25 Jahre Theaterverein Kaifenheim
Im „Kademer Moor“ gehen Gespenster um
Jubiläumsvorstellung begeistert auf ganzer Linie
Kaifenheim. Dass sich eine südbayerische Moorlandschaft auch unmittelbar vor der Haustür von „Kadem“ wiederfinden lässt und ihre dichten Nebelschwaden bis hinauf auf die Bühne drücken kann, dafür trägt aktuell das brillante Theaterensemble der Kaifenheimer Laienschauspieler Sorge. Vor dem Hintergrund dieses Kademer Moors spielt sich das Geschehen in der heruntergekommenen Dorfkneipe von Moorwirtin Rosa Mohrs ab. Jene ländliche Gaststätte präsentiert sich als rustikal und trefflich eingerichtetes Bühnenbild in der baulichen Verantwortung von Rainer Wilhelmy. Hier geht es von Beginn an äußerst spannend zur Sache, denn die Bühnenakteure setzen in ihrem neuen Stück auf Schreck- und Gruselszenen die es in sich haben. In diesem Zusammenhang bedient man sich professioneller Bühnentechnik, die oftmals durch den überraschenden Einsatz von Licht- und Akustikeffekten punktet und schon am Rande für einen absolut fernsehtauglichen Rahmen sorgt. Diese Tauglichkeit erfüllen im Dreiakter von Ralph Wallner dann auch alle Bühnenakteure, die diesbezüglich einmal mehr in sämtlichen Szenen zur Hochform auflaufen. Dabei erspielen sie sich durch exzellente Mimik und Gestik, gepaart mit derber heimischer Mundart, absolute Bestnoten. Die Abläufe greifen gekonnt und nahtlos ineinander über und lassen dem Publikum kaum eine echte Verschnaufpause. Letztgenannte stellt sich nur zweimal, dann aber auch gewollt, zwischen den drei Akten ein. Bis dahin müssen sich die Zwerchfelle der erfreuten Zuschauer leidensfähig zeigen, denn auch dieses Stück der Kaifenheimer Schauspieler erweist sich als ein Gaudi-Festival allererster Güte. So präsentiert sich als Aufmacher die nach männlicher Zuneigung schmachtende Wirtin Rosa, die von Bettina Marx-Schwall, als resolute, bäuerliche Labertasche, trefflich in Szene gesetzt wird. In selbiger offenbart sich auch die Dorfnärrin Philomena, alias Angelika Brink, als herrlich schrullige, aber gewitzte Kartenleserin mit Weitblick. Sie ist es auch, die die beiden minderbemittelten Totengräber und Gebrüder „Schippe“ und „Schaufel“ mit einem Geisterfluch belegt, weil sie ihr einen bösen Schrecken eingejagt haben. Lothar Rink und Jakob Kaiser begeistern hier als jene schmutzigen und anstandslosen Vagabunden, deren Auftritte und verbalen Beiträge immer wieder für eine wohlige Gänsehaut beim Publikum sorgen. Ebenfalls auf Männersuche ist Witwe Josefine Sauer, klasse besetzt mit der wohlhabenden, aber im Stück von Eifersucht geplagten Andrea Rink. Sie hat sich mit Wirtin Rosa Mohrs in der Wolle, weil man gleichzeitig ein Auge auf den unverheirateten Schuster Jakob geworfen hat. Thomas Meiner verleiht diesem grobschlächtigen Unikum sein wohlgenährtes Antlitz und weiß dabei vor allem Letzteres brillant in Szene zu setzen. Der pfiffige Leo, alias Jan Wilhelmy, verdient sich als Jungknecht seinen Lohn bei Witwe Josefine Sauer auf dem Sauerrenze-Hof und greift den Analphabeten Schippe und Schaufel in Sachen Schriftverkehr schon einmal hilfreich unter die Arme. Er gewinnt dabei nicht nur auf Anhieb die Sympathie der Zuschauer, sondern auch die von der Zugereisten Lena, die auf der Flucht vor einem schlimmen Elternhaus ist und in Rosas Kneipe nach einem neuen Heim Ausschau hält. Vanessa Schwall verkörpert dieses junge aber intelligente Mädel überzeugend und mausert sich dabei schnell zum Publikumsliebling. Mit dem zweiten Vorhang wird es auf der Kaifenheimer Bühne gespenstig, denn die Flüche und Vorhersagen von Kartenlegerin Philomena nehmen Gestalt an. Diesbezüglich sei hier nicht zu viel verraten, denn auch an den kommenden Wochenenden erfreut das Kademer Theaterensemble sein Publikum noch bei sechs weiteren Vorstellungen.
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„Wer glaubt denn an Gespenster?“ Die beiden Totengräber machen sich fast vor Angst in ihre verschmutzen Beinkleider. Fotos: -TE-
Auch die Liebe kommt nicht zu kurz. Jungknecht Leo macht der schönen Zugereisten Lena einen Heiratsantrag.
