der KuHV bereits erste Fotos zur Verfügung gestellt wurden.Sie wird auch nach Niederzissen kommen.

Gern weise ich auf die Herausgabe der überarbeiteten und neu gestalteten Chronik Niederzissens durch die Gemeinde hin, an der KuHV einem wesentlichen Anteil hat. Vorstandsmitglied Günter Nerger hatte die umfangreiche Schriftleitung und wurde durch seine Vorstandskollegin Brigitte Decker in beachtlichem Umfang unterstützt. Ich hoffe, dass die neue Chronik den Weg zu vielen Familien in Niederzissen und anderenorts finden wird. Sie ist bei Ortsbürgermeister Rolf Hans und der Touristinfo der Verbandsgemeinde Brohltal erhältlich.

Ob die im vergangenen April vorgesehene und abgesagte Mitgliederversammlung in diesem Frühjahr stattfinden wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werde. Auch dazu ist die Entwicklung abzuwarten.

Der Betrieb und die Unterhaltung der ehemaligen Synagoge in Niederzissen gehört zum Aufgabengebiet des Heimat- und Kulturvereins. Die Kulturveranstaltungen gehörten immer mit zur Finanzierung. Das geht seit einem Jahr nicht mehr.Foto: Kultur- und Heimatverein Niederzissen

Der Betrieb und die Unterhaltung der ehemaligen Synagoge in Niederzissen gehört zum Aufgabengebiet des Heimat- und Kulturvereins. Die Kulturveranstaltungen gehörten immer mit zur Finanzierung. Das geht seit einem Jahr nicht mehr. Foto: Kultur- und Heimatverein Niederzissen

Richard Keuler.Foto: HE

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