Theatergruppe Reißzwecke
Im Champagner-Express geht der Punk ab
Raubüberfall im Bord-Bistro ruft die Polizei auf den Plan
Ochtendung. Im First Class „Champus-Express“ entführt die Theatergruppe Reißzwecke ihre Fans diesmal in der „Kusch“ vom Hamburger Hauptbahnhof nach Wien, wobei der fahrplanmäßige Zwischenhalt in Passau wegen aktueller Gleisbauarbeiten kurzfristig entfällt. Dies passt dem Räuberpärchen Rudolf und Kati Rommel aber gar nicht in ihren ausgeheckten Plan, der einen Überfall auf das Bord-Bistro mit seiner prall gefüllten Kasse vorsieht. Doch bis es diesbezüglich zum Showdown kommt, gilt es für die Theaterfreunde zunächst einmal das beflissene Zugpersonal nebst Fahrgästen kennenzulernen. Gleich in den Vordergrund schiebt sich da die herrische und pfiffige Bistrokellnerin Gertrud, bei der das lose Mundwerk und die Bauernschläue jeweils am richtigen Platz sitzen. Zugchefin Gesine Grube-Steckel fällt durch ihr adrettes und pflichtbewusstes Auftreten ohne wirklichen Überblick auf, während Reinigungskraft Ilse Oppendung mit freundlichem Bemühen gegenüber Fahrgästen und Umwelt ihren Job versieht. Herr Wischnewski ist der beamtete Schaffner, der sich als Kontrolleur und Fahrkartenknipser der alten Schule präsentiert und Quickie-Tickets im Easy-Weekend-Tarif sowie Midlife-Crisis-Tickets an Soloreisende verkauft. Mit dem sächsischen Versicherungsvertreter Steffen Fettenläufer, ist er da gleich in seinem Element, denn dieser besitzt eine ungültige Fahrkarte und muss dementsprechend teuer nachlösen. Sein erkennbares Vergnügen steigert sich noch, als er eine unbedarfte Fahrradreisende mit ihrem Vehikel aus dem Bord-Bistro vertreiben darf, während sich Rudolf und Kati Rommel allmählich auf ihren Coup vorbereiten.
Der sieht eine Bedrohung der Bistrokellnerin Gertrud mit einem Revolver und das schnelle Abräumen des Kasseninhalts vor, während man zuvor die Eingangstüren mit Holzkeilen blockiert hat. Doch bevor hier der schnelle Zugriff gelingt, tritt noch die pelzbehangene Oma Lieselotte auf den Plan, die nicht nur auf der Suche nach ihrem im Zug verschwundenen Enkel Harvey ist, sondern überdies mit der völlig verpeilten Pathologin Dr. Piepenbrink einen medizinischen Verbalaustausch über das Aussehen und die Konsistenz von Cocktails aus dem Bord-Bistro hat.
Das Räuberpärchen legt los
Während der Enkel schließlich aufgefunden wird und sich als unterbelichteter 3-Zentner-Mann im Hard-Rocker-Outfit entpuppt, hat sich das Räuberpärchen jetzt schwarz vermummt und legt in Sachen Überfall los. Der geht zwar mehr oder weniger gut über die Bühne, allerdings muss man jetzt zeitnah ein adäquates Versteck für das Raubgut finden, da man den Zug ja nicht, wie ursprünglich vorgesehen, in Passau verlassen kann. Unisono geht die erbeutete Kohle bis zu einem erhofften Happyend auf eine abenteuerliche Reise innerhalb des Bord-Bistros und kann auch vom zwischenzeitlich eingetroffenen Ermittlerduo des Landeskriminalamtes, Axel Zöllner und Anne Kleinfeld, zunächst nicht aufgefunden werden.
Es sei hier nicht zu viel verraten, denn man darf sich auch an diesem Wochenende noch über drei weitere Vorstellungen der Theatergruppe freuen, die auch mit diesem Dreiakter von Bernd Spehling einmal mehr begeistern können. Allen voran Uschi Struck als Bistrokellnerin Gertrud, die in dieser Rolle völlig aufgeht. Kurt Mutschall und Elvira Matousek brillieren als Räuberpärchen Rommel, bei dem die resolute Gattin das Sagen hat. Hermann Tragl überzeugt als versierter Schaffner Wischnewski dem sein Zugkursbuch heilig ist und Nicole Schnack ist als Zugchefin Gesine-Grube-Steckel ein Augen- und Ohrenschmaus. Als Power-Ossi im Gewand des fachtrotteligen Versicherungsvertreters Fettenläufer begeistert Martin Struck, denn er beherrscht auch die sächsische Mundart perfekt. Gisela Liesenfeld erfreut als ängstliche Oma Lieselotte, während Daniel Schnack trefflich die Rolle des Rocker-Enkels Harvey besetzt. Jasmin Schmaus-Toloti scheint der Part der einfältigen „Zugputze“ Ilse Oppendung wie auf den Leib geschrieben und Jaana Ternes erfreut ebenso als verpeilte Pathologin Dr. Piepenbrink wie Sonja Mees als verkannte Radsportlerin mit Gepäckproblemen. Last but not least das polizeiliche Ermittlerduo Zöllner/Kleinfeld. In diese Rollen schlüpfen bravourös Sven Fischer und Sabrina Schneider und können das Publikum restlos von ihrer geschickten Unschicklichkeit überzeugen.
TE
Das wird teuer. Schaffner Wischnewski hat den Ossi-Fahrgast Fettenläufer mit einem ungültigen Ticket erwischt.
Das Räuberpärchen will von der Bistrokellnerin wissen, wohin ihre fette Beute verschwunden ist.
Räuberweibchen Kati Rommel versucht den Schaffner Wischnewski, durch Verführung, abzulenken.
Ist das Ermittlerduo dem richtigen Täter schon auf der Spur. Räuber Rommel gerät ins Grübeln.
