Amtswechsel bei der Evangelischen Kirche im Nassauer Land
„Ich werde betend leiten“
Propst führt Dekanin Renate Weigel und deren Stellvertreter Christian Dolke in Singhofen ins Amt ein
Singhofen. Propst Oliver Albrecht hat am Sonntag mit Pfarrerin Renate Weigel die erste hauptamtliche Dekanin des zu Jahresbeginn neu gegründeten evangelischen Dekanats Nassauer Land ins Amt eingeführt. Als Stellvertreter führte Albrecht Pfarrer Christian Dolke in der evangelischen Kirche von Singhofen ein. Gleichzeitig wurde den bisherigen Amtsinhabern der drei bis Ende 2015 eigenständigen Dekanate für ihren Dienst und die Vorbereitung der Dekanatsvereinigung gedankt.
Neues Dekanat muss gestaltet werden
Die Vorsitzende der Dekanatssynode Anja Beeres und Singhofens Gemeindepfarrer Harald Peter Fischer freuten sich über ein voll besetztes Gotteshaus zur Dekane-Einführung. Dass die Einführung auf den weltlichen Tag der Arbeit und den kirchlichen Sonntag „Rogate“ (zu Deutsch: „Betet!“) falle, sei sehr passend, sagte Albrecht in der voll besetzten Kirche von Singhofen, dem geografischen Mittelpunkt des Rhein-Lahn-Kreises, der bis auf einige Gemeinden im Westerwald und in Hessen fast deckungsgleich mit dem Dekanat ist. Für die 57-jährige Theologin und ihr Team stehe jetzt viel Arbeit an, um das neue Dekanat konkret zu gestalten und Kirche in der Region ein Gesicht zu geben. „Ich werde betend leiten!“ sei ein beeindruckendes Bekenntnis von Weigel zu ihrer neuen Aufgabe, so der Propst. „Das ist viel mehr als ‚In der Ruhe liegt die Kraft‘“, so Albrecht. „Das durchdringt das Planen, Organisieren, Denken und Reden auch noch in Top 17 einer Sitzung.“ Anschließend segnete der Vertreter der Kirchenleitung Weigel für ihren Dienst. Assistiert wurde er dabei von der Vorsitzenden des Dekanats Anja Beeres, den Theologen Prof. Dr. Peter Zimmerling (Leipzig) und Prof. Dr. Ruth Albrecht (Hamburg) sowie Erika Lenz aus Bornich, wo Weigel von 1989 bis 1996 Gemeindepfarrerin war.
Als stellvertretenden Dekan mit halber Stelle verpflichtete Albrecht Pfarrer Christian Dolke (Diez-Freiendiez). Ihm hatte der Propst zuvor für seinen fünfjährigen Dienst als Dekan des ehemaligen Dekanats Diez gedankt, in dem er große Herausforderungen wie die Pfarrstellenreduzierung gemeistert habe. Volker Krause, Prädikant aus dem Vogelsbergkreis, und Christiane Sonntag aus Diez-Freiendiez begleiteten den Segen.
Verantwortung im Sinne Gottes übernehmen
„Beten macht frei“, erklärte Renate Weigel in ihrer Predigt. Nur in dem Maße, wie eine Leitungsperson frei ist, könne sie auch verantwortlich arbeiten. „Durchs Beten entsteht Bewegungsraum.“ Was bedrücke und beschäftigte, bekomme nicht die ganze Macht, und Betende stünden nie ganz allein da. Außerdem rief sie die 56 Kirchengemeinden des Dekanats auf: „Eine Gemeinde, die betet, wird frei, die Türen und Grenzen zu öffnen, Mauern nicht stehen zu lassen und Verantwortung zu übernehmen im Sinne Gottes, der will, dass allen Menschen geholfen wird.“ Das gelte aktuell insbesondere auch für den Umgang mit Flüchtlingen.
Propst Albrecht hatte zuvor neben Christian Dolke auch Mathias Moos und dem erkrankten Martin Ufer für ihren Dienst als ehemalige Dekane gedankt: „In eine Fusion zu führen, heißt, die eigene Amtszeit zu beenden. Das verdient großen Respekt, Anerkennung und Dank.“ Mathias Moos habe dabei immer als ruhender Pol in aufwühlender Zeit gewirkt, und Martin Ufer habe große Verantwortung übernommen, obwohl er noch Pfarrer von drei Kirchengemeinden war, die ihre Fusion vorbereiteten.
Vertreter von Landesregierung, Kreis und Gemeinden überbrachten gute Wünsche an die Leitung des Dekanats im Anschluss an den Gottesdienst, der von der Kantorei St. Goarshausen unter Leitung von Kantor Markus Ziegler und einem Posaunenchor des Dekanats unter Leitung von Kantor Ingo Thrun musikalisch umrahmt wurde.
Gute Zusammenarbeit in der Flüchtlingshilfe
Das Jahr 2015 habe in der Flüchtlingshilfe gezeigt, wie gut im Land mit vielen Institutionen, auch den Kirchen, zusammengearbeitet worden sei, sagte der rheinland-pfälzische Innenstaatssekretär Randolf Stich. „Ich wünsche mir, dass sie auch künftig für die Politik beten“, knüpfte der Vertreter der Landesregierung an Weigels Predigt an. Bürgermeister Harald Gemmer (Katzenelnbogen), der im Namen aller Verbandsgemeinden des Rhein-Lahn-Kreises und der Stadt Lahnstein Glückwünsche übermittelte, sagte: „Ich kann ihnen nicht versprechen, immer einer Meinung zu sein, aber dass wir sie voll und ganz unterstützen, zum Wohl der Menschen immer gute Wege zu suchen.“
Den Gesangbuchvers „Vertraut den neuen Wegen“ gab Landrat Frank Puchtler der Dekanatsleitung mit auf den Weg und erinnerte ans große ehrenamtliche Engagement wie das von Präses Anja Beeres, von dem die Kirche in der Region lebe.
Zündende und laut beklatschte musikalische Glückwünsche überbrachten im Namen der Pfarrerschaft Kristian Körver, Anne-Bärbel Ruf-Körver, Daniel Cremers und Esther Reininghaus-Cremers, die eigens zur Einführung als Quartett mit einem Einführungs-Song auftraten.
Klänge der Band „Swing-Time“, Leckeres von Gaby á Wengen von den Landfrauen und Wein von Lahn und Mittelrhein sorgten im Anschluss für eine lebendige Feier in der Kirche.
Bis auf den letzten Platz gefüllt war das Singhofener Gotteshaus.
Kristian Körver, Anne-Bärbel Ruf-Körver, Daniel Cremers und Esther Reininghaus-Cremers gratulierten musikalisch.
Staatssekretär Randolf Stich (r.) überbrachte die Glückwünsche der Landesregierung.
